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Die Gefahr der gefälschten Medikamente

Seit Mitte der 1990er Jahre erfährt das Bestellen von Medikamenten im Internet einen Boom. Besonders beliebt: der Online-Erwerb von Potenzmitteln wie Viagra & Co. Praktisch ist es, anonym, günstig – und höchst gefährlich! Denn Arzneimittelfälschungen können schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursachen. Das Risiko, an ein gefälschtes Medikament zu kommen, ist enorm: 95 Prozent der über das Internet vertriebenen Arzneimittel sind Fälschungen.

Was sind Arzneimittelfälschungen?

  • Gefälschte Arzneimittel werden als Original verkauft, können jedoch den angeführten Wirkstoff in richtiger oder falscher Dosierung, einen anderen bekannten, unbekannten oder gar keinen Wirkstoff enthalten.
  • Die fehlenden bzw. anderen Inhaltsstoffe, die falsche Dosierung und Verunreinigungen können höchst gefährlich werden und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.
  • Auch die Variante, dass die gefälschten Medikamente keine Wirkung zeigen, ist medizinisch bedenklich, da dadurch auf die Einnahme eines wirkungsvollen Präparats verzichtet wird.
  • ACHTUNG! Nicht zu verwechseln sind gefälschte Medikamente mit Generika, also legalen und kontrollierten Nachbaupräparaten von ehemals patentgeschützten Arzneimitteln. Generika weisen dieselben Wirkstoffe wie das Original auf, sind in der Regel jedoch billiger und haben mit gefälschten Medikamenten nichts zu tun!

Welche Medikamente sind davon betroffen?

Das österreichische Arzneimittelkontrolllabor (Official Medicines Control Laboratory, OMCL) analysierte in den Jahren 2006 bis 2010 1.399 illegale Arzneimittel. Ein Großteil der Fälschungen, die beispielsweise 2008 analysiert wurden, betraf vor allem PDE-5-Hemmer, also Potenzmittel (68), Anabolika (22) und Suchtmittel (15). Davon wies mehr als die Hälfte Gesundheitsrisiken für den Konsumenten auf.

Bei Erektionsstörungen darf nie ein Medikament aus dem Internet bestellt werden! Die Gefahr, dabei ein gefälschtes Arzneimittel zu erhalten, ist sehr groß und kann sich fatal auf die Gesundheit auswirken. 2008 kamen in Singapur vier Menschen durch gefälschtes Viagra ums Leben.

Wie erkennt man Fälschungen?

  • Pharmafirmen versuchen heute, ihre Produkte möglichst fälschungssicher zu machen, etwa durch Hologramme, reflektierende oder fluoreszierende Pigmente oder DNA-Etiketten (Markierungen mit einer DNA-Struktur, die den genauen Weg des Medikaments aufzeigt).
  • Dass er es mit einer Fälschung zu tun hat, erkennt der Verbraucher aber beispielsweise auch am Fehlen der Gebrauchsinformation oder fehlenden Angaben von Wirkstoffstärke, Chargennummer und Zulassungsinhaber – Informationen, die jede zugelassene Originalverpackung aufweisen muss.

Wie kann man sich schützen?

In österreichischen Apotheken wurden bisher keine Medikamentenfälschungen gefunden. Wer also seine Medikamente ausschließlich aus der Apotheke und nicht über das Internet bezieht, ist sicher vor Fälschungen.

Bei einer von einem Pharmakonzern beauftragten Umfrage gab jedoch ein Viertel der befragten ÖsterreicherInnen an, schon einmal ein verschreibungspflichtiges Medikament ohne Rezept gekauft zu haben bzw. es bei Bedarf zu tun. Die Hauptgründe dafür: Weil es bequemer ist, weil man sich den Arztbesuch spart oder weil es billiger ist.

Hier liegt ein enormes Gefahrenpotenzial: mehr als 95% der im Internet verkauften Arzneimittel sind Fälschungen oder Substandards. Und das kriminelle Geschäft boomt: Arzneimittelfälschungen machen bereits rund 15 Prozent des Welthandels aus.

Österreichisches Kontrollinstitut

In Österreich arbeiten im Kampf gegen die Arzneimittelkriminalität zwei Institute der AGES PharmMed eng zusammen:

  • das Arzneimittelkontrolllabor (Official Medicines Control Laboratory, OMCL) und
  • die Medizinmarktüberwachung.

AGES PharmMed ist die nationale Zulassungsstelle für Arzneimittel. Sie operiert als ein Geschäftsbereich der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Eigentümer und Auftraggeber der AGES PharmMed ist die Republik Österreich.

Um über die Gefahren, die von einem illegalen Arzneimittelkauf und von gefälschten Medikamenten ausgehen, aufzuklären, wurde von der AGES PharmMed und dem Bundesministerium für Gesundheit die Informationsoffensive Gemeinsam gegen Arzneimittelfälschungen ins Leben gerufen.

Quellenangabe

AGES PharmMed; Pfizer;

Autor

Dr. Elia Bragagna, Mag. Christiane Moser (April 2011)