Dysmenorrhoe

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Eine besonders schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhoe, Dysmenorrhö) ist weit verbreitet und kann unterschiedliche Ursachen haben. Es gibt zahlreiche Therapiemöglichkeiten. Wichtig für Frauen ist daher, nicht still zu leiden, sondern bei starken Beschwerden den Gynäkolgen/ die Gynäkologin aufzusuchen.

Definition

Der Begriff leitet sich vom griechischen Dys (abseits des Normalen, regelwidrig) und dem neulateinischen Menorrhagie (Monatsblutung) ab. In der medizinischen Fachsprache steht Dysmenorrhoe ausschließlich für eine “über das normale Maß hinausgehende” schmerzhafte Regelblutungen.

Häufigkeit

  • 60-90% der Frauen gaben in Studien an, unter Regelschmerzen zu leiden.
  • Bei immerhin 20% aller Frauen besteht ein Wunsch nach Behandlung.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen sind:

  • Endometriose: In der Embryonalentwicklung des Mädchens kommt es dazu, dass Endometrium-Zellen nicht nur dort landen, wo sie hingehören - also an die Innenseite der Gebärmutter - sondern auch anderswo: In der Gebärmutterwand, am Bauchfell, im Eierstock (Schokoladecysten), im Darm (immer schmerzender Durchfall während der Menstruation) in der Blase oder irgendwo sonst im Körper. Diese versprengten Inseln machen den ganzen Zyklus mit, aber zur Zeit der Menstruation kann es von dort aus zu keiner Abblutung kommen, weshalb die maximal aufgebauten Zellen große Schmerzen verursachen.
  • Bei Frauen, die eine nach hinten (d.h. nicht wie normalerweise nach vorne) geknickte Gebärmutter haben, bestehen häufiger Dysmenorrhoen.
  • Über die Norm hinausgehende Bildung von Prostaglandin(en), v.a. PGF2 alpha im Endometrium führen zu einem erhöhten Tonus allgemein und verstärkten Kontraktionen der Uterusmuskulatur während der Menstruation.
  • Myome: gutartige Geschwülste der Gebärmutter, die bei Erreichen einer bestimmten Größe (Mandarinen- bis Kindskopfgröße) Dysmenorrhoen verursachen können, aber keineswegs müssen.
  • Polypen des Endometrium: Fast immer gutartige Wucherungen der Schleimhaut, die (wie auch Myome!) zu Hypermenorrhoen und schmerzhaften Blutungen führen können.
  • Entzündliche, durch aufsteigende Bakterien verursachte Gebärmuttererkrankungen (Endometritis)
  • (Narbig) verengter Gebärmutterhalskanal: z.B. nach Operationen am Muttermund bzw. Gebärmutterhals, oder nach zu brüskem Aufdehnen des Halskanals bei Curettagen: Das Menstrualblut kann nicht gut abfließen, die verstärkten Kontraktionen bedingen Schmerzen.
  • Seelisch bedingte Ursachen (psychogen): z.B: Unerfüllter Kinderwunsch, tiefer gehende Partnerkonflikte jeder Art, Ablehnung des Frauseins, der weiblichen Rolle.

Symptome

Krampfartige, meist in Wellen auftretende Unterbauchschmerzen, die in den Rücken (d.h. tiefere Kreuz-Darmbeingegend) und/oder in die Oberschenkel ausstrahlen können. Bei schwereren Fällen kommen unter Umständen Kopfschmerzen (bis zu Migräne), Übelkeit, Erbrechen, allgemeine Leistungsminderung, Durchfall oder Verstopfung dazu.

Die maximalen Beschwerden treten am ersten und zweiten Blutungstag auf. in dieser Zeit können Betroffene oft ihren Verpflichtungen nicht optimal nachgehen (Lebensqualitätsverminderung).

Diagnose

Die Diagnose Dysmenorrhoe ist leicht zu stellen, da die Patientin sie sozusagen zum Arzt/ zur Ärztin schon mitbringt: “Ich habe starke Regelschmerzen (evtl. mit Begleitsymptomen), die so geartet sind, dass sie meine Lebensqualität an diesen Tagen einschränken und die ich gerne behandeln möchte!”

