Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und Sexualität

Gebärmutterhalskrebs ist ein bösartiger Tumor des Gebärmutterhalses. Neben den massiven Auswirkungen, die eine Krebserkrankung bringt, ist auch die Sexualität davon betroffen.

Häufigkeit

Das Zervixkarzinom ist nach Brustkrebs (Mammakarzinom) und Darmkrebs (kolorektales Karzinom) der dritthäufigste Tumor bei Frauen. Die Neuerkrankungsrate beträgt 20 von 100.000 Frauen, besonders häufig ist das Auftreten des Karzinoms zwischen 40 und 50 Jahren, das durchschnittliche Alter bei der Diagnose eines Gebärmutterhalskrebses beträgt 47 Jahre. Aber auch junge Frauen sind davon betroffen: 7 % der Erkrankten sind jünger als 30 Jahre.

Ursachen

Die Hauptrisikofaktoren für die Entstehung sind:

  • Sexualpartner mit HPV-Infektion: Verursacht wird das Zervixkarzinom in erster Linie durch Humane Papillomaviren (HPV), die Ansteckung damit erfolgt vor allem durch sexuelle Kontakte, jedoch kann HPV auch durch andere (Haut)Kontakte übertragen werden. Der jährliche gynäkologische Krebsabstrich hilft bei der Früherkennung. HPV-Impfungen können wirkungsvoll Erkrankungen verhindern, die durch die häufigsten HPV-Typen 16 und 18 verursacht werden. (Mehr dazu lesen Sie bitte im Artikel: HPV.)
  • früher Beginn von sexueller Aktivität
  • multiple Sexualpartner bzw. „high risk“-Sexualpartner

Weitere Risikofaktoren sind:

  • sexuell übertragbare Erkrankungen (z.B. Chlamydien, Herpes simplex)
  • Rauchen
  • hohe Anzahl von Geburten (Parität)
  • HIV oder Zustand nach Organtransplantation
  • niedriger sozio-ökonomischer Status
  • sichtbare Missbildungen (Dysplasien) am äußeren Genitale.

Symptome

  • Im Frühstadium bestehen weitgehend keine Symptome.
  • Ist der Tumor schon größer und weist einen Tumorzellverfall auf, kann es zu einem Ausfluss in der Farbe von „Fleischwasser“ sowie zu Schmierblutungen kommen. Diese abnormen vaginalen Blutungen, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr sowie vaginaler Ausfluss, der entweder flüssig, schleimig, eitrig oder übelriechend ist, sind die häufigsten Symptome. Der vaginale Ausfluss wird in manchen Fällen mit einer schweren Entzündung des Gebärmutterhalses (Cervicitis) verwechselt, vor allem bei jungen Frauen und in Fällen, bei denen der zytologische Abstrich (PAP-Abstrich) eine schwere Entzündung anzeigt.
  • Im Spätstadium sind Beschwerden bei der Blasenentleerung und beim Stuhlgang, Schmerzen im Kreuzbeinbereich, Lymphödeme in den Beinen sowie Blutungen aus Vagina, Anus oder Harnröhre möglich.

Ausbreitung

Das Zervixkarzinom breitet sich direkt in den Gebärmutterkörper, in die Scheide, in die Aufhängungsbänder der Gebärmutter (Parametrien), die Bauchhöhle, die Blase oder den Enddarm aus oder wird durch Lymphbahnen bzw. die Blutbahn verbreitet.

Diagnose

Bei der Tastuntersuchung und dem Zellabstrich (Pap-Test, Zytologie) im Rahmen der gynäkologischen Kontrolle können Veränderungen am Gebärmutterhalskrebs erkannt werden. Sind die Befunde auffällig, können folgende weitere Untersuchungen Klarheit geben:

  • Betrachtung des Gebärmuttermundes und der Scheide mit einer Lupe (Kolposkopie)
  • Nachweis von HP-Viren (siehe Artikel HPV)
  • Gewebeentnahme von Gebärmuttermund und Gebärmutterhals (Biopsie)
  • kegelförmige Ausschneidung des Gebärmutterhalses (Konisation)
  • Entscheidend für die Diagnose ist die feingewebliche, mikroskopische Untersuchung von verdächtigem Gewebe (Histologie).

Wird ein Karzinom am Gebärmutterhals festgestellt, folgen weitere Untersuchungen (Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen, Labortests etc.), die Aufschluss darüber geben, wie weit der Tumor bereits fortgeschritten ist, ob Lymphknoten befallen sind und ob sich Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet haben. Erst nach Abschluss aller notwendigen Untersuchungen kann gemeinsam mit der Patientin über die am besten geeignetste Behandlungsmethode entschieden werden.

Therapie

Die Therapie des Zervixkarzinoms richtet sich je nach Stadium und damit des Tiefenwachstums (Infiltrationstiefe), der Ausbreitung und nach dem Vorhandensein von Tumorzellen in Lymph- und Blutgefäßen (Gefäßeinbrüchen).

