Metabolisches Syndrom und Sexualität

Metabolisches Syndrom und Sexualität

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Die Auswirkungen eines ungesunden Lebensstils mit wenig Bewegung und falscher Ernährung zeigen sich oft in Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und gestörtem Zuckerhaushalt. Bekannte mögliche Folgen sind etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall, weniger bekannt ist hingegen, dass das metabolische Syndrom auch Sexualstörungen verursachen kann.

Definition

Das metabolische Syndrom, auch tödliches Quartett oder Syndrom X genannt, umfasst vier Merkmale, die jedes für sich ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt (Myokardinfarkt) und Schlaganfall (Insult) darstellen und zusammen mitunter zu einem stark erhöhten Risiko führen (kardiometabolische Risikofaktoren).

Als metabolisches Syndrom bezeichnet man folgende Symptomenkomplexe:
• Gestörter Zuckerhaushalt (Insulinresistenz/Glukosestoffwechselstörungen) • Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie, Dyslipidämie) • Übergewicht (Adipositas), vor allem der Bauchumfang • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

Ursachen

Ursachen für die Entstehung des metabolischen Syndroms sind vor allem Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung mit Übergewicht. Aber auch psychische Faktoren (Essstörungen) und genetische Faktoren spielen eine Rolle.

Symptome

Gestörter Zuckerhaushalt (Insulinresistenz/Glukosestoffwechselstörungen)

Definitionsgemäß zählt dazu ein erhöhter Nüchternblutzucker ≥ 100mg/dl, eine gestörte Glukosetoleranz oder eine manifeste Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Gestörte Glukosetoleranz: Wird mit Hilfe des oralen Glukosetoleranztests festgestellt. Dabei muss der Patient 75 g Glukose zu sich nehmen und der Blutzucker wird eine und zwei Stunden nach Einnahme gemessen. Beträgt der Blutzucker zwei Stunden nach Glukosegabe zwischen 140 -200 mg/dl spricht man von gestörter Glukosetoleranz.

Diabetes mellitus: Die Diagnose wird gestellt, wenn typische Symptome wie z.B. vermehrtes Durstgefühl (Polydipsie), erhöhte Urinausscheidung (Polyurie), Sehstörungen, Wundheilungsstörungen, erhöhte Infektanfälligkeit und Leistungsknick auftreten und der Blutzucker zu irgendeinem Messzeitpunkt über 200 mg/dl beträgt. Bei Fehlen von Symptomen ist ein Blutzucker von über 200 mg/dl oder ein Nüchternblutzucker von > 126 mg/dl an zwei verschiedenen Tagen gemessen oder ein Zweistundenwert beim oralen Glukosetoleranztest von >200 mg/dl das Kriterium für die Diagnostik.

Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie, Dyslipidämie)

Zur Dyslipidämie zählen Triglyceride > 150 mg/dl und ein HDL („gutes Cholesterin“) von \<40 mg/dl bei Männern und \< 50 mg/dl bei Frauen.

Übergewicht (Adipositas)

Übergewicht besteht definitionsgemäß bei einem BMI (Body Mass Index) über 30 kg pro m2. Hier hat sich gezeigt, dass es vor allem auf den Bauchumfang ankommt. Wenn dieser bei Männern ≥ 94 cm und bei Frauen ≥ 80 cm ist spricht man zentraler Adipositas.

BMI (Body Mass Index): wird errechnet aus Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Meter. D.h. bei 60 kg mit 1,60 m Größe wäre dies 60 : 1,62 = 23,4

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

Eine arterielle Hypertonie liegt vor bei Blutdruckwerten über 130/85 bzw. bei bereits vorher bestehender medikamentöser Therapie.

Lösungsansätze

Therapie - nicht medikamentös

Die nichtmedikamentösen Therapiemöglichkeiten liegen auf der Hand: Änderung des Lebensstils (Lifestyle Modifikation) unter Berücksichtigung der Gewichtsreduktion und Raucherentwöhnung, der Verbesserung von Ernährungsgewohnheiten und Zunahme der körperlichen und sportlichen Aktivitäten. Jedes Kilo Gewichtsreduktion und jede Minute Bewegung lohnen sich.

Änderung der Ernährungsgewohnheiten: Es wird eine fettreduzierte ausgewogene Ernährung empfohlen, die ballaststoffreiche Getreideprodukte, Gemüse und Obst, Pflanzenöle, Fisch und fettreduzierte Milchprodukte enthalten soll. Rotes Fleisch und tierische Fette sollen selten konsumiert werden (max. einmal pro Woche).

Körperliche/sportliche Aktivitäten: Bewegung sollte mindestens 20-30min/Tag durchgeführt werden. Sie beginnt im Alltag mit z.B.: Wegstrecken zu Fuß zurücklegen und Treppensteigen. Durch Ausdauertraining kann eine Verbesserung der Insulinresistenz erreicht werden, bei Übergewicht eignen sich hierfür Walking, Schwimmen oder Fahrradfahren.

Insulinresistenz bezeichnet ein vermindertes Ansprechen der Zelle auf Insulin und somit eine eingeschränkte Verarbeitung des Zuckers.

Therapie - medikamentös

An medikamentös therapeutischen Maßnahmen steht die Behandlung der Einzelsymptome im Vordergrund, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Es kommen Senkung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfettwerten in Frage.

Folgeerkrankungen und Sexualstörungen

Folgeerkrankungen

  • Diabetes mellitus
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Schlafstörungen (z.B. Schlafapnoesyndrom mit Sauerstoffmangel in der Nacht)
  • Gallensteine

Sexualstörungen

Das metabolische Syndrom steht auch mit Potenzstörungen (erektile Dysfunktion) im Zusammenhang, denn Hauptursachen für eine erektile Dysfunktion sind Rauchen, Bluthochdruck (arterielle Hypertonie), Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Die häufigste Ursache von sexuellen Störungen bei Männern mit Diabetes ist eine Schädigung der Nerven (autonome Neuropathie). Männer ab dem 50. Lebensjahr mit metabolischem Syndrom haben ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko für eine fortgeschrittene erektile Dysfunktion.