Funktionsweise des Harnwegssystems

Funktionsweise des Harnwegssystems

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Trinkt man ein Glas Wasser, so gelangt dieses Wasser zunächst in den Magen. Hier erfolgt die erste Aufspaltung von Nahrung und Getränken. Der Mageninhalt wandert weiter in den Darmtrakt, wo Blutgefäße die Flüssigkeit aufnehmen. Das Blut liefert allen Zellen des Körpers Sauerstoff und Nährstoffe und transportiert Abfallstoffe aus den Zellen ab.

Der Großteil des Wassers wird dann an die Nieren weitergeleitet. Sie filtern das Blut und führen dem Körper die Flüssigkeiten und Substanzen wieder zu, die er für seine Funktionen benötigt. Überschüssige Flüssigkeit und Substanzen, die der Körper nicht braucht, werden mit dem Urin ausgeschieden.

Von den Nieren wird der Urin über die Harnleiter (Ureter) in die Blase transportiert. In der Blase wird der Urin gesammelt und gespeichert. Man spürt das Bedürfnis des Harnlassens, wenn die Blase einen Impuls an das Gehirn sendet, dass sie bald geleert werden sollte.

Beim Wasserlassen steuert das Gehirn die Kontraktion des Blasenmuskels und veranlasst den Schließmuskel (Sphinkter) dazu, sich zu entspannen. So kann der Urin durch die Harnröhre abfließen. In der Regel entleeren wir etwa fünf bis sieben Mal am Tag die Blase, gelegentlich erfolgt auch eine Entleerung in der Nacht.

Flüssigkeitsbedarf

Der erwachsene menschliche Körper besteht zu etwa 65 Prozent aus Wasser. Weil wir dieses Wasser ständig ausscheiden (über Atem, Schweiß, Urin) müssen unsere Speicher auch regelmäßig wieder aufgefüllt werden. Deshalb müssen wir täglich eine gewisse Menge Flüssigkeit zu uns nehmen. Als Richtwert gilt eine Flüssigkeitsmenge von täglich zwei Litern. Das kann aber von Person zu Person stark variieren - fragen Sie am besten Ihre Ärztin/Ihren Arzt, wie viel Flüssigkeit Sie täglich brauchen.

Woraus besteht der Harntrakt?

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Der Harntrakt besteht aus zwei Nieren, Harnleitern (Ureter), Blase (Detrusor), Schließmuskel (Sphinkter) und Harnröhre (Urethra).

Nieren

Gewöhnlich haben wir zwei Nieren. Deren Hauptaufgabe ist es, überflüssiges Wasser und Abfallprodukte aus dem Blut zu filtern. Das überflüssige Wasser und die Abfallprodukte werden als Urin ausgeschieden. In 24 Stunden filtern die Nieren ca. 1.500 Liter Blut und produzieren dadurch ein bis zwei Liter Urin.

Harnleiter

Der Urin wird über zwei „Röhren“ von den Nieren zur Blase transportiert, den sogenannten Harnleitern.

Blase

Die Wände der Blase bestehen aus mehreren Schichten glatter Muskulatur, dem sogenannten Detrusor. Die Blase selbst sieht aus wie ein Ballon, der Urin sammelt und ausscheidet. Die leere Blase ist klein, je mehr Urin sich in ihr befindet, desto mehr dehnt sie sich aus.

Normalerweise speichert die Blase 400 - 600 ml Urin. Bei etwa 150 ml Urin in der Blase werden Nervenimpulse zum Gehirn gesendet, die diesem melden, dass sich die Blase füllt. Wenn die Blasenkapazität erreicht ist, wird es Zeit, diese zu entleeren. Beim Wasserlassen zieht sich die Blasenmuskulatur zusammen und der Beckenboden entspannt sich, so dass der Urin über die Harnröhre aus dem Körper fließen kann.

Harnröhre (Urethra)

  • Die weibliche Harnröhre ist drei bis fünf Zentimeter lang. Ihre Öffnung befindet sich im Genitalbereich oberhalb der Scheide (Vagina). Die weibliche Harnröhre dient nur dazu, Urin auszuscheiden.
  • Die männliche Harnröhre ist 15 bis 20 cm lang. Die Öffnung befindet sich an der Penisspitze. Bei Männern dient die Harnröhre nicht nur zum Urinieren, sondern durch sie fließt bei der Ejakulation auch die Samenflüssigkeit (Sperma aus den Hoden und Sekrete aus der Prostatadrüse).

Der Verschlussdruck der Harnröhre ist höher als der Blasendruck. Dies ermöglicht es, die Blase unter Kontrolle zu halten.

Schließmuskel (Sphinkter)

Die Harnröhre ist von zwei kleinen kreisförmigen Muskeln umgeben, den sogenannten Sphinktern. Normalerweise sind die Sphinktermuskeln zusammengezogen - so dass die Harnröhre dicht verschlossen ist. Beim Wasserlassen entspannen sich die Sphinktermuskeln, so dass der Urin fließen kann. Ein Spinkthermuskel arbeitet unwillkürlich, der andere willkürlich, was bedeutet, dass wir ihn steuern können.

Nervenbahnen

Da das Wasserlassen eine gesteuerte Körperfunktion ist, muss es eine Verbindung zwischen Blase und Gehirn geben. Die folgenden Bereiche des Nervensystems sind in den Prozess des Urinierens involviert: das Gehirn, der Gehirnstamm, das Rückenmark und ebenso periphere Nerven.

Befehlszentren

Cerebrales Miktionszentrum, (CMZ)

Das cerebrale Miktionszentrum befindet sich im Stirnlappen des Gehirns. Hier entscheiden wir aktiv, ob wir die Blase entleeren wollen oder nicht. Dies geschieht durch ein Signal an das pontine Miktionszentrum.

Pontines Miktionszentrum, (PMZ)

Das PMZ befindet sich im Hirnstamm und kontrolliert die Koordination zwischen Schließmuskel und Blase. Dabei arbeitet es wie ein An-Aus-Schalter. In der Speicherphase sendet das PMZ über das Rückenmark Signale an das sakrale Reflexzentrum, welche dazu führen, dass der Blasenmuskel sich entspannt und der Schließmuskel sich zusammenzieht. In der Entleerungsphase bewirken die Signale ein Zusammenziehen der Blase bei gleichzeitiger Entspannung des Schließmuskels.

Sakrales Reflexzentrum

Das sakrale Reflexzentrum befindet sich im unteren Bereich des Rückenmarks. Hier treten die Nervenwurzeln aus dem Rückenmark aus, die für die Steuerung der Blasenfunktion zuständig sind.

Periphere Nerven

  • Der Nervus hypogastricus ist für die aktive Entspannung des Blasenmuskels während der Füllphase verantwortlich. Ist die Blase gefüllt, werden Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand aktiviert. Diese Signale werden an das cerebrale Miktionszentrum übermittelt und als Harndrang wahrgenommen.
  • Der Nervus pelvicus wird in Zusammenhang mit der Miktion aktiviert. Er verursacht die Kontraktion der Blasenmuskulatur (Detrusor) und ermöglicht damit die Entleerung.
  • Der Nervus pudendus steuert die Anspannung und die Entspannung des äußeren Schließmuskels und ermöglicht die willkürliche Blasenkontrolle.

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