Die Eierstöcke - Das Geheimarchiv des Lebens

Die Eierstöcke - Das Geheimarchiv des Lebens

Warum Frauen auf ihre Eierstöcke nur im absoluten Notfall verzichten können, welche Funktion diese Organe haben und warum sie auch als Säulen von Weisheit, Schönheit und Kraft bezeichnet werden.

Die Eierstöcke sind die Hoden der Frau

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Jede Frau besitzt im Normfall zwei Eierstöcke (Ovarien). Diese liegen im Bauchraum links und rechts der Gebärmutter. Am oberen Ende wendet sich der Eierstock dem Eileiter am unteren Ende der Gebärmutter zu. Die Eierstöcke dienen in erster Linie der Fortpflanzung, wie die Hoden bei den Männern. In den Eierstöcken sind die Eizellen der Frau gelagert. Aus dieser kann - nach der Verschmelzung mit der Samenzelle des Mannes - ein neuer Mensch hervorgehen. Deshalb kann man die Eierstöcke auch als „Geheimarchiv des Lebens“ bezeichnen.

Hormonproduktion

Daneben hat der Eierstock noch andere Funktionen. Er produziert auch alle Hormone, die für die Erhaltung der Art notwendig sind. Die Fortpflanzung ist ein vielschichtiger Akt, in den viele Organe und Systeme involviert sind. Das reicht vom Gehirn bis hin zum Stoffwechsel. Demzufolge haben die Sexualhormone, die im Eierstock produziert werden, das sind

  • Östrogen,
  • Gelbkörperhormon (Progesteron) und
  • Testosteron, weitreichende Auswirkungen auf das gesamte System des Körpers.

Währen der fruchtbaren (fertilen) Phase der Frau, die vom Einsetzen der Menstruation bis zum Eintritt in die Wechseljahre (Menopauses) reicht, produzieren die Eierstöcke die drei wichtigsten Sexualhormone: Östrogen, Progesteron und Testosteron. Schon einige Jahre vor der Menopause beginnt der Spiegel des Progesterons abzunehmen. Mit dem Eintritt in die Wechseljahre kann sich die Östrogenproduktion sehr stark reduzieren. Es wird fast nur noch Testosteron produziert.

Auswirkungen

Die Sexualhormone haben Auswirkungen auf körperliche Vorgänge aber auch auf die Psyche. Das reicht von der Spannung der Haut, über die Elastizität der Blutgefäße bis hin zum psychischen Wohlfühlen. All das dient letztlich ebenfalls der Erhaltung der Art. Diese Sicht der Dinge ist in der Medizin allerdings erst wenige Jahre alt.

Katastrophale Kastration

Jahrzehntelang wurden Frauen, die ihren Kinderwunsch abgeschlossen hatten, auch ohne großen Anlass die Gebärmutter (Uterus) und die Eierstöcke (Ovarien) entfernt. Mit teils katastrophalen Folgen. Erst in den letzten vergangenen Jahren stellt sich immer mehr heraus, wie wichtig die Erhaltung der Eierstöcke für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen sind.

Die Frauenheilkunde der vergangenen Jahrzehnte hatte andere Schwerpunkte und übersah dabei die Wichtigkeit der Hormone für die Frauengesundheit. Die operative Entfernung der Gebärmutter oder anderer innerer Genitalorgane stand im Zentrum des gynäkologischen Interesses. Dies hat viele Ressourcen und auch Zeit verbraucht, wodurch man sich den Problemen in der Frauengesundheit, sofern sie von den Hormonen abhängig sind, nicht ausreichend gewidmet hat. Dadurch entstand ein Wissensdefizit, das leider auch heute noch nachwirkt.

Wenn die Eierstöcke entfernt werden, kann der weibliche Körper kaum noch Sexualhormone produzieren - die Entfernung kommt damit einer Kastration gleich, die durchaus mit der Situation des Mannes vergleichbar ist, dem die Hoden entfernt werden.

Entfernung manchmal nötig

Manchmal allerdings ist eine Entfernung der Eierstöcke unumgänglich. Dann etwa, wenn ein hohes Risiko für Eierstockkrebs besteht (Ovarialkarzinom). Liegt ein stark erhöhtes Risiko vor, muss mit der betroffenen Frau genau besprochen werden, welche therapeutischen Möglichkeiten bestehen und welche Risiken die Erhaltung der Eierstöcke bergen. Erst dann - und gemeinsam mit der Patientin soll die Entscheidung für und wider Entfernung der Eierstöcke getroffen werden.

Fragen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt!

