Masochismus

Masochismus

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Der für den Masochismus namensgebende österreichische Schriftsteller Leopold Ritter von Sacher-Masoch beschrieb 1870 in seinem Roman „Die Venus im Pelz“ einen männlichen Protagonisten, der sich von Venusstatuen erotisch angezogen fühlte. In einem Kurort gerät er schließlich an eine lebende Venus im Pelz, der er als Sklave dienen musste.

Definition

Die Erregungsmuster masochistisch veranlagter Menschen sind auf Unterwerfung und Gedemütigt-Werden ausgerichtet, sie wollen sich als Sklave unterordnen und beherrscht werden.

Ursachensuche

Der psychoanalytische Erklärungsversuch besteht aus einer unstillbaren Sehnsucht nach Liebe und Beachtung, die durch eine gestörte Vater-Sohn-Beziehung verursacht wurde. Der Sohn fühlte sich von seinem Vater nicht ausreichend akzeptiert, vielleicht sogar ignoriert, er versucht seine Liebe durch Unterwerfung zu erzwingen.

Weiblicher und männlicher Masochismus

Masochismus kommt auch bei Frauen in einer messbaren Größe vor, die Geschlechtsverteilung in der Prävalenz beträgt aber 20:1 zu „Gunsten“ der Männer; auch hier gilt also das Prinzip von der wesentlich geringeren Anfälligkeit von Frauen für paraphile Erregungsmuster.

Alltagssituation

Ein masochistisch veranlagte Mensch sucht möglicherweise im Chat oder per Inserat „nur das eine: Dominanz, Unterwerfung, Benutztwerden.“ Eine typische Formulierung ist etwa: „Je nach Deinen Vorlieben von zart bis richtig hart. Du sagst, wo es lang geht und wenn es sein muss, kann ich auch einiges wegstecken.“

Erregungsmuster masochistischen Inhalts dürfen auch gelebt werden, solange ein geeigneter Partner für übereinstimmende (konsensuelle) Sexualität zur Verfügung steht. Der/die PartnerIn muss - um den Vorstellungen eines Masochisten zu entsprechen - dominant sein, erfahrungsgemäß sind aber dominante Frauen selten. Die meisten Dominas arbeiten in speziellen Sex-Clubs, sind allerdings meistens nicht wirklich dominant veranlagt, sondern spielen ihre Rolle um der sexuellen Präferenz ihrer Kunden entgegen zu kommen. Sie sehen sich daher eher als Schauspielerinnen denn als Prostituierte. Gute Dominas sind hoch dotiert.

In der männlichen Homosexuellenszene ist Sado-Maso-Sexualität (SM) sehr weit verbreitet. Der homosexuelle Masochist hat im Gegensatz zu Männern der Heteroszene ein breites Angebot an sadistisch veranlagten, potenziellen Sexualpartnern. Dies ist nicht verwunderlich, schließlich ist auch Sadismus eine vor allem bei Männern vorkommende Paraphiilie.

Über den Autor

Dr. Georg Pfau ist Sexualmediziner und Männerarzt in Linz.
www.sexualmedizin-linz.at

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