Intermittierende Selbstkatheterisierung: Mögliche Fehlfunktionen des Harntraktes

Es gibt viele Umstände, die die Fähigkeit des Körpers zum Speichern und Ausscheiden des Urins beeinträchtigen können. Die häufigsten sind Krankheit, Verletzungen und Alterungsprozess.

Man unterscheidet drei Arten von Blasenstörungen:

  1. Inkontinenz - der Urin kann nicht in der Blase gehalten werden.
  2. Harnverhalt - das Ausscheiden von Urin aus der Blase ist nicht möglich.
  3. Eine Kombination aus Inkontinenz und Harnverhalt.

Gründe für Inkontinenz

Inkontinenz oder das Unvermögen Urin in der Blase zu halten, ist ein häufig auftretendes Problem. Die Gründe für eine Inkontinenz können in zwei Hauptursachen gegliedert werden:

Beeinträchtigte Funktion des Schließmuskels

verursacht durch eine Schwäche der Sphinktermuskulatur, die die Urethra verschlossen halten soll. Auch eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur kann zu Inkontinenz führen. Die Beckenbodenmuskulatur trägt dazu bei, dass der Sphinkter geschlossen bleibt, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht - etwa durch Niesen oder Husten.

  • Die Geburt eines Kindes kann die Funktion des Schließmuskels oder die Beckenbodenmuskulatur schwächen.
  • Die Harnröhre kann bei einer Operation beschädigt worden sein.
  • Bei Frauen kann Östrogenmangel nach den Wechseljahren den Verschlussdruck in der Harnröhre reduzieren.

Hyperaktive Blase

Der Detrusor (Blasenmuskel) ist überaktiv und zieht sich unkontrolliert zusammen. Dies beruht oft auf neurologischen Veränderungen oder Verletzungen, kann jedoch auch ohne krankhafte Ursachen (idiopathisch) auftreten.

Formen der Inkontinenz

Eine Beeinträchtigung der Blasenfunktion kann viele Ursachen haben. Deshalb unterteilt man Inkontinenz in der Regel in folgende Formen:

  • Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)
  • Dranginkontinenz
  • Mischformen
  • Funktionsinkontinenz: Aufgrund eingeschränkter Mobilität und/oder Verwirrtheit kann eine Toilette nicht oder nur unter Schwierigkeiten aufgesucht werden
  • Überlaufinkontinenz
  • Neurogene Inkontinenz: Hier liegen die Ursachen in einer Verletzung oder Krankheit des Nervensystems. Neurologische Krankheiten, also Krankheiten des zentralen Nervensystems (Multiple Sklerose, Parkinson oder Gehirnschlag) oder des peripheren Nervensystems (z. B. Diabetes) können sich auf die Blasenfunktion auswirken. Außerdem kann neurogene Inkontinenz auf eine Verletzung, einen operativen Eingriff, einen Tumor oder auf eine Schädigung vor der Geburt (z. B. Spina bifida) zurückzuführen sein.

Symptome der Inkontinenz

Eine Fehlfunktion des Sphinkters zeigt sich durch unkontrollierten Harnabgang, vor allem wenn die Blase voll ist und der Druck auf den Bauchraum erhöht wird. Auch eine schwache Beckenbodenmuskulatur kann diese Art der Inkontinenz verursachen.

Symptome einer hyperaktiven Blase sind häufiger und plötzlicher Harndrang und vorzeitiger Harnabgang, wenn man die Toilette nicht rechtzeitig erreicht.

Harnverhalt

Das Unvermögen, die Blase vollständig zu entleeren, kann verschiedene Ursachen haben. Generell können diese in zwei Hauptgruppen unterschieden werden: Harnstauung und Blasenatonie.

Harnstauung

Harnstauung ist der Oberbegriff für eine Behinderung der Blasenentleerung. Charakteristisch ist ein hoher Druck in der Blase, aber ein schwacher Strahl beim Wasserlassen.

Harnstauungen können verursacht werden durch:

• Verletzungen der Harnröhre • Verengung (Striktur*) der Urethra • Unfähigkeit, den Schließmuskel zu entspannen • Vergrößerte Prostata

  • Strikturen können z. B. von Narben nach einer Verletzung, Operationen oder Infektion stammen.

