Lüscher Farbtest - Wenn Farben Gefühle der Seele ausdrücken

Lüscher Farbtest - Wenn Farben Gefühle der Seele ausdrücken

Der Lüscher Farbtest beruht auf der Theorie von Prof. Max Lüscher, dass Farben eine „objektive Struktur“ und eine „Funktion“ haben. Struktur nennt Lüscher die objektive Bedeutung einer Farbe (etwa Rot ist erregend, anregend), die Funktion hingegen ist die subjektive Bewertung der Farbe. Es ist die Einstellung zu ihr, ob man sie wunderschön findet oder als abstoßend und scheußlich ablehnt.

Der Lüscher Farbtest gilt als einer der objektivsten Tests in Psychologie und Medizin. Lüscher bietet ihn aber auch dem Laien zur Selbstreflexion an. Seine Bücher sind in 17 Sprachen übersetzt worden.

Hintergründe

Lüscher versteht also unter Funktion einer Farbe ihre Wirkung auf den Körper und die Psyche. Es ist seit langem bekannt, dass blau gestrichene Räume bei gleicher Raumtemperatur „kühler“, rot gestrichene „wärmer“ empfunden werden. Wenn man den Kamm eines Hahnes rot bestrahlt, wird sein Hoden größer. Die Natur antwortet also auf den Farbreiz.

Wenn man die Lüscher‘sche Theorie von Funktion und Struktur überdenkt, wird verständlich, warum jemand der überlastet und überreizt ist (etwa ein Burnout Kandidat), Rot eher ablehnen und Blau eher bevorzugen wird. Es ist wohl auch kein Zufall, dass der Madonnenmantel (außen) fast immer Blau gemalt wird.

Einblick in die Seele

Nach jahrelangen Forschungen an tausenden Versuchspersonen in aller Welt hat Lüscher 1947 erstmals seinen Lüscher-Farb-Test herausgeben können. Er erlaubt heute unzähligen Psychologen, Ärzten, Managern, Psychotherapeuten, Eheberatern usw. den Einblick in die seelische „Lage“ einer Person, ihren seelischen Zustand und den Zustand ihrer Lebensnerven. So hat ein Berliner Internist zum Beispiel schon sehr früh erkannt, dass man Herzinfarkt Gefährdete an der Art, wo sie Braun und Grau in der Farb-Rangfolge positionieren, erkennen kann.

Schummeln nicht möglich

Der Farbtest (der jedoch die anderen Tests nicht überflüssig macht!) hat den Vorteil, dass der Mensch, der sich nicht mit den Theorien von Lüscher auseinandergesetzt hat, weder bei der Reaktion auf die Farben noch bei der Auswertung (eine Manipulation ist hier unmöglich) in irgendeiner Form „schwindeln“ oder „verschönen“ kann. Natürlich sind in allen guten Tests diese Möglichkeiten berücksichtigt, meist können sie aber nicht ganz ausgeschaltet werden.

Vorgangsweise beim Test

In der Praxis sieht es so aus, dass der Arzt, Psychologe, oder welcher Untersucher auch immer, dem Probanden das Farbbuch von Lüscher vorlegt, in dem zuerst fünf Grauwerte abgebildet sind und auf der nächsten Seite die acht Lüscher Farben. Der Proband (steht immer für beide Geschlechter!) muss nun sagen, welche Farbe ihn am meisten anspricht, ihm im Augenblick am sympathischsten ist. Es geht um die augenblickliche Wirkung, nicht etwa um Lieblingsfarben. Danach kommt die „Kolonnenwahl“, bei der in fünf Kolonnen Farben bzw. Farbschattierungen einander gegenübergestellt werden und der Proband 30 Entscheidungen trifft.

Die Wahlmöglichkeiten sind enorm. Allein bei den acht Stellen, auf die der Proband die Farben platziert, hat er bei acht Farben 40.320 Wahlmöglichkeiten!

