Erektionsstörung (ED) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Erektionsstörung (ED) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Was das Herz krank macht, macht auch impotent

Erektionsstörungen sind bei vielen Männern das erste Zeichen für einen drohenden Herzinfarkt.

Studien zeigen auf, dass zwischen dem Auftreten einer Erektionsstörung und dem ersten Symptom einer Erkrankung der Herzkranzgefäße 2 - 3 Jahre liegen und das Zeitintervall bis zum Infarktgeschehen 3 - 5 Jahre beträgt. Dieses Wissen sollten alle nutzen und beim ersten Auftreten einer ED ihren Arzt aufsuchen. Dieser kann dann abklären, wie hoch ihr persönliches Herz-Kreislauf-Risiko ist.

Zusammenhang Herz-Kreislauf- Erkrankung und Erektionsstörung

Sowohl die kleinen Penisgefäße als auch die Gefäße des Herz-Kreislauf-Systems sind von einer innersten Zellschicht (Endothelschicht) ausgekleidet, die von großer Bedeutung für eine gute Blutversorgung aller Organe ist. Diese Zellschicht setzt Botenstoffe frei, welche für die Blutdruckregulierung zuständig, an der Regulation von Entzündungsvorgängen und auch an Umbauvorgängen beteiligt ist. Diese können sich dann anhand einer arteriosklerotischen Veränderung der Gefäßwand zeigen und die bekannten Krankheitsbilder wie zum Beispiel die Erkrankung der Herzkranzgefäße (KHK) oder einer Erektionsstörung zeigen.

Da die Arterien des Penis einen wesentlich kleineren Gefäßdurchmesser haben als die Herzkranzgefäße, äußern sich Schäden an den Blutgefäßen zuerst in den kleineren Penisarterien (ED), bevor sie sich am Herzen bemerkbar machen.

Für Männer mit ED im Alter von 40 bis 75 Jahren wurde ein um 80% erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zu Männern ohne ED nachgewiesen. Die Risikoerhöhung war vor allem bei den jüngeren Männern (40 - 60 Jahre) besonders ausgeprägt.

Hauptrisikofaktoren für ED oder koronare Herzerkrankung

Beiden Erkrankungen liegt, wie oben beschrieben, eine krankhafte Veränderung der innersten Zellschicht der Blutgefäße zugrunde (endotheliale Dysfunktion).

Hauptrisikofaktoren eine endotheliale Dysfunktion zu entwickeln sind:
• Alter • Bewegungsarmut • Übergewicht • Erhöhte Cholesterinwerte • Bluthochdruck • Erhöhter Blutzucker • Rauchen

Lebensstil und ED

Der Zusammenhang zwischen Lebensstil und Erkrankung der Blutgefäße ist offensichtlich und konnte in etlichen Studien nachgewiesen werden. Ebenso konnte aber auch aufgezeigt werden, dass alleine eine Veränderung des Lebensstils (mehr Bewegung, geänderte Essgewohnheiten, Gewichtsabnahme) zu einer verbesserten Erektionsfähigkeit führt.

Sicherheit von Potenzmedikamenten

Männern mit Erektionsstörungen steht mit den modernen Potenzmedikamenten (PDE5-Hemmern) eine zuverlässige und sichere Therapie zur Verfügung. Allerdings muss sich der Betroffene vom behandelnden Arzt untersuchen lassen, damit dieser abklären kann, ob er zu den Risikopatienten für ein kardiales Ereignis gehört.

Es gibt Männer mit einem niedrigen, unbestimmten und hohen Risiko ein kardiales Ereignis zu entwickeln.

Nur wer zur Gruppe mit niedrigem Risiko gehört, was zum Glück in den überwiegenden Fällen zutrifft, bekommt von seinem behandelnden Arzt, ohne weitere Abklärung, Potenzmedikamente verschrieben.

Männer mit einem unbestimmten Risiko bedürfen einer internistischen Abklärung. Im Rahmen dieser Abklärung wird evaluiert, ob sie zu den Patienten mit niedrigem oder hohem kardialen Risiko gehören. Männern mit einem hohen Risiko ist bis zur Stabilisierung der kardialen Situation sexuelle Aktivität untersagt.

Kardiale Risikoabschätzung in Hinsicht auf die sexuelle Aktivität von Männern mit ED

Medium

Niedriges kardiales Risiko

Zu dieser Gruppe gehören jene Männer, welche leichte Tätigkeiten ohne Beschwerden ausführen können.
• Sie sind symptomfrei und haben • weniger als 3 Risikofaktoren für Erkrankungen der Herzkranzgefäße 1 (ausgenommen dem Geschlecht), • einen kontrollierten Bluthochdruck, • eine milde, stabile Angina pectoris (begutachtet und/oder behandelt), • einen unkomplizierten Herzinfarkt, länger als 6-8 Wochen zurückliegend, • eine erfolgreiche Revaskularisierung • eine milde Klappenerkrankung, • eine eingeschränkte Linksventrikelfunktion/Herzinsuffizienz (NYHA I)

Unbestimmtes Risiko

Männer mit unbestimmtem Risiko sind
• symptomfrei und haben • mehr als 3 kardiale Risikofaktoren (Geschlecht ausgenommen), • eine moderate, stabile Angina pectoris, • einen 2 - 6 Wochen zurück liegenden Herzinfarkt, • eine eingeschränkte Linksventrikelfunktion/Herzinsuffizient (NYHA II), • Gefäßerkrankungen, die nicht das Herz betreffen (arterielle periphere Verschlusserkrankungen, Schlaganfall, TIAs uvm.

Hohes kardiales Risiko

Männer mit einem erhöhten Risiko haben
• ein erhöhtes Risiko für Arrhythmien, • eine instabile, refraktäre Angina pectoris, • einen gerade erst stattgefundenen Herzinfarkt, weniger als 2 Wochen zurückliegend, • einen unkontrollierter Bluthochdruck, • eine moderate bis schwere Klappenerkrankungen, • eine obstruktive, hypertrophe Herzmuskelerkrankung • eine eingeschränkte Linksventrikelfunktion/Herzinsuffizienz (NYHA III/IV)

Alle Männer mit ED müssen sich von ihrem behandelnden Arzt in regelmäßigen Abständen hinsichtlich Risikofaktoren, KHK-Status sowie Ansprechen auf die Therapie kontrollieren lassen.

PDE 5-Hemmer - Therapie der ersten Wahl bei ED

PDE 5-Hemmer sind auch bei Männern mit ED und Begleiterkrankungen wie KHK, Diabetes mellitus usw. die Therapie der ersten Wahl.

Gute Verträglichkeit von PDE 5-Hemmern bei Männern mit stabiler KHK wird durch die amerikanische Kardiologengesellschaft (American Heart Association Consensus) sowie durch die Princeton Consensus Conference bestätigt.
Absolute Kontraindikation für PDE 5-Hemmern besteht allerdings bei gleichzeitiger Einnahme von Nitraten.

Literatur

• Consensus: Erektile Dysfunktion als Prädiktor für Kardiovaskuläre Erkrankungen- Evidenz aus interdisziplinärer Sicht, Österreichische Ärztezeitung 2011 • The Second Princeton Consensus on Sexual Dysfunktion and Cardiac Risk: New Guidelines for Sexual Medicin, Graham Jackson et al., J Sex Med 2006

Weiterführender Artikel

Einen Überblick über Definition, Häufigkeit, Ursachen, Diagnose und Lösungsansätze finden Sie im Artikel Erektionsstörungen