Erektionsstörungen: Psychosoziale Faktoren als Ursache

Erektionsstörungen: Psychosoziale Faktoren als Ursache

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Sollte Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sagen, dass Sie “organisch nichts haben” und dass Sie “ein psychisches Problem haben”, dann seien Sie nicht geknickt. Übersetzt heißt das ja nur, dass die ÄrztInnen keine körperlichen Ursachen für die Erektionsstörung gefunden haben und sie keine weiteren Erklärungen für die Sexualstörung haben.

Es gibt aber eine große Anzahl von Ursachen für Ihre Erektionsstörung, die sehr wohl einen Namen und eine Erklärung haben. (Stress, Unsicherheit, Selbstbeobachtung, private und berufliche Belastungen …)

Unmittelbare Faktoren

  • Belastende soziale Situation: Überforderung am Arbeitsplatz, Angst um den Arbeitsplatz, Mobbing am Arbeitsplatz, Mehrfachbelastungen, Geldnot, enge Wohnverhältnisse
  • Selbstbeobachtung: Wer einige Male Erektionsprobleme hatte, neigt dazu sich ganz genau zu beobachten und sich dadurch zusätzlich zu stressen. Klappt es nämlich erneut nicht, dann hat man sozusagen für sich die Bestätigung, dass man „versagt“ hat. Beim nächsten Mal hat man schon eine Vorahnung, dass es nicht klappen wird, UND es wird auch nicht klappen - man kommt immer stärker in eine „sich selbst verstärkende Negativspirale”. Dadurch wir jede normale Erektion unmöglich. WARUM? Jedes Mal wenn man sich selbst genau beobachtet, aktiviert man über das Gehirn (Gefühlszentren) den Stressnerv. Der wiederum erschwert den Blutzufluss zum Penis und damit das Steifwerden des Penis.
  • Kommunikationsprobleme: Erektile Dysfunktion in der Partnerschaft: Was immer Ihre Sexualität stören könnte, sollten Sie auch mit Ihrer Partnerin/ihrem Partner besprechen. Sie/Er kann keine Gedanken lesen. Wenn Sie z.B. noch nicht bereit sind, nicht so oft Sex haben wollen oder nicht in der Art, wie es Ihre Partnerin/Ihr Partner wünscht oder wenn Sie zu nervös und unsicher sind usw.
  • Störende erotische Atmosphäre: Auch wenn es immer wieder behauptet wird. Männer sind keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren! Es gibt sehr viele Situationen, die alles andere als sexuell anregend sind. Erlauben Sie sich nein zu sagen, wenn Sie merken eine Situation stresst Sie. Wenn Sie es nicht sagen, macht das Ihr Penis für Sie und das ist für Sie sicher unangenehmer.

Mögliche tiefer liegende Ursachen

Persönliche Ursachen

  • Strenge Erziehung
  • Belastende Erlebnisse
  • Unbewusste Vorgänge (Angst vor zu viel Nähe, Sexualität kann nicht bei “geliebter Frau” gelebt werden…)

Partnerbezogene Ursachen

  • Nicht ausgetragene Beziehungsprobleme
  • Machtkämpfe
  • Nähe-Distanzregelung
  • Gelegentlich auch ein “geheimer Vertrag”, wenn der Mann merkt, dass seine Partnerin/sein Partner eigentlich Angst vor Sexualität hat
  • Gelegentlich verhindert Mann durch eine Erektionsstörung die als beschämend empfundene Situation des vorzeitigen Samenergusses usw.

Stress und Erektionsprobleme

Sollten Sie einige Male aus unerklärlichen Gründen keine Erektion gehabt haben, dann haben Sie sicher nach den zweiten Mal angefangen sich selbst zu beobachten. “Wird es diesmal klappen?”, “Hoffentlich klappt es diesmal”, “Wer weiß ob er steif wird.” Mit jedem Mal werden Sie unsicherer und je mehr sie sich beobachten, desto unwahrscheinlich wird es, dass ihr Penis steif werden kann.

Wie schon erwähnt, gibt es neben den Sexzentren im Gehirn ein Zentrum (limbisches System = Gefühlszentrum), das die Aufgabe hat, sich angenehme und unangenehme Situationen zu merken. Das war in der Entwicklungsgeschickte für uns Menschen sehr wichtig, denn so haben wir und merken können, welche Situationen für unser Überleben gut oder schlecht sind.

Fluchtnerven

Wenn sich aber dieses Gefühlszentrum merkt, dass jede sexuelle Situation für sie Stress, Angst zu versagen, Unwohlsein bedeutet, dann gibt es den “Fluchtnerven” den Befehl aktiv zu werden. Diese Fluchtnerven können aber auch aktiv werden, wenn Sie unter starker körperlicher oder beruflicher Belastung stehen, aber auch wenn es in Ihrer Beziehung Spannungen gibt.

Diese “Fluchtnerven” (Sympathisches Nervensystem) haben aber unter anderem die Aufgabe, die Blutzufuhr zu Ihrem Penis zu drosseln. Unter diesen Umständen haben Sie gar keine Möglichkeit einen steifen Penis zu bekommen.

Weiterführende Artikel

Mehr zu Ursachen von Erektionsstörungen

Einen Überblick über Definition, Häufigkeit, Ursachen, Diagnose und Lösungsansätze finden Sie im Artikel Erektionsstörungen