Alkoholismus

Alkohol hat in Österreich einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und eine ebenso hohe öffentliche Toleranz. Dementsprechend hoch ist auch die Zahl der Alkoholkranken. Alkoholismus ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die zu zahlreichen Schädigungen führen kann und auch die Sexualität stark betrifft.

Häufigkeit

Geschätzte 340 000 ÖsterreicherInnen sind alkoholkrank, nahezu jeder vierte Erwachsene konsumiert Alkohol in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß. Rund 10% der Österreicher und Österreicherinnen erkranken im Laufe ihres Lebens an chronischem Alkoholismus.

Geschlechtsspezifische Daten

  • Obwohl die Gesamtzahl der Alkoholkranken in den letzten Jahren nahezu gleich geblieben ist, nimmt der relative Anteil der Frauen deutlich zu, während der der Männer leicht sinkt.
  • Männer erkranken im Durchschnitt gerechnet nach dem 26., Frauen nach dem 34. Lebensjahr an chronischem Alkoholismus. (Handbuch Alkohol Österreich, BM für Gesundheit 2009).

Altersspezifische Daten

Die meisten ProblemkonsumentInnen findet man derzeit bei den 30- bis 39- Jährigen, die meisten täglichen AlkoholkonsumentInnen bei den Ab-70-Jährigen.
Die deutliche Zunahme des täglichen Alkoholkonsums bei den österreichischen Jugendlichen in den letzten 10 Jahren ist eher als entwicklungsbedingte Beschleunigung, also als Vorverlegen des Alkoholkonsums im Sinne eines früheren Reifens und einer früheren Selbstständigkeit zu interpretieren als als nachhaltige Konsumsteigerung (Handbuch Alkohol Österreich, BM für Gesundheit 2009).

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung von

  • Alkoholikerinnen ist um durchschnittlich 20 Jahre,
  • die von Alkoholikern um 17 Jahre reduziert (Böhringer et al. 2000).

Psychische Störungen bei Alkoholismus

Eine Alkoholabhängigkeit tritt praktisch nie allein in Erscheinung. So weisen 75% der Frauen und 53% der Männer, die sich in stationärer Behandlung befinden, zumindest eine komorbide Störung (psychische Störungen, die neben einer anderen, primären psychischen Störung vorhanden sind) auf, viele davon haben zwei oder auch mehrere zusätzliche psychische Erkrankungen (Moggi, F. 2007).

  • Bei rund einem Drittel der Alkoholkranken findet man im Laufe ihres Lebens die Kriterien einer Angststörung.
  • Noch höher ist der Prozentsatz bei depressiven Erkrankungen. Die Selbstmordrate (Suizidalitätsrate) bei Alkoholkranken beträgt bis zu 35%.
  • Auch mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen zeigt die Alkoholkrankheit enge Verbindungen. So finden sich bei bis zu 50% Merkmale einer Borderline- bzw. antisozialen Persönlichkeitsstörung.
  • Besonders hoch ist die Komorbidität mit anderen Formen von Abhängigkeitserkrankungen, wie Nikotinabhängigkeit (bis zu 85%) und Medikamentenmissbrauch (bis zu 40%) (Musalek, M. 2007).

Körperliche Folgen von Alkoholismus

Rausch (Akute Alkohol-Intoxikation)

Die Verträglichkeit von Alkohol und seine Auswirkungen haben je nach Toleranzlage ein sehr breites individuelles Spektrum.

Wirkt Alkohol im Bereich der Sexualität in niedriger Dosierung (ein Glas Wein oder Bier) enthemmend, kommt es bei erhöhtem Alkoholkonsum zu Wirkungen, die die Sexualität stören. (Mehr dazu im Artikel: Alkoholkonsum und seine Auswirkungen auf die Sexualität)

Bei der Frau kommt es zu weniger Empfinden, zu Erregungsstörungen und auch zu daraus resultierenden körperlichen Folgeerscheinungen, wie trockener Scheide.
Beim Mann kommt es zu Erektionsschwierigkeiten, aber auch zu Verzögerungen in der Ejakulation bzw. zu Orgasmusschwierigkeiten.

Alkoholvergiftung

Bei einer Blutalkohol-Konzentration von etwa 3 Promillen zeigen die meisten Menschen das Bild einer schweren Alkoholvergiftung (nach verhaltensdeutlichen Koordinations- und Artikulationsstörungen kommt es zur Beeinträchtigung der Bewusstseinslage, und zwar von ausgeprägter Schläfrigkeit bis hin zum Koma). Ab 5 Promille ist in der Regel mit einem tödlichen Ausgang zu rechnen.

Entzugserscheinungen

Folgende Entzugserscheinungen können auftreten, wenn bei chronischem Akoholkonsum die Alkoholzufuhr unterbrochen oder stark reduziert wird:

  • Kreislaufstörungen (Kollapsneigung, “Herzrasen” etc.)
  • Neurologische Störungen (Zittern, Sprachstörungen, starke Nervosität oder epileptische Anfälle)
  • Magen-Darm-Störungen (Brechreiz, Durchfälle etc.)
  • Starkes Schwitzen
  • Schlafstörungen
  • Psychische Störungen (Unruhe, depressive Verstimmung, Halluzinationen oder Angstzustände)

Alkoholdelir (Delirium tremens)

Schwerste Form des Alkoholentzug-Syndroms, lebensgefährdende Erkrankung (bis zu 20 % Todesfälle). Eine sofortige stationäre Behandlung ist unbedingt erforderlich.
Anzeichen:

  • Bewusstseinsstörungen,
  • Halluzinationen (“weiße Mäuse” sehen)
  • Desorientiertheit,
  • starke Angstzustände und
  • Unruhe

Persönlichkeits- und Hirnleistungsstörungen (organisches Psychosyndrom)

Durch den Abbau von Gehirnsubstanz kommt es zu Störungen

  • der Feinmotorik,
  • der Gedächtnisleistung,
  • der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit.
  • In weiterer Folge können sich auch Depressionen, Angstzustände und paranoide Störungen mit hoher Selbstmordgefährdung entwickeln (siehe weiter oben: Psychische Störungen bei Alkoholismus).

Schädigungen der Nervenbahnen (Polyneuropathien)

Bei etwa 20 Prozent der Alkoholiker treten

  • Taubheitsgefühle,
  • Empfindungen wie “Ameisenkribbeln” (Parästhesien),
  • Muskelschwäche oder -krämpfe und
  • Nervenschmerzen auf.
  • Auch der bei Alkoholikern oft zu beobachtende tapsige, unsichere Gang ist auf die Schädigung der Nervenbahnen zurückzuführen.

Erkrankungen des oberen Verdauungstraktes

  • Gastritis
  • Entzündungen der Speiseröhre (Ösophagitis)
  • Mallory-Weiß-Syndrom (Schleimhaut-Einrisse im Übergang von der Speiseröhre zum Magen, die durch Erbrechen entstehen können und sehr leicht zu Blutungen führen)
  • Speiseröhren- und Magenkrebs

Weiterführender Artikel

Um die eigene Gefährdung für Alkoholismus herauszufinden, gibt es den von der WHO publizierten Selbsttest: Bin ich alkoholgefährdet?