SexualmedizinerInnen

SexualmedizinerInnen

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Neuland wird beschritten von jenen AbsolventInnen, die im Mai 2010 erstmals in Österreich eine sexualmedizinischen Grundausbildung abgeschlossen haben. Im September 2010 startete bereits der zweite Lehrgang. Doch was macht ihn/sie denn eigentlich aus, den guten Sexualmediziner/die gute Sexualmedizinerin? Was muss er/sie können, spüren, tun?

Erkennen

Wie jeder Bereich in der Medizin ist auch bei der Sexualmedizin ein Bereich besonders wichtig: sich der Verantwortung als Arzt, als Ärztin stets bewusst zu sein. „EineN guteN SExualmedizinerIn macht meiner Meinung nach aus, ein Problem zu erkennen, zu besprechen, mit der Therapie zu beginnen - und gegebenenfalls an eine geeignete Stelle weiterzuvermitteln“, meint die Gynäkologin Dr. Martina Ballon.

Einfach fragen

„Schon während der sexualmedizinischen Grundausbildung habe ich begonnen, meine Patientinnen einfach nach ihrem Sexualleben zu fragen. Als ganz normale Standardfrage, wie: ‚Wie viele Kinder haben sie geboren?’ oder ‚Wann war Ihre letzte Blutung?’ frage ich nun auch: ‚Wie geht es Ihnen mit Ihrem Sexualleben? Sind Sie zufrieden damit?’ Einfach um die Scheu abzubauen, um die Frau spüren zu lassen, hier ist ein Platz, wo sie ganz normal darüber reden kann, ohne sich dafür genieren zu müssen.“ Sexualität aus der heimlichen Ecke herauszuholen, ihr ihren angestammten Platz als normaler und wichtiger Teil des Lebens zurückzugeben - auch das ist Aufgabe eines Sexualmediziners/einer Sexualmedizinerin. Und es ist oft die erste und wichtigste Aufgabe. Wesentlich ist dabei, das nötige Fingerspitzengefühl zu beweisen, um die Patientin, den Patienten nicht vor den Kopf zu stoßen.

Fingerspitzengefühl

„Positive Verwunderung beschreibt am ehesten die Reaktion meiner Patientinnen auf diese Frage“, erzählt Ballon. „Denn so etwas wurden die allermeisten noch nie gefragt. Manche haben aber auch mit einem ersten Erschrecken reagiert.“ Das passiert vor allem dann, wenn mit der Frage an ein bisher heimlich gehütetes Problem gerührt wird. Hier liegt es wieder in der Verantwortung des Arztes, der Ärztin niemanden zu überrumpeln. Oft ist es auch gar nicht nötig, denn: „Diese Frauen greifen meist von selbst das Thema beim nächsten Besuch auf. ‚Sie haben mich doch beim letzten Mal nach meinem Sexualleben gefragt…’", so Ballon.

Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass hier eine Ansprechperson ist, die entweder selbst oder über Kontakte zu SpezialistInnen helfen kann. Für die Gynäkologin Ballon geht es in der Sexualmedizin auch darum, selbst ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie häufig Probleme mit der Sexualität sind. "Wichtig ist auch, zu lernen, wie ich selbst mit dem Thema umgehe, damit es mein Gegenüber nicht in die falsche Kehle bekommt, erschrickt, sich zurückzieht - und schlimmstenfalls nie wieder kommt.“

Zuhören

„EineN guteN SexualmedizinerIn macht meiner Meinung nach aus, dass er oder sie sich selbst kennt, auch in Bezug auf Offenheit, Grenzen und Vorurteile“, ist auch Dr. Christian Benisch, Allgemeinmediziner aus Wien, überzeugt. „Und genauso wichtig ist es natürlich, gut zuhören zu können!“

Vernetzen

Wie wichtig eine gute Vernetzung unter KollegInnen ist, betont Dr. Anton Ponholzer, Präsident der österreichischen AndrologInnen. „Jeder, der sich dafür interessiert, sieht, dass es immer wieder notwendig ist, andere zu fragen, andere mit einzubinden. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass ein Urologe gut genug Bescheid weiß über verschiedene Probleme der Frau, das liegt einfach in der Natur des Berufes.“

Für jeden, ob PatientIn oder ÄrztInnen, macht gute Sexualmedizin wohl ein bisschen etwas anderes aus. Bei der Vielfältigkeit des Themas und der unterschiedlichen eigenen Persönlichkeiten ist das nicht verwunderlich. Wichtig ist nur die Bereitschaft der ÄrztInnen sich auch mit diesen Problemen ihrer PatientInnen auseinander zu setzen.

Nähere Informationen zur Sexualmedizinischen Grundausbildung für ÄrztInnen: www.afsg.at