Lustlosigkeit rettet sein Leben

Lustlosigkeit rettet sein Leben

Die Sexualmedizinerin Dr. Elia Bragagna berichtet in der „Sprechstunde“ von Fällen aus ihrer täglichen Praxis. Alle persönlichen Angaben der Patienten und Patientinnen wurden geändert, die Geschichten, Probleme und Lösungsfindungen entsprechen jedoch der Realität.

Rudi K. ist lustlos und vermutet, dass nach Jahren der Beziehung seine Frau Barbara einfach nicht mehr sexuell attraktiv für ihn ist. Die ärztliche Abklärung führt aber zu einem ganz anderen Ergebnis und zu einer Behandlung, die überlebenswichtig wird.

Vorgeschichte

Rudi K., 55, ist seit zehn Jahren verheiratet, liebt seine Frau, ist ihr treu, hat aber seit Längerem immer weniger Lust an Sex mit ihr. Ihm selbst würde nichts fehlen, aber seine Frau kann es nicht akzeptieren. Sie kommt schlecht damit zu recht, von ihm nicht mehr begehrt zu werden. Es gibt Spannungen, die die Beziehung stark belasten.

Herr K. findet es ganz normal, in einer so lang bestehenden Beziehung weniger Lust zu haben. Der Reiz des Neuen ist verschwunden und den scheint er für Sexualität zu brauchen. Er gibt dem Drängen seiner Frau nach und kommt skeptisch zu einem Beratungsgespräch in die Ordination.

Ärztliche und sexualtherapeutische Abklärung

Um zu klären, ob er mit seiner Annahme Recht hat, muss ich zuerst in einem ausführlichen Gespräch herausfinden, ob nicht doch körperliche, seelische oder soziale Faktoren eine Rolle spielen. Beim genauen Abfragen seines Gesundheitszustandes stellt sich heraus, dass Herr K. schon seit zwei Jahren Erektionsprobleme hat und zwar sowohl beim Kontakt mit seiner Partnerin, als auch bei der Selbstbefriedigung. Morgenerektionen sind kaum mehr vorhanden. Beim Geschlechtsverkehr wird der Penis nicht mehr wie gewohnt steif und es fällt ihm schwer, die Erektion während des Geschlechtsverkehrs zu halten. Erst jetzt wird ihm bewusst, dass er eigentlich wegen dieser Frusterlebnisse immer weniger Lust auf Sex hat.

Nach diesem Erstgespräch erfolgte beim Urologen neben der körperlichen Untersuchung die Abklärung der zusätzlichen Risikofaktoren für Erektionsstörungen und Lustlosigkeit: Blutdruck, Cholesterinwerte, Blutzucker, Männerhormone, das „Lustlosigkeithormon“ Prolaktin, Schilddrüsenhormone und der Tumormarker PSA.

Untersuchungsergebnis

Auffällig war nur der für das Alter zu hohe PSA Wert. Dieser wurde nach sechs Wochen noch einmal getestet und war weiter angestiegen. Herrn K. wurden daraufhin Gewebsproben aus der Prostata entnommen. Es fanden sich in den Proben Krebszellen. Damit war die eigentliche Ursache der Erektionsstörungen und der daraus folgenden Lustlosigkeit gefunden.

Therapie

Zum Glück war der Prostatakrebs in einem sehr frühen Stadium, so dass eine schonende Operation genügte. Nach dem Eingriff hatten Patient und Partnerin mit zwei schwierigen Problemen zu kämpfen. Da war zum einen der Schock durch die Diagnose Krebs und zum anderen eine Erektionsstörung als Folge der Operation. Darauf hatte sie der behandelnde Arzt schon vor der Operation hingewiesen. Beide brauchten einige Folgegespräche, um damit zurecht zu kommen. Es war ihnen aber auch sehr wichtig, bald wieder zu einer befriedigenden Sexualität zurück zu finden.

Herr K. verspürt mit der wieder gewonnenen Sicherheit auch mehr Lust auf Sex. So hat er nicht nur zu einem befriedigenden Sexualleben zurück gefunden und seine Beziehung gerettet, sondern vielleicht auch sein Leben - denn unbehandelt kann Prostatakrebs schnell zu einer tödlichen Gefahr werden.

Informationen

Prostatakrebs ist der häufigste Krebs bei Männern in Österreich. Jährlich gibt es mehr als 5000 Neuerkrankungen. Ab 40 sollte daher jeder jährlich zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Dabei wird die Prostata abgetastet und der PSA Wert (prostataspezifisches Antigen) im Blut bestimmt. Wird der Krebs früh genug erkannt, liegt die Heilungschance bei 90 Prozent. Bei der Selbsthilfe Prostatakrebs gibt es weitere Informationen.

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