Mädchensprechstunde bei der Frauenärztin/dem Frauenarzt

Mädchensprechstunde bei der Frauenärztin/dem Frauenarzt

Der Berufsverband österreichischer Gynäkologen hat die Initiative Mädchensprechstunde ins Leben gerufen. Dahinter steht das Angebot österreichischer Gynäkologen und Gynäkologinnen junge Mädchen in die Praxis einzuladen, um ihnen die Möglichkeit zu geben diese kennen zu lernen, neutrale Information zu bekommen und für den Fall der Fälle eine Anlaufstelle zu haben.

Seriöse Information versus Mythen aus der Medienwelt

Gerade in der Pubertät ist der Zugang zur „Informationsquelle Eltern“ oft sehr schwierig. Das österreichische Institut für Sexualpädagogik ist nach Umfragen unter Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren zum Schluss gekommen, dass die Information zum Thema Sexualität bei den Mädchen überwiegend durch Printmedien, bei Burschen durch das Internet gegeben ist. Diese Informationsquellen sind jedoch sehr stark von der gewählten Qualität abhängig und führen bei schlechter Auswahl häufig zu Fehleinschätzungen und Missverständnissen. Den jungen Menschen fehlt die Erfahrung zwischen seriöser und unseriöser Information unterscheiden zu können. In der Folge werden unter Gleichaltrigen Behauptungen ausgetauscht die häufig fern jeglicher Realität sind und zur absoluten Verwirrung beitragen.

Ich bin ich, und ich bin Okay!

Ein Hauptanliegen der Inhalte der Mädchensprechstunde ist das Stärken des Selbstwertgefühles des Mädchens in ihrem wachsenden Frausein. Mädchen stehen indirekt und direkt durch gefälschte Bilder der Medienwelt unter Druck. Die Burschen, die - Umfragen zu folge, in etwa 50 Prozent angeben, Informationen aus dem Internet als Sexualaufklärung anzunehmen, werden mit Bildern konfrontiert, die nicht der Realität entsprechen. Die Modelle sind entweder operiert oder nachträglich im Layout zu recht gezoomt oder gestreckt. Brüste werden größer, Beine länger, Taillen schmäler und das weibliche Genitale kindlich dargestellt. Die Erwartung an die Partnerin wird so künstlich verzerrt, die Folgen im „real life“ können Enttäuschungen auf beiden Seiten sein.

Die Sexszenen in Pornos haben nichts mit liebevoller Vereinigung zu tun, und man kann sich vorstellen, wie schwierig es für Jugendliche sein muss, sich durch all die seltsamen Informationen ein entspanntes und für sich passendes Bild ihrer Sexualität aufbauen zu können.

Die Aufgabe der Mädchensprechstunde besteht darin, Mädchen aufmerksam für die irreale virtuelle Welt zu machen und sich positiv und liebevoll ihrem eigenen Körper und dem des Partners/der Partnerin zu widmen.

Wir hoffen Jugendliche durch diese Informationen vor dem Schönheitswahn und dem gefährlichen Beschneiden von empfindlichen und gesunden Körperteilen zu bewahren.

Teenagerschwangerschaften nehmen zu

2008/09 gingen Zahlen durch die Presse die einen dramatischen Anstieg der Schwangerschaften bei Jugendlichen zeigten. Die genauen Zahlen zu diesem Thema sind kaum zu ermitteln, da Schwangerschaftsabbrüche in vielen Fällen anonym erfolgen.
Jede einzelne Schwangerschaft in diesem Alter gilt es zu verhindern, weil sie in aller Regel ungewollt ist und die Folgen für die Betroffenen besonders belastend sind. Mit einem Schlag werden tiefe Wunden in junge Seelen gerissen und mit einem Schlag Illusionen zerstört. Das hat weit reichende Folgen für die sexuelle und geistige Entwicklung eines jungen Menschen.

Rechtzeitige Verhütungsberatung

Wenn aber die Beratung zum Thema Verhütung so früh ansetzt, dass jedes Mädchen mit einem Basiswissen ausgestattet ist und jedes Mädchen eine Anlaufstelle kennt wo es kurzfristig und unkompliziert Information und Hilfe in der jeweiligen Situation bekommt, dann sollte es möglich sein diese Entwicklung zu stoppen.

Exkursionen zum Abbau der Hemmschwelle

Idealerweise werden Pädagogen des Faches Biologie angesprochen, mit einer Schulklasse das Angebot zu nützen. Gemeinsam mit den Freundinnen lässt sich die Hemmschwelle Frauenarzt-Ordination leichter überwinden. Mit der Basisinformation zum Thema Sexualität und Verhütung und der Visitenkarte des Frauenarztes/der Frauenärztin in der Hand verlässt dann das Mädchen die Praxis und kann sich zu gegebener Zeit ohne Umwege wieder Rat holen. Gleichzeitig soll bei den Eltern das Bewusstsein geschärft werden, dass ein Informationsgespräch beim Gynäkologen/bei der Gynäkologin selbstverständlich ist und nicht an eine Untersuchung gebunden sein muss.

Wichtige Botschaften

Die Ärztinnen und Ärzte, die auf der Homepage www.maedchensprechstunde.com gelistet sind, haben einen eintägigen Workshop absolviert, der die spezielle Situation der Jugendsexualität beleuchtet. Wichtig ist, dass der Besuch beim Gynäkologen/bei der Gynäkologin nicht nur im Krankheitsfall erfolgen sollte, sondern auch um sich Beratung und Information aus erster Hand zu holen. Der Frauenarzt/die Frauenärztin ist in der privilegierten Situation, ein junges Mädchen in die wunderbare Welt der Frau begleiten zu dürfen. Von der Verhütungsberatung und Fragen zur Sexualität über die Stärkung des Selbstwertgefühls der Mädchen und Frauen bis hin zur Schwangerenbetreuung und Beratung in den Wechseljahren kann so der Grundstein für eine langjährige, von Vertrauen geprägte Beziehung zwischen Frauenärztin/Frauenarzt und Mädchen/Frau gelegt werden.

Ein schöner aktueller Aufklärungsfilm für Jugendliche ist unter www.sexwecan.at im Internet anrufbar.