Potenzkur bei chronischer Erektionsstörung?

Männer mit Erektionsstörung sind extrem verunsichert und leiden besonders, wenn diese Erkrankung chronisch (länger als sechs Monate anhaltend) geworden ist. Der Leidensdruck lastet aber nicht nur auf den Betroffenen selbst, sondern auch auf ihren PartnerInnen. Die Sehnsucht nach einer dauerhaften Heilung der Erektionsstörung ist groß. Gleichzeitig versuchen zahlreiche Internet-Anbieter, aus den Problemen Betroffener Profit zu schlagen. Für die Betroffenen selbst stellt sich die Frage: Gibt es sie tatsächlich, diese Heilungsmöglichkeit durch eine Potenzkur?

Grundsätzliches

Erektionsstörungen sind in der Altersgruppe der 40 - 80jährigen häufig (20 - 64%), wobei ab dem 70. Lebensjahr praktisch jeder zweite Mann an einer Erektionsstörung leidet 1.

Warnsignal für Herz-Kreislauf- Erkrankungen

Mehrere Studien belegen, dass Männer mit Erektionsstörungen gegenüber Männern ohne Erektionsstörungen ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden [2,3].

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Erektion ist ein natürlicher Vorgang. Den wenigsten ist bewusst, dass diese Selbstverständlichkeit das Endprodukt eines sehr komplizierten Zusammenspiels von Blutgefäßen, Nervenstrukturen, Gehirn, Botenstoffen, Hormonen sowie psychischen und sozialen Faktoren ist.
Dementsprechend kann eine Erektionsstörung immer dann entstehen, wenn einer dieser Faktoren nicht mehr intakt ist.

Zu den Hauptrisikofaktoren, die zu einer Erektionsstörung führen, zählen in unserer Zeit die typischen Folgen von Zivilisationssünden: zu hohe Kalorienzufuhr bei gleichzeitiger Bewegungsarmut und in der Folge Übergewicht und Bildung von viszeralem Fett (einem hochaktiven Fett um die Darmschlingen). Dies kann zu folgenden Krankheitsbildern führen: zu hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Entwicklung einer Insulinresistenz, die in Diabetes mellitus mündet, erhöhtes CRP und vieles mehr. Das Risiko einer Erektionsstörung steigt, wenn zusätzlich noch geraucht wird 4.

Entstehung der Erektionsstörung

Die oben genannten Risikofaktoren führen zu chronischen, entzündlichen Prozessen und in der Folge zu Umbauprozessen in der innersten Zellschicht der Blutgefäße, dem Endothel. Diese Veränderungen sind als Arteriosklerose bekannt.

Neben den vielen Aufgaben, die das Endothel zu erfüllen hat, ist die Produktion des Botenstoffes NO einer der wichtigsten Schritte für die Erektion. NO ist ein hochpotenter „Gefäßerweiterer“ und ermöglicht über weitere Botenstoffe (z.B. cGMP), dass der Penis bei Erregung steif wird, indem sich die erweiterten Blutgefäße prall mit Blut füllen. Gleichzeitig verhindert diese Blutfülle das Abfließen des Blutes und sichert so, dass die Erektion bis nach dem Orgasmus erhalten bleibt. Durch die Zerstörung der innersten Zellschicht (Endothel) der Blutgefäße kann der Botenstoff NO nicht mehr im dem Ausmaß produziert werden, welches nötig wäre, um eine sichere und feste Erektion zu erreichen.

Bis zu 75% aller Patienten, die wegen eines akuten Herzinfarktes oder wegen einer Angiographie der Herzkranzgefäße im Krankenhaus stationär aufgenommen wurden, zeigten laut Prof. Jackson während der letzten drei bis fünf Jahre bereits Erektionsstörungen 5. Erklären lässt sich das damit, dass die oben beschriebenen Entzündungsprozesse nicht nur im Penis, sondern in allen Blutgefäßen des Körpers stattfinden. Da die Penisgefäße einen viel kleineren Durchmesser als die Herzkranzgefäße haben, sind diese natürlich viel früher störungsanfällig.

Therapie mit Phosphodiesterase (PDE 5)-Hemmern

Da bei einer Zerstörung der innersten Zellschicht der Blutgefäße (endotheliale Dysfunktion) weniger NO und in der Folge weniger Botenstoffe vom Typ cGMP zur Verfügung stehen, war es logisch, ein Medikament zur Therapie der Erektionsstörung zu entwickeln, welches verhindert, dass cGMP abgebaut wird. Dadurch kommt es in den Muskelzellen der Penis-Blutgefäße zu einer Erhöhung des cGMP-Spiegels und die Penisblutgefäße werden für die Erektion weitgestellt.
Die so genannten PDE5-Hemmer verhindern genau diesen Abbau des cGMP und sind dadurch ideale Medikamente zur Weitstellung der Blutgefäße.