  • Im Frühstadium ist ein operativer Kegelschnitt aus dem Gebärmutterhals (Konisation) bzw. eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie, ohne Eierstöcke) Standard. Damit wird versucht, das von Krebs befallene Gewebe vollständig zu entfernen und so die Krankheit zu heilen.
  • Eine Lymphknotenentfernung im Becken sollte in Fällen mit nachgewiesenen Gefäßeinbrüchen durchgeführt werden.
  • Bei weiter fortgeschrittenen Stadien erfolgt eine radikalen Gebärmutterentfernung (Hysterektomie mit Teilen der Aufhängebänder der Gebärmutter und der Scheide, sowie Lymphknotenentfernung; Wertheim’sche Radikaloperation). Anschließend muss eventuell noch eine Strahlentherapie und eine Chemotherapie durchgeführt werden.

Wichtig! Betroffene Frauen sollten vor Beginn der Therapie unbedingt ausführlich mit dem/der behandelnden Arzt/Ärztin über Fragen und körperliche und psychische Folgen der einzelnen Therapieformen sprechen!

Mögliche Nebenwirkungen der Therapie

  • Beim operativen Vorgehen besteht die Gefahr einer Verkürzung der Vagina. Häufig verursacht diese jedoch keine Beschwerden und korrigiert sich zudem durch häufigeren Geschlechtsverkehr wieder selbst.
  • Falls durch ein fortgeschrittenes Tumorstadium eine Entfernung von Eierstöcken und Eileiter („Anhangsorgane“ der Gebärmutter, Adnexe genannt) nötig ist, hat dies bedeutende hormonelle Auswirkungen auf die Frau. (Siehe Artikel: Eierstöcke)
  • Bei metastasierenden Lymphknoten kann das Nervengeflecht, das die Beckenorgane (Enddarm, Harnblase, Gebärmutter, Eierstöcke und Vagina) versorgt (Plexus pelvicus), weitgehend zerstört werden. Das führt zu weitreichenden Auswirkungen auf die Sexualität der Frau.
  • Zudem kann es durch eine Strahlentherapie entweder zu einer entzündlichen Veränderung der Vagina (radiogene Kolpitis) oder zu einer Verengung oder Verkürzung der Vagina kommen. Auch andere Organe, wie Harnblase und Darm können durch eine Strahlen oder Chemotherapie beeinträchtigt werden; so kann es zu Blasenentzündungen, Harnentleerungstörungen, Durchfall und Schleimhautirritationen kommen.

In einer Studie von Flay & Matthews (1995) wurden 14 Wochen nach Ende der Strahlentherapie von den 16 teilnehmenden Patientinnen folgende Ursachen für das Nachlassen von sexuellem Interesse und sexueller Aktivität genannt:

• Verkürzung der Vagina: 64 % • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr (Dyspareunie): 43 % • Mangelndes Feuchtwerden (Lubrikation): 43 % • Verengung der Vagina: 43 % • Angst vor einem Rückfall: 43 %

Folgen für die Partnerschaft

Die Erkrankung der Frau mit Gebärmutterhalskrebs belastet auch die Partner. Eine niederländische Studie (Van der Does & Duyvis, 1989) ergab, dass die Ehemänner der Frauen, die sich einer radikalen Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) unterziehen mussten, unter Ängsten vor der Wiederaufnahme der sexuellen Aktivitäten litten. Sie hatten Angst, ihren Frauen Schmerzen zuzufügen oder sie zu verletzen. Zu einem Gespräch darüber kam es in der Studie jedoch in keinem Fall - obwohl sich die Männer das sehr gewünscht hätten.

Deswegen, ist es von besonderer Wichtigkeit für das Paar, von sich aus, bei Unsicherheiten den/die behandelnde/n Arzt/Ärztin auf die geheimen Ängste anzusprechen. Die ÄrztInnen können sicher einen guten Ausweg aus der belastenden Situation aufzeigen.

Nachkontrollen

Nach Beendigung der Therapie sollten betroffene Patientinnen im Abstand von drei bis vier Monaten für die ersten drei Jahre Nachsorgeuntersuchungen durchführen lassen. Im vierten bis fünften Jahr sollten halbjährliche Kontrollen stattfinden. Vom sechsten bis zum zehnten Jahr nach der Primärtherapie sollten bei unauffälligem Verlauf jährliche Nachsorgekontrollen erfolgen.

Quellen

Beier, K.; Bosinski, H; Hartmann, U., Loewit, K. (2001): Sexualmedizin: 430

Flay, L.D.; Matthews, J.H.L. (1995): The effects of radiotherapy and surgery on the sexual function of women treated for cervical cancer. Int J Rad Oncol Biol Phys 31 (2): 399-404

Does, J.V.S. van der; Duyvis, D.J. (1989): Psychological adjustment of spouses of cervical carcinoma patients. J. Psychosom Obstet Gynecol 10(2): 163-171

Kiechle M. (2011): Gynäkologie und Geburtshilfe: 441

www.krebsgesellschaft.de