Bauchumfang und Testosteronspiegel

Die für den Mann typische bauchbetonte Körperfettspeicherung hat negative Effekte auf den Fettstoffwechsel und provoziert Insulinresistenz, Glukoseintoleranz bis hin zum Typ 2-Diabetes sowie Hypertonie (Bluthochdruck).

"Gutes" und "böses" Fett

Um zu verstehen, warum das Bauchfett so gefährlich ist, müssen zwei „Körperfettarten“ unterschieden werden:

  • das braune Fett
  • das weiße Fett

Bauchfett macht krank

Braunes Fett Das sogenannte „braune Fett“ benötigen wir unter anderem für die Temperaturregelung des Körpers. Nur etwa fünf Prozent des menschlichen Körperfetts ist braunes Fett. Man könnte es auch als „gutes Fett“ bezeichnen.

Weißes Fett Das weiße Fett dagegen ist ein hochaktives Gewebe, das uns nicht nur übergewichtig macht, sondern auch mit vielen Botenstoffen im Körper interagiert. Dieser Vorgang wird als „metabolisch aktiv“ bezeichnet. Viele ExpertInnen sprechen bereits von einem eigenen „Fettorgan“ und meinen damit hauptsächlich ein Zuviel an Bauchfett.

Metabolisches Syndrom Wer zuviel Bauchfett mit sich herumträgt, erhöht sein Risiko, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln erheblich. Als metabolisches Syndrom bezeichnen MedizinerInnen folgende Symptome:

  • Übergewicht
  • Insulinresistenz
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörung (zu hohes LDL und zu hohe Triglyzeride, zu niedriges HDL)

Auswirkungen auf Sexualität

Das metabolische Syndrom wiederum erhöht die Gefahr für eine ganze Reihe von (tödlichen) Erkrankungen - angefangen vom Typ 2-Diabetes, über Herz-Kreislauferkrankungen (Herzinfarkt) bis hin zu Schlaganfällen. Und selbstverständlich hat das Bauchfett (es wird auch als viszerales Fett bezeichnet) Auswirkungen auf die Sexualität.

Aus all diesen Gründen kommt der regelmäßigen Messung des Bauchumfangs, neben der Feststellung des Body Mass-Index erhebliche diagnostische und prognostische Bedeutung zu.

Testosteronmangel

Das Bauchfett hat nämlich maßgeblichen Einfluss auf die Menge des im Körper verfügbaren Testosterons. Bauchfett ist - wie bereits erwähnt - ein aktives Organ - und es verwandelt Testosteron in Östrogen.

Gleichzeitig nimmt die Testosteronmenge des Mannes im Laufe seines Lebens schleichend immer mehr ab, bei manchen Männern mehr, bei manchen weniger.

Wenn nun also zur physiologischen (altersgerechten) Abnahme des Testosteronspiegels noch ein hoher Anteil an Bauchfett vorhanden ist, kann der Testosteronspiegel immer weiter sinken. ÄrztInnen sprechen dann von einem Hypogonadismus (Testosteronmangel).

Teufelskreis

Bauchfett plus metabolisches Syndrom bedeutet also immer weniger Testosteron. Deshalb sollte die regelmäßige Messung des Testosteronspiegels - vor allem bei Männern mit metabolischem Syndrom und/oder Diabetes mellitus Typ 2 - regelmäßig gemessen werden. Epidemiologische Studien konnten belegen, dass die Beziehung zwischen Adipositas (starkem Übergewicht) und niedrigem Testosteronspiegel bei Männern sehr eng ist.

Lebensstil ändern - Testosteron substituieren

Bauchumfang und Testosteronspiegel: Grafik

Die Werte nehmen dabei mit steigendem Bauchumfang ab; Männer mit einem Umfang ≥102cm weisen meist erniedrigte Spiegel auf (Abbildung) (2). Eine Therapie mit Testosteron kann zur Reduktion der Fettmasse beitragen.

Die Untersuchung von Heufelder stellte bei Typ-2-Diabetikern einen größeren Rückgang des Bauchumfangs durch eine Behandlung mit Testosterongel 50mg/d plus Lebensstil-Maßnahmen als durch eine alleinige Lebensstilmodifikation fest (-14,6cm vs. -6,7cm nach 12 Monaten; p\<0,05) (3).

In derselben Studie kam es im experimentellen Arm zu einem Rückgang der Triglyzeride von durchschnittlich 279mg/dl auf 139mg/dl (Kontrollgruppe: 304mg/dl auf 205mg/dl; p\<0,05) und zu einer Steigerung des HDL von 40,7mg/dl auf 57,5mg/dl (Kontrollgruppe: 38,6mg/dl auf 47,2mg/dl; p\<0,05). Somit ermöglicht die Testosteronapplikation einen zusätzlichen Vorteil, der für eine Risikonormalisierung ausreichend sein kann.

Studien zum Weiterlesen

(1) Corona et al, Int J Androl 2009, Feb 10 [Epub adhead of print] (2) Svartberg et al, Eur J Epidemiol 2004; 19: 657-63 (3) Heufelder et al, Endocrine Society Abstract Book 2007: 151 Quelle des Artikels: Auszug aus Symposiumsbericht Firma Bayer Austria, “Erektile Dysfunktion und Testosteronmangel: Update 2009”, Fuschl Mai 2009