Potenzkur durch langwirksame PDE5-Hemmer?

Bis 2008 wurden zur Therapie von Erektionsstörungen die bekannten PDE5-Hemmer Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®/Vivanza®) bei Bedarf eine Stunde vor dem geplanten Geschlechtsverkehr eingenommen. Für viele Paare bedeutet aber diese Bedarfs-Therapie eine Einschränkung und Belastung 6.

Es stellte sich die Frage nach der Möglichkeit einer Dauertherapie bei Erektionsstörungen, so wie sie auch bei Bluthochdruck und anderen Erkrankungen durchgeführt wird. Die Medikamenteneinnahme zur Behebung der Erektionsstörung würde so zu einem täglichen Ritual, dadurch könnten die aus der Erektionsstörung resultierenden belastenden Themen aus dem Alltag ausgeblendet werden.

Von den oben angeführten drei Potenzmedikamenten besitzt Tadalafil (Cialis®) die Eigenschaft, sehr langsam im Körper abgebaut zu werden, d.h. es hat eine hohe Halbwertszeit (jene Zeit, in der die Plasmakonzentration eines bestimmten Arzneimittels auf die Hälfte des ursprünglichen Maximalwerts abgesunken ist) und dadurch eine Wirkdauer von bis zu 36 Stunden. Was lag näher, als die optimale Dosis für eine tägliche Einnahme des Potenzmedikamentes herauszufinden, um so eine größere Flexibilität im Sexualleben zu erhalten 7 und das Paar von dem erlebten Zeitdruck, den es bei der „bei-Bedarf-Einnahme“ empfand, zu befreien 8?

Im Rahmen der durchgeführten Studien zeigte sich, dass bei einer täglichen Einnahme von 5 mg Tadalafil (Cialis®) ab dem fünften Tag die gleiche zuverlässige Wirkung des Medikaments zu erwarten war, wie bei der bei-Bedarf-Einnahme der höchsten Dosis Tadalafil (Cialis®) 9. Damit war der Weg frei für eine tägliche, niedrigdosierte Einnahme des Medikaments.

Auswirkungen der Dauertherapie auf die Penis-Blutgefäße

  • Studien belegen, dass sich unter der Therapie die Endothelfunktion verbessert und damit die Durchblutung der Penisblutgefäße 10.
  • Es kam in der Folge zu einer Besserung der Erektionsfähigkeit und zu einer Verbesserung des sexuellen Selbstbewusstseins [11, 12, 13].
  • Es konnte auch nachgewiesen werden, dass sich die Zahl der im Knochenmark gebildeten Vorläuferzellen des Endothels in diesem Zusammenhang verdoppelte, was als Hinweis auf Reparaturvorgänge am Endothel gedeutet wurde 14.
  • Eine Studie konnte folgendes nachweisen: Von den Männern, die auf die tägliche Medikation mit Tadalafil 5mg (Cialis®) mit einer deutlichen Verbesserung der Erektionsfähigkeit reagierten, konnten 43 %, auch einen Monat nach Absetzen der Medikation eine anhaltende Verbesserung der Erektionsfähigkeit - im Vergleich zur Ausgangssituation - nachweisen. Vor dem Absetzen hatten die Männer ein Jahr lang die Dauermedikation eingenommen 15.

So entstehen Hoffnung und Mythen

Unter diesen Aspekten wundert es nicht, dass der täglichen Einnahme des PDE5- Hemmers Tadalafil 5 mg (Cialis®) schnell nachgesagt wurde, es könne - als Kur eingenommen - zu einer Heilung der Erektionsstörung führen.
Tatsache ist, dass es unter Dauermedikation, wie oben beschrieben, zu all den positiven Auswirkungen kommt.

Nach Absetzen der Therapie stellt sich aber leider, laut Prof. Porst, so wie es auch bei all den anderen Medikamenten der Fall ist, nach kurzer Zeit wieder der ursprüngliche Zustand ein. Dies schmälert aber die Qualität dieser Therapieform in keiner Weise.

Für wen eignet sich die tägliche Einnahme?

