Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Nicht nur die Periode geht bei vielen Frauen mit Schmerzen einher, auch die zweite Zyklushälfte kann bereits davon betroffen sein. Zahlreiche körperliche und seelische Beschwerden prägen das „prämenstruelle Syndrom“ (PMS), oder, bei noch stärkerer Ausprägung, die „prämenstruelle dysphorische Störung“( PMDS).

Definition

Als prämenstruelles Syndrom (PMS) bezeichnet man in jedem Monatszyklus auftretende, äußerst komplexe Beschwerden bei Frauen, die vier Tage bis zwei Wochen vor dem Eintreten der Regelblutung einsetzen. Nach der Menopause verschwinden sie meist wieder. Sind die Beschwerden schwer ausgeprägt und schränken die Lebensqualität deutlich ein, spricht man von einer „prämenstruellen dysphorische Störung“, kurz PMDS.)

Häufigkeit

Etwa jede dritte Frau im gebärfähigen Alter leidet an mehr oder weniger ausgeprägten Beschwerden während der zweiten Zyklushälfte. Bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen sind die Symptome so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Meist beginnt die Krankheit im dritten Lebensjahrzehnt.

Ursachen

Die genauen Ursachen des prämenstruellen Syndroms sind bisher nicht geklärt, liegen jedoch im Zusammenhang zwischen zweiter Zyklushälfte (also nach dem Eisprung) und Regelblutung. Wird der Übergang in die zweite Zyklushälfte und die Regelblutung durch Medikamente oder Operationen verhindert, bleiben Beschwerden durch das prämenstruelle Syndrom aus.

In der zweiten Zyklushälfte wird das Gelbkörperhormon (Gestagen) Progesteron produziert, während gleichzeitig die Östrogenausschüttung abfällt. Im Gewebe wird mehr Wasser eingelagert, was schmerzhafte Schwellungen an Brüsten (Mastodynie), Händen und Füßen auslösen kann.

Weitere Faktoren können einzeln oder gemeinsam zur Auslösung oder Verstärkung eines prämenstruellen Syndroms beitragen. Dazu gehören Störungen der Schilddrüse, Infektionen mit Pilzen, Umweltgifte, der Genuss von Koffein oder Nikotin, Schlafstörungen, psychische Belastungen und Bewegungsmangel.

Symptome

Der Schweregrad variiert. Ein Viertel der betroffenen Frauen klagt über ernste Symptome und regelmäßige Befindlichkeitsstörungen, drei bis acht Prozent dieser Frauen leiden unter einer besonders starken Form des PMS, der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS), die sie in ihrem Arbeitsumfeld und sonstigen sozialen Kontakten erheblich behindert.

Man unterscheidet zwischen körperlichen und psychischen Symptomen.

Körperliche Symptome

  • Gewichtszunahme durch Wasseransammlungen im Gewebe
  • Hautveränderungen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Erschöpfungssymptome
  • Übelkeit und Kreislaufbeschwerden
  • Durchfall
  • Krämpfe im Unterbauch
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schmerzhafte Spannungen, Schwellungen oder extreme Empfindlichkeit gegenüber Berührung der Brüste
  • erhöhte Sensibilität auf Reize (Licht, Berührung, Lärm, Geruch, Zeit- und Arbeitsdruck)
  • Migräne
  • Ohnmacht
  • Völlegefühl
  • Schmerzen im Bereich der Geschlechtsorgane und im kleinen Becken beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Schleimhautreizungen ähnlich Erkältungssymptomen
  • Aktivierung von latenten Entzündungsherden im Körper

Psychische Symptome

  • Stimmungsschwankungen (Gemütslabilität)
  • Antriebslosigkeit
  • Hyperaktivität, Ruhelosigkeit
  • Depressionen oder manische Phasen
  • Angstzustände
  • Reizbarkeit
  • Aggressivität
  • grundloses Weinen/Lachen
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • Heißhungerattacken

Lösungsansätze

Nicht rezeptpflichtige Therapie

Das Vermeiden von salzreichen Speisen, Alkohol, Schokolade und Koffein kann in den letzten Tagen vor Einsetzen der Regelblutung zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Durch Sport und Bewegung wird das im Körper gelagerte Wasser schneller abtransportiert. Die dadurch erhöhte Durchblutung löst Krämpfe in der Gebärmutter. Vor allem entspannende Sportarten in der Sonne und an der frischen Luft wie Spaziergänge, Radfahren, Joggen oder Schwimmen wirken depressiven Zuständen entgegen. Auch Entspannungsübungen (autogenes Training, Massagen, Bäder, Yoga usw.) können das prämenstruelle Syndrom abschwächen.

Weiters wirken ausgewogene Ernährung und ausreichender Schlaf mit einem regelmäßigen Schlafrhythmus den Symptomen entgegen.

Pflanzliche Präparate

Ein Trockenextrakt aus Mönchspfeffer eignet sich als wirksame und gut verträgliche Alternative bei Frauen mit prämenstruellem Syndrom. Dem Mönchspfeffer (Agnus castus) wird eine gestagenartige Wirkung zugeschrieben, die zu einer Harmonisierung des hormonellen Gleichgewichts führt. Vor allem Beschwerden wie Nervosität, Gereiztheit, Wassereinlagerungen oder Spannungsgefühl der Brüste können mit Mönchspfeffer gemildert werden. Agnus castus wird hauptsächlich in pflanzlicher Form eingesetzt und ist in zahlreichen Kombinationspräparaten enthalten, die eine deutliche Besserung bewirken können.

Vitamin B6 war einige Zeit ein Hoffnungsträger der PMS-Therapie, konnte aber seine Wirksamkeit in wissenschaftlichen Untersuchungen nicht unter Beweis stellen.

Rezeptpflichtige Therapie

Schmerzmittel (Analgetika) Manche Frauen leiden so stark unter Rücken-, Kopf- und Bauchschmerzen, dass sie Schmerzmittel benötigen. Diese bergen aber bei langem und intensivem Gebrauch die Gefahr, selbst chronische Schmerzen zu verursachen. Die Schmerzbehandlung sollte deshalb nicht eigenmächtig, sondern in enger Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Harntreibende Mittel (Diuretika) werden nur in Ausnahmefällen bei schweren Ödemen eingesetzt.

Antidepressiva Wenn der Leidensdruck durch die psychische Verstimmung sehr groß ist, können Antidepressiva helfen. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) lassen sich gezielt in der zweiten Zyklushälfte anwenden und bringen schnell Linderung. Dauerhaft sollten aber auch diese Mittel nicht eingenommen werden.

Ovulationshemmer (hormonelle Verhütungsmittel, wie etwa die Pille) Bei manchen Frauen verschafften hormonelle Verhütungsmittel eine Linderung der Beschwerden. Gerade bei Frauen mit Symptomen wie Brustspannen, Krämpfen und Heißhunger können sie zur Verminderung oder zum vollkommenen Verschwinden der Beschwerden führen. Allerdings kommt es bei einem Drittel der von PMS betroffenen Frauen unter der Einnahme der Pille oder der Verwendung von anderen Ovulationshemmern zu einer Verschlechterung der psychischen Beschwerden.

LH-RH-Antagonisten Am wirksamsten sind laut Studien LH-RH-Antagonisten. Diese hemmen über eine Hormonkette die Eireifung und den Eisprung. Dadurch wird künstlich ein hormoneller Zustand herbeigeführt, der dem nach den Wechseljahren entspricht. Frauen können während der Therapie also nicht schwanger werden. Da die Medikamente jedoch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose (Knochenabbau) erhöhen, dürfen sie nur für kurze Zeit eingenommen werden.