Prävention gegen sexuelle Gewalt an Kindern

Prävention gegen sexuelle Gewalt an Kindern

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Die Berichterstattung über Vorfälle psychischer und sexueller sowie körperlicher Gewalt zeigt die Notwendigkeit von Aufklärung und Prävention. Sexualisierte Gewalt findet immer in einem Abhängigkeitsverhältnis statt, deshalb ist es wichtig diese Bedingungen zu ändern, die Verantwortung dafür an die Erwachsenen zu geben und unsere Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken.

Die möwe bietet daher seit einigen Jahren auch Präventionsprojekte für Schulen an. Verantwortungsvolle Erwachsene dürfen das Thema nicht wegschieben. Hinschauen und hinhören ist gefordert. Das Tabu das Thema sexuelle Gewalt als solche zu benennen löst sich endlich auf - jetzt müssen wir dafür sensibilisieren und hilfreiche Antworten finden.

Wirksame kind- und altersgerechte Prävention braucht Ressourcen und vertrauensvolle Beziehungen, und wir sind davon überzeugt, dass alle Erwachsenen, durch eine gewaltfreie Erziehungshaltung und einschlägige Information, sehr viel tun können, um Kinder gut darauf vorzubereiten, wie sie im Fall von schwierigen, missbräuchlichen oder auch gefährlichen Situationen reagieren können. Langfristig können wir Kinder dadurch besser schützen!

Das Sprechen über sexuelle Gewalterfahrungen fällt Kindern und Jugendlichen (so wie Erwachsenen, die früher solche Erlebnisse machen mussten) sehr schwer. Einerseits besteht das Gebot der Geheimhaltung seitens der TäterInnen aber auch strukturelle Gewalt. Andererseits gibt es - leider zu Recht - Angst vor den Folgen des Darüber-Sprechens. Kindern wird oft nicht geglaubt, es wird bagatellisiert und es fehlen oft Ausdrucksmöglichkeiten um das Geschehene zu beschreiben.

Kinder senden Botschaften

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Doch Kinder senden Signale und es gibt Reaktionen, die Hinweise auf Gewalterfahrungen geben, auch wenn es kein sogenanntes „Missbrauchssyndrom“ gibt.

Mögliche Symptome im Alltag, die auf sexuellen Missbrauch hinweisen:

• Klammern an Bezugsperson • Angst, alleine zu sein • Schlafstörungen und Angst alleine zu schlafen. • plötzliche Verhaltensänderungen • Gewichtsschwankungen • Änderungen im Hygieneverhalten (zB häufiges Waschen) • Einnässen und Einkoten • Ablehnung von Zärtlichkeiten und Körperkontakt • Weglaufen von zu Hause • Erzählen sexueller Geschichten oder sexualisierte, nicht altergemäße Ausdrucksweise und Körperdarstellung

Keine übereilten Handlungen

Bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch ist es wesentlich, nicht in Panik