Testauswertung

Mit dem Auswertbuch von Lüscher - oder via Internet (www.luscher-color.com) - kann man nun das Ergebnis ablesen. Es trifft in hohem Maß und oft verblüffend zu. Manchmal stellt sich auch heraus, dass ein erstes „Nicht-Übereinstimmen“ sehr wohl, aber erst in tieferen Schichten, zutrifft. Ein Beispiel: Die sehr klare Aussage: „Störung der Partnerbeziehung“ wird von einer Patientin klar abgelehnt. Sie lebe seit vielen Jahren in einer sehr guten Ehe. Nach einigem Arbeiten stellt sich heraus, dass die Ehe wirklich gut ist, dass sie aber eine frühere Beziehung nicht vergessen könne und dieses Problem nur durch die große Toleranz ihres Gatten bewältigt werden kann.

Erotisches Verhalten

In erotischer Hinsicht gibt es schon im „großen“ Test viele nützliche Hinweise. Zusätzlich hat Lüscher noch in „Die Farben der Liebe“ einen speziellen Test über das erotische Verhalten entwickelt, der ebenfalls erstaunlich zutrifft.

Periodisches System der Emotionen

Bei Lüscher steht seit Beginn der „Würfel“ mit den vier Grundfarben (Blau, Grün, Rot, Gelb) im Vordergrund. Die oberen Ecken stehen für positiv (Zuwendung), die unteren für negativ (Abwendung). Aus dieser Vierzahl hat Lüscher das „Periodische System der Emotionen“ entwickelt. Er stellt konstantes und veränderliches Verhalten dem befehlenden und gewährenden gegenüber. Diese Vierteilung, die schon auf Empedokles (490 vor Chr) zurückgeht, finden wir - für Lüscher wichtig - auch bei den Temperamenten: sanguinisch, phlegmatisch, cholerisch, melancholisch. So einschränkend es klingt, man kann damit wirklich das Verhalten des Menschen in ein brauchbares Schema bringen.

Selbsttests für Laien

Für Fachleute häufig ein Ärgernis ist die Tatsache, dass Lüscher seinen Test nicht nur seinen Psychologie-Kollegen, den Ärzten, den Psychotherapeuten usw. anbietet sondern auch den Laien einlädt, sich selbst ein Bild von sich selbst zu machen. Das ist sicher diskutierbar, bietet aber dem Laien - der oft schon eines der vielen Bücher von Max Lüscher gelesen hat - die Möglichkeit, ein wenig über sich selbst zu erfahren und nachzudenken. Das führt übrigens auch manchmal dazu, dann einen Fachmann aufzusuchen.

Es ist natürlich selbstverständlich, dass bei ernsteren Problemen der Lüscher-Test keine Lösungen anbieten kann, sondern dann lediglich dazu dient, den Betroffenen zu motivieren, eine Fachperson aufzusuchen.

International anerkannt

Untersuchungen über den Lüscher-Test gibt es weltweit. Die ersten medizinischen Arbeiten (einschließlich über die Diagnose der Ursachen bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) reichen bis 1955 zurück. Die Gesamtbibliographie umfasst 16 Seiten. An den Universitäten Santiago, Chile und St. Petersburg sowie in Moskau, Rom, Padua, Japan, Korea etc. gibt es Max Lüscher-Institute. Lüscher lehrt international an den verschiedensten Universitäten.

Buchempfehlungen

“Der 4-Farben-Mensch” von Prof. Max Lüscher, erhältlich in unserem Buchshop oder als Hörbuch: „Der 4-Farben-Mensch“, gesprochen von Prof. Lüscher, erhältlich unter Lüscher-Color

Viele von Lüschers Bücher waren Bestseller und sind nach vier Jahrzenten meist nur noch antiquarisch erhältlich.

Autor

OMR Univ.-Lektor Dr. Heinrich Wallnöfer ist psychoanalytisch orientierter Psychotherapeut für Hypnose und Autogene Psychotherapie. Er arbeitet bereits seit 1964 mit dem Lüscher-Test, der in der Zwischenzeit auf der ganzen Welt verwendet wird. Mit seiner Frau und Kollegin hat er weit über 30.000 Lüscher-Test ausgewertet.