Diagnostische Verfahren

Ganz im Gegensatz dazu kann das Feststellen der Ursachen schwieriger sein: Es stehen verschiedene diagnostische Verfahren bzw. Hilfsmittel zur Verfügung:

  • Ausführliche Anamneseerhebung (wie immer in der Medizin ganz wichtig): Wie, seit wann, wie stark, wie genau sind die Schmerzen? Fragen nach Lebenssituation, Partner, Beruf, Kindern, Sexualität.
  • Gynäkologische Untersuchung mit Scheidenultraschall: Druckempfindliche und/oder bewegungsempfindliche Gebärmutter? Abgrenzung zu Adnexitis, Lage, Größe und Morphologie der Gebärmutter, Fahndung nach Myomen, Polypen, Schokoladenzysten, evtl. freier Flüssigkeit im kleinen Becken.
  • Bei Verdacht auf organische Ursachen: Stationäre Aufnahme (für einen Tag) und Durchführen einer Hysteroskopie und evtl. operative Entfernen von Polypen und/oder einer Laparoskopie: Man inspiziert Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke und Bauchfell: Bei vorhandenen Endometrioseherden können kleinere gleich abgetragen werden.

Allgemeiner Rat

Jede Frau mit einer stärkeren Dysmenorrhoe sollte einmal eine Laproskopie machen lassen, um eine Endometriose zu bestätigen oder auszuschließen!

Therapie

Schulmedizin

Allgemeine Ratschläge

  • Magnesiumzufuhr (drei Mal in der Woche z.B. ein Magnosolv Granulat zwischen zwei Mahlzeiten schluckweise langsam trinken),
  • Omega 3 Fettsäuren (Fischöl-Kapseln aus der Apotheke) und
  • wenig bis gar kein Salz in der Nahrung.
  • So viel Sport als möglich (Endorphinausschüttung).
  • Wärme: z.B. heißes Bad, Wärmeflasche.

Schmerztabletten

  • Bei leichteren Beschwerden: Krampflösendes (Buscopan® oder Buscopan® compositum-Dragees) oder Mefenaminsäure (Parkemed 500 mg-Filmtabletten®)
  • Bei starken Schmerzen: NSAR (z.B. Brufen® 400-600mg so früh wie möglich) wirkt gut, aber Achtung: schlägt auf den Magen, evtl. Magenschutztherapie zusätzlich.

Bei gleichzeitigem Wunsch nach Verhütung

  • Das Mittel der Wahl ist “die Pille”, sofern keine Kontraindikationen vorliegen: Hier sollte eher höher dosierten Präparaten der Vorzug vor ganz niedrig dosierten gegeben werden (z.B. Cileste®, evtl. Diane mite®, oder Valette® 4 Monate ohne Pause, dann 7 Tage Pause)
  • MPA (3-Monatsspritze, d.h. eine Gelbkörperhormonspritze alle 12 Wochen): Meist keine Blutung mehr, sicher keine Schmerzen, sehr sichere Verhütung,
  • Hormonspirale Mirena®: Sehr sicher, weniger bis keine Dysmenorrhoe, Blutung wird schwächer.
  • Vor allem bei Verdacht auf Endometriose: Minipille:1×1 Cerazette® ohne Pause.

Bei gleichzeitiger Hypermenorrhoe (verstärkte Menstruationsblutungen)

Hier lohnt ein Versuch mit Gestagentabletten in der zweiten Zyklus-Phase (behandelt auch PMS!): z.B: 2×10mg Duphaston® vom etwa 16.-25. Zyklus-Tag.

Bei sehr schweren Fällen von extragenitaler Endometriose Bei Endometriose mit ausgedehntem Darmbefall empfehlen sich GnRH-Analoga: Damit kommt es zur völligen Ausschaltung des Zyklus und Abschwellung der Herde. Vor allem vor einer operativen Sanierung (nur durch ausgewiesenen Experten!!) und nicht länger als maximal 1Jahr. Nebenwirkungen: Klimakterisches Syndrom!

Alternativmedizin

Bewährt haben sich

  • Mönchspfeffer,
  • Keuschlamm (Agnus castus),
  • Frauenmantel oder
  • Schafgarbenkraut.

All diese Mittel sind in der Apotheke rezeptfrei erhältlich.

Tipps zur Therapie

Jede Frau und jeder Fall von Dysmenorrhoe ist spezifisch. Zum Erfolg führt nur die entsprechende maßgeschneiderte Therapie nach Gespräch, Untersuchung und evtl. eingeholten Befunden. Bitte haben Sie keine Scheu, Ihre/n Gynäkologen/in neuerlich aufzusuchen, wenn Sie nicht ausreichend schmerzfrei sind: Keine Frau sollte heute noch wie zu Urgroßmutters Zeiten ihre “Tage” im Bett leidend verbringen und damit auf viel Zeit ihres Lebens verzichten müssen!

Quellen

Ingrid Gerhard,Marion Kiechle: Gynäkologie integrativ, Elsevier GmbH Urban&Fischer Verlag 2006

Robert L.Barbieri: primary dymenorrhea in adults (www.uptodate.com)

Fugh-BermanA,Kronenberg F: Complementary and alternative medicine in
reproductive-age women: A review of randomized controlled trials. Reprod.Toxicol 2003 (Mar-Apr) 17(") 137-52