Buchrezension: Die nackte Elite

Buchrezension: Die nackte Elite

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39 Manager befragte die Wirtschaftsjournalistin Silvia Jelencic über ihre Sexualität, wie sie es mit der ehelichen Treue halten und ob und warum sie ins Bordell gehen.

Die befragten Männer gaben verhältnismäßig bereitwillig Auskunft - allerdings wollten nur 15 von ihnen ihren richtigen Namen im Buch abgedruckt sehen. Und jene, die ihren Namen nannten, darunter etwa Hannes Androsch und Teppichhändler Ali Rahimi, gaben an, natürlich noch nie in einem Bordell gewesen zu sein.

Umgekehrt gestaltet es sich bei jenen, die es vorzogen, anonym zu bleiben, darunter der Osteuropa-Verantwortliche eines Staatsbetriebes, der auf Dienstreisen immer wieder gerne das Angebot sogenannter “Edelprostituierten” annimmt.

Interessant auch eine - natürlich - anonyme Umfrage, für die die Journalistin für ihr Buch 63 Manager zwischen 30 und 60 Jahren befragt hat: Dabei gaben 92 Prozent der Befragten an, in einer festen Beziehung zu leben, 68 Prozent der Männer beantworteten die Frage nach Treue mit einem klaren Nein.

Bordelle und Probleme

Präsentiert wurde das Buch ausgerechnet im Wiener “Nobelbordell” Babylon, denn auch der Chef des Hauses, Peter Bretterklieber, wurde für das Buch interviewt. In der anonymen Umfrage gaben übrigens 52 Prozent der befragten Manager an, mindestens ein bis dreimal jährlich ein Bordell aufzusuchen und Frauen für Sex zu bezahlen.

Für den Bordellchef ist dies nicht nur völlig in Ordnung - er meint sogar, regelmäßige Bordellbesuche würden “vielleicht sogar Familien retten, denn eine Affäre mit einer Sekretärin kann nicht nur teuer werden, sie kann auch Ehen ruinieren.” Na dann!

Manager haben übrigens häufiger als die männliche Durchschnittsbevölkerung Probleme mit der Libido und der Erektionsfähigkeit. Probleme mit der Ehe sind ebenfalls nicht selten - was nicht wundert, wenn man sich die Ansichten so mancher Befragter staunend durchliest.

Frauen kaufen?

Die Journalistin Silvia Jelencic hat sich mit ihrem Buch sichtlich große Mühe gegeben. Es ist auch - ohne Frage - spannend, in die Lebens- und Denkwelten von Managern einzudringen. Was fehlt, ist eine kritische Bewertung dessen, was Jelencic von ihren Gesprächspartnern gehört hat.

Denn, auch wenn Bordellchef Peter Bretterklieber im Buch ungeheuer zynisch meint, dass “die Frauen der Bordellbesucher immer besser mitspielen würden, weil sie bei einem Bordellbesuch nicht blossgestellt werden”, so sollte immerhin festgehalten werden, dass es doch sehr fragwürdig ist, Frauen für Sex zu bezahlen.

Noch besser, weil pointierter, hat es eine Userin von diestandard.at ausgedrückt, nachdem sie die buchrezension auf dieser website gelesen hatte:

“Sowas ist sowas von scheinheilig. Ein Buch über Freuer in Nobelpuffs halte ich für mehr als entbehrlich.”

Fazit: Interessant nachzulesen, wer nicht wissen will, was Manager im Bett oder Puff so treiben, kann aber auch darauf verzichten.

Bewertung:

2 von 5 Punkten