  • Grundsätzlich für jeden Mann, der über längere Zeit an einer Erektionsstörung leidet, daraus resultierend stark verunsichert und belastet ist und wieder ein Sexualleben ähnlich dem vor Auftreten der Erkrankung erleben möchte.
  • Für alle Männer mit Erektionsstörungen als Folge von o chronischen Grunderkrankungen wie z.B. Multiple Sklerose, metabolisches Syndrom (Übergewicht, Bluthochdruck, zu hoher Cholesterinspiegel, Diabetes mellitus) usw. o nach urologischen Operationen o bei/nach diversen Krebserkrankungen
  • Zur Entlastung als so genannte „Brückentherapie“ über ca. drei Monate, für Männer, die auf Grund mehrerer Fehlschläge in eine stressige Spirale von Selbstbeobachtung, Versagensängsten und daraus resultierenden erneuten Erektionsschwierigkeiten geraten sind.

Zusammenfassung

Tadalafil (Cialis®) 5 mg, einmal täglich eingenommen, kann eine Erektionsstörung nicht heilen, führt jedoch zu einer bedeutenden Verbesserung der erektilen Funktion bei Männern mit Erektionsstörungen und ist gut verträglich. Durch die tägliche Einnahme können der Betroffene und sein/e PartnerIn Sexualität unabhängig von der Tabletteneinnahme spontan leben und so das entlastende Gefühl der „Normalität“ erleben.

Warnhinweis!

Wie ober erwähnt, kann eine Erektionsstörung ein Vorbote für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein oder das Symptom für andere, schwerwiegende Erkrankungen. Jede neu auftretende Erektionsstörung gehört unbedingt urologisch abgeklärt! Bestellen Sie keine Potenzmedikamente im Internet. Sie müssen unbedingt vorher in einem ärztlichen Gespräch klären, ob Sie überhaupt so ein Medikament nehmen dürfen! Zusätzlich unterliegen Online-Medikamente keiner Qualitätskontrolle und können dadurch potentiell für Sie gefährlich sein.

Quellennachweis

1 Porst HU, Sharlip H (2006) History and epidemiology of male sexual dysfunction. Blackwell Publishing, London,pp 43 -48

2 Montorsi F et al (2003) Erectile dysfunction prevalence, time of onset and association with risk factors in 300 consecutive patients with acute chest pain and angiographically documented coronary artery disease. Eur Urol 44: 360 - 365

3 Montorsi P et al (2006) Association between erectile dysfunction and coronary artery disease: matching the right target with the right patient. Eur Urol 50: 721 - 731

4 McVary KT et al (2001) Smoking and erectile Dysfunction: evidence based analysis, J Urol 166: 1624 - 32

G et al (2010) Erectile dysfunction and coronary artery disease prediction: evidence-based guidance and consensus. Int J Clin Pract 64: 848 - 57
6 Hanson-Divers C et al (1998) Health outcomes variables important to patients in the treatment of erectile dysfunction. J Urol. 1998 May; 159(5):1541-7.

7 Porst H et al (2003) Efficacy of tadalafil for the treatment of erectile dysfunction at 24 and 36 hours after dosing: A randomized controlled trail, Urology 62: 121 - 125

8 Dunn ME et al (2007) Phosphodiesterase type 5 inhibitors extended duration of response as a variable in the treatment of erectile dysfunction, Int J of Impot Res 19: 119 - 123

9 Porst H et al (2006) Evaluation of the efficacy and safety of once-a-day dosing of tadalafil 5 mg and 10 mg in the treatment of erectile dysfunction: results of a multicenter, randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Eur Urol 50:351 - 359

10 Aversa A et al (2007) Relationship between chronic tadalafil administration and improvement of endothelial function in men with erectile dysfunction: a pilot study. Int J Impot

11 Rosano GM et al (2005) Chronic treatment with tadalafil improves endothelial function in men with increased cardiovascular risk. Eur Urol 47: 214 - 220

[ 12] Sorensen KE Non-invasive measurement of human endothelium dependent arterial responses: accuracy and reproducibility, Br Heart J 74: 247 -253

13 Rajfer J et al (2007) Tadalafil dosed once a day in men with erectile dysfunction: a randomized, double blind, placebo-controlled study in the US. Int J Impot Res 19: 95 - 103

14 Dimmeler S et al (2004) Vascular repair by circulating endothelial progenitor cells: the missing link in atherosclerosis? J Mol Med 82: 671 - 677

15 Porst H et al (2010) Durability of response following cessation of Tadalafil taken once daily as treatment for treatment of erectile dysfunction. J of Sex Med

Weiterführende Artikel

Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen Erektionsstöungen: Leitlinien zur Therapie Erektionsstörungen: Überblick