Bestimmte neurologische Krankheiten können dazu führen, dass die Koordination zwischen Blasenmuskel (Detrusor) und Schließmuskel (Sphinkter) beeinträchtigt wird: Beide Muskeln kontrahieren gleichzeitig (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie).

Blasenatonie

Bei Vorliegen einer Blasenatonie ist der Blasenmuskel nicht stark genug, um die Blase vollständig zu leeren.

Blasenatonie kann verursacht werden durch

  • Verletzungen der Nerven, die die Blasenmuskulatur kontrollieren,
  • Verletzung der Blase oder
  • Missbildungen.
  • Auch nach einer Narkose oder anderen Formen der Betäubung können Probleme beim Wasserlassen auftreten.

Symptome des Harnverhalts (Harnretention)

Die häufigsten Symptome einer Retention sind ein schwacher Urinfluss beim Wasserlassen und die unvollständige Entleerung, d. h., es bleibt Restharn in der Blase. Dieser Harnverhalt kann so lange andauern, bis die Blase nicht mehr weiter gefüllt werden kann. So führt die unzureichende Blasenentleerung zu Überlaufinkontinenz. Ein Harnverhalt ist vor allem auch deswegen gefährlich, weil häufiger Harnwegsinfekte auftreten. Gelangt der Urin dann über die Harnleiter in die Nieren, besteht die Gefahr ernster Nierenschädigungen.

Urin - Nährboden für Bakterien

Urin ist ein guter Nährboden, in dem sich die Bakterien alle 30 bis 60 Minuten verdoppeln. Daher ist es besonders wichtig, dass die Blase regelmäßig und vollständig entleert wird. Unter normalen Umständen besitzt der Harnapparat verschiedene Abwehrmechanismen gegenüber Infektionen. Einer davon ist die natürliche Harnausscheidung, mit der Bakterien aus der Blase herausgespült werden. Wenn wir beim Arzt eine Urinprobe abgeben und diese analysiert wird, lässt sich Verschiedenes erkennen, zum Beispiel, wie viele Bakterien pro ml im Urin enthalten sind. Wenn die Anzahl der Bakterien größer ist als 100 000 Bakterien pro ml, ist der Befund für einen Infekt positiv. Im Uri n können wir unter schiedliche Bakterien vorfinden. Am häufigsten kommen Kolibakterien vor, die auch in der Darmflora zu finden sind.

Bakterien im Urin müssen nicht zwangsläufig behandelt werden.

Bakteriurie

Von Zeit zu Zeit können sich in unserem Urin Bakterien befinden, ohne dass wir irgendwelche Symptome oder Probleme haben. Sehr häufig kommt dies bei Patienten vor, die sich regelmäßig selbst katheterisieren. Die Bakterien befinden sich im Urin, ohne die Schleimhäute oder Blasenwand anzugreifen. Eine Bakteriurie wird in der Regel nicht behandelt, um das Risiko einer Resistenz gegen Antibiotika zu vermeiden.

Harnwegsinfektionen (HWI)

Von einem Harnwegsinfekt spricht man, wenn unser Urin mehr als 100 000 Bakterien pro ml aufweist und wir folgende Symptome vorfinden:

• häufigen Harndrang • ein Brennen während des Urinierens • Fieber • Überempfindlichkeit im Bereich Blase • Blut im Urin • allgemeines Unwohlsein

Ein HWI liegt erst vor, wenn die Bakterien die Schleimhaut und später die Blasenwand angreifen. Normalerweise wird ein HWI mit Antibiotika behandelt, um zu verhindern, dass er sich festsetzt und über die Harnleiter auf die Nieren ausdehnt. Daraus kann eine Nierenschädigung mit dem Risiko der Urämie (Harnvergiftung) entstehen. Vor über dreißig Jahren - vor der Einführung der sauberen intermittierenden Katheterisierung (ISK) - war Urämie die häufigste Todesursache bei Patienten mit Rückenmarkverletzungen.

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