Die Lust der reifen Jahre

Die Lust der reifen Jahre

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Lust und Sexualität sind an kein Alter gebunden. Auch wenn sich der Körper in seiner sichtbaren Erscheinung und den dahinterliegenden nicht sichtbaren (aber spürbaren) Prozessen verändert, bedeutet das noch lange nicht, dazu gezwungen zu sein, Probleme mit der Sexualität als unabänderliche Alterserscheinung hinzunehmen.

Körperliche Veränderungen

Ein wesentlicher Punkt, warum sich Sexualität im Alter schon rein organisch verändert, liegt im veränderten Hormonhaushalt. Zahlreiche Hormone und Botenstoffe werden nach und nach abgebaut, körperliche Veränderungen sind die Folge. Zwar bleibt die Orgasmusfähigkeit bis ins hohe Alter erhalten, dafür kann es aber zu anderen Problemen bei der Sexualität kommen.

  • Bei der Frau kommt es zum Abbau von Östrogen, Progesteron und Testosteron. Die Genitalien werden dadurch schlechter durchblutet, das genitale Lustempfinden sinkt. Die Scheide wird trockener (Lubrikationsstörung), es kann zu Erregungsstörungen, Lustlosigkeit und schmerzhaften Geschlechtsverkehr kommen.
  • Beim Mann kommt es durch den Abbau von Testosteron ebenfalls zu einer verringerten genitalen Durchblutung und damit zu einem reduzierten Lustempfinden bzw. Erektionsproblemen.

Hilfsmittel

Manchmal bedarf es im fortgeschrittenen Alter Hilfsmittel, damit es dem Köper leichter fällt Sexualität zu leben. Im Beratungsgespräch mit dem Arzt können die passenden gefunden werden.

  • Lokal aufgetragene Cremen oder Gels können die Durchblutung und damit die Erregung fördern bzw. die Gleitfähigkeit in der Vagina verbessern.
  • Frauen können außerdem den Eiweißbaustein L-Arginin einnehmen, der ebenfalls die Durchblutung und damit das Lustempfinden steigert.
  • Bei Homonmangel kann es gut sein, falls keine Kontraindikationen bestehen, die fehlenden Hormone nur lokal aufzutragen oder als Gel, Pflaster, Tablette…zu ersetzen.
  • Bei Erektionsprobleme, gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die in Absprache mit dem Arzt (!) probiert werden können.

Weitere Ursachen für Sexualstörungen im Alter

  • In unserer von üppigem Essen und Bewegungsmangel geprägten Überflussgesellschaft ist ein ungesunder Lebensstil eine häufige Ursache von Sexualstörungen. Das metabolische Syndrom (gestörter Zuckerhaushalt, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Fett Anlagerung, vor allem am Bauch, Bluthochdruck) ist zu einer Volkskrankheit geworden, das neben anderen Schädigungen des Körpers eine enorm negative Auswirkung auf Blutgefäße, Hormonhaushalt und damit auf die Sexualität hat. Ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung können dem entgegenwirken.
  • Schmerzen, Erkrankungen, körperliche Einschränkungen und Medikamente können sich störend auf die Lust auswirken.
  • Psychische Komponenten und Schwierigkeiten in einer Partnerschaft können ebenfalls das Bedürfnis nach Sex gegen null reduzieren.

Gesellschaftliche Hemmschwellen

Sex im Alter ist nach wie vor ein Tabu. Für die Jungen sowieso, aber auch für die angesprochene Personengruppe selbst und für die behandelnden Ärzte. Anstatt sexuelle Probleme genauso zu behandeln wie andere altersbedingte Erkrankungen, z.Bsp.: Altersweitsichtigkeit oder Schwerhörigkeit, werden leider auch von ärztlicher Seite sexuelle Probleme als gegeben hingenommen und akzeptiert. Dabei ist die positive Wirkung von befriedigender Sexualität auf Gesundheit und Psyche unbestritten.

Junge, faltenfreie Haut und knackige Körper scheinen in unserer Gesellschaft als Voraussetzung für Sexualität gesehen werden. Älteren Menschen wird aber damit das Recht und Bedürfnis auf Sexualität oft abgesprochen. Warum das so ist, liegt auch in unserer Geschichte. Seit der Antike wurde Sexualität negativ bewertet, in der katholischen Kirche nahm die sexualfeindliche Haltung ihren Fortlauf und wurde nur noch auf die Zeugung von Nachkommen reduziert. Hat man ein Alter erreicht, in dem dieses Thema abgeschlossen ist, wird einem damit generell das Recht auf gelebte Sexualität abgesprochen. Auch ein Grund, warum älteren Männern noch eher ein Sexualbedürfnis zugestanden wird, als älteren Frauen.

Wer auch im fortgeschrittenen Alter sexuell aktiv bleiben möchte, für den gilt es, sich selbst als sexuelles Wesen wahrzunehmen und vernichtende Gedanken, zu alt für Sexualität zu sein, zu verbannen, ihnen stattdessen mit positiven Gedanken oder Aussagen entgegenwirken: „Ich darf immer, bis ins hohe Alter hinein, Lust empfinden und Sex haben - ich muss es aber nicht.“ Das nimmt Druck und lässt Raum für Neues zu.

Was verändert sich beim Sex?

Sex in den reiferen Jahren ist nicht schlechter als Sex in jungen Jahren. Er ist anders. Und wird oft in seiner Qualität sogar als subjektiv „besser“ erlebt, sobald man sich vom Leistungsdruck befreit hat. Oft dauert es einfach länger, bis beim Mann eine Erektion zustande kommt und die Frau ausreichend feucht ist. Wer sich und dem Partner, der Partnerin jedoch die nötige Zeit dafür gibt, wird belohnt. Das langsame Liebesspiel wird oft als intensiver und befriedigender empfunden, der Körper ist erfahrener und weiß, was er will. In langjährigen Beziehungen kann sich auch die Vertrautheit und das Wissen um den Körper und die Erregbarkeit des anderen positiv auswirken. Auch Kuscheln gewinnt an Bedeutung, was viele Paare als Bereicherung empfinden.

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