Folgende Informationen sollten sich Frauen von ihren ÄrztInnen holen, bevor sie einer Entfernung der Eierstöcke zustimmen:

  1. Welche Aufgaben erfüllen die Hormone, die in den Eierstöcken produziert werden?
  2. Was passiert, wenn diese Hormone - aufgrund der Entfernung der Eierstöcke - nicht mehr produziert werden?
  3. Welche Auswirkungen hat die Entfernung der hormonproduzierenden Eierstöcke auf das Gehirn?

Aufgaben der Sexualhormone

Progesteron (Gelbkörperhormon) Progesteron ist für die Zyklenintervalle zuständig. Auch auf die Befindlichkeit wirkt sich dieses Hormon aus. Ein Progesteronmangel kann zu depressiven Verstimmungen führen. Zu wenig Progesteron kann aber auch zu Wassereinlagerungen führen, zu Venenschmerzen und zur Blähung des Darmes.

Östrogene Östrogene sorgen für die Schönheit von Haut und Haar, wirken erweiternd auf die Blutgefäße und regulieren damit den Blutdruck. Sie schützen das Skelettsystem. Sie regulieren den Cholesterinspiegel und senken das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Sie sorgen weiters für die ausreichende Befeuchtung der Schleimhäute.

Testosteron Das männliche Sexualhormon (Androgen) Testosteron ist für eine starke Knochenmasse, das Muskelgewebe, die Spannung und Dicke der Haut zuständig. Es hilft beim Muskelaufbau, reduziert die Körperfettproduktion, verbessert die Denkfähigkeit, sorgt für den notwendigen Antrieb und wirkt gegen Depressionen und Herzerkrankungen. Außerdem ist es das „Lusthormon“, also jener Botenstoff, der die Libido erhält.

Selbstbeobachtung

Wenn die Eierstöcke entfernt werden müssen oder die Produktion der Sexualhormone vermindern (Wechseljahre) sollte die Frau genau beobachten, ob und gegebenenfalls welche Symptome sie entwickelt.

  • 30 bis 40 Prozent der Frauen bleiben von der „Wechseljahrsymptomatik“ verschont.
  • Aber etwa 60 bis 70 Prozent leiden unter Hitzewallungen, Flushes, trockenen Schleimhäuten, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Haarausfall und Libidostörungen.

Wenn solche Beschwerden auftreten, sollte in einem Drei-Schritt-System vorgegangen werden:

Erster Schritt: Gespräch

Bei jeder ärztlichen Beratung - vor allem aber auch, wenn es um die Hormonersatztherapie geht, soll am Anfang das Wort stehen, das ausführliche Gespräch, das in vielen Fällen ausreichend ist, Beschwerden, die die Patientin nicht immer zuordnen kann, zu erklären; dadurch wird die betroffene Frau beruhigt, da sie die Zusammenhänge kennt; oft ersetzt dies auch eine weitere Therapie.

Zweiter Schritt: Lebensstil

„Nach dem Wort kommt die Pflanze“, die als Synonym für Lebensstil-Maßnahmen steht, die mitunter ebenfalls zu einer Verbesserung klimakterischer Symptome führen kann.

Die Probleme des Androgenmangels, vor allem der Libidoverlust, können - um ein Beispiel zu nennen - durch körperliche Bewegung, durch Verzicht auf Alkohol und durch eine diskrete Gewichtsreduktion oft - ohne jedes Hormon gemanagt werden, vor allem körperliche Aktivität führt zu einem Ansteigen des Testosterons, welches man auch im Blut dokumentieren kann.

Dritter Schritt: Hormongabe

Hormone sollen dann Anwendung finden, wenn man die Lebensqualität der Frau mit den vorher genannten beiden Strategien nicht verbessern konnte, die Probleme aber durch einen Hormonmangel ausgelöst sind. Diese stufenweise Beratung der Frau ermöglicht ebenfalls ein sehr differenziertes Vorgehen, wobei allerdings noch einmal festgehalten werden muss: Die Hormone des Eierstocks sind körpereigene Substanzen, welche der weibliche Organismus über Jahrzehnte bildet und die mit einem Gift nicht gleich gesetzt werden dürfen. Denn die Dosis ist es, die das Heilmittel oder das Gift ausmacht.

Schönheit, Weisheit und Stärke

In der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ werden drei Säulen dargestellt. Diese Säulen sind „die Säule der Weisheit“, „die Säule der Schönheit“ und „die Säule der Stärke“. Poetisch ausgedrückt, könnten die drei Hormone, die in den Eierstöcken produziert werden, durchaus mit diesen drei Säulen gleichgesetzt werden: Das Östrogen ist das Hormon der Schönheit, das Progesteron stellt die Säule der Weisheit dar und das Testosteron ist die Säule der Stärke.