Exhibitionismus

Exhibitionismus

Medium

Exhibitionistische Handlungen gibt es in den verschiedensten Formen. Am bekanntesten ist wohl die Situation, dass sich ein unter einem Mantel unbekleideter Mann einer Frau nähert, um sie dann durch Öffnen dieses Mantels zu erschrecken. Dabei handelt es sich allerdings um einen Extremfall des Exhibitionismus.

Definition

Exhibitionismus ist genitales Präsentieren als sexueller Endzweck. Eine verbale oder körperliche Kontaktaufnahme ist dabei nicht vorgesehen.

Häufigkeit

Wie die meisten Paraphilien ist auch der Exhibitionismus ein „männliches“ Phänomen. Zur Beurteilung der Häufigkeit von Paraphilien muss grundsätzlich unterschieden werden, ob ein Erregungsmuster lediglich gedanklich verwendet wird, um zum Höhepunkt zu kommen oder tatsächlich in die Tat umgesetzt wird.

Die „Berliner Männerstudie“ kommt zum Ergebnis,

  • dass etwa 3-4% aller Männer die Vorstellung exhibitionistischer Handlungen bei der Masturbation oder der Sexualität als Erregungsmuster benützen.
  • Etwa 2% setzen ihr exhibitionistisches Gedankengut in den verschiedensten Erscheinungsformen in die Praxis um.

Beschreibung

Sehr viel häufiger als das „Öffnen des Mantels“ sind die weniger spektakulären Formen des Exhibitionismus, beispielsweise der Mann der beim Vorbeifahren mit dem Fahrrad einen Blick auf seine Genitalien erlaubt oder auch in sicherer Distanz öffentlich masturbiert. In jeden Fall ist Exhibitionismus eine Straftat nach dem Sexualstrafrecht, weil er eine Belästigung einer anderen Person darstellt, die ihre Zustimmung nicht gegeben hat.

Die Besonderheit dieser Paraphilie liegt darin, dass gar nicht beabsichtigt wird, mit dem Opfer tatsächlich in körperlichen sexuellen Kontakt zu treten oder mit ihm zu reden. Vielmehr besteht die Absicht, durch das plötzliche überfallsartige Agieren der Schaupartnerin eine Reaktion des Erstaunens oder des Erschreckens zu entlocken, die als Anerkennung fehlgedeutet wird. Der Täter versucht also mit Hilfe eines fremden Opfers seinen eigenen sexuellen Selbstwert zu verbessern.

Der „sexuelle Endzweck“ bedeutet, dass es beim genitalen Präsentieren bleibt. Erst zu Hause wird in Erinnerung an die erregend erlebte Situation sehr häufig masturbiert.

Atypischer Exhibitionismus

In nur sehr seltenen Fällen wird ein Exhibitionist sein Opfer verfolgen, um es damit in Angst und Schrecken zu versetzen. Diese Form des Exhibitionismus nennt man „atypischen Exhibitionismus“. Im Unterschied zum typischen Exhibitionismus wird dabei die körperliche Distanz aufgehoben.

Hintergrund

Der Hintergrund des Exhibitionismus wird wahrscheinlich in einer Störung der sexuellen Identität zu suchen sein. Der Täter versucht diese Störung mit Hilfe seines Opfers zu heilen. Je heftiger die Reaktionen des Opfers ausfallen, desto eher ist der Selbstzweck erfüllt. Der Täter schließt aus der Heftigkeit des Abwehrverhaltens auf den Eindruck, den sein Penis hinterlassen haben muss.

Über den Autor

Dr. Georg Pfau ist Sexualmediziner und Männerarzt in Linz.
www.sexualmedizin-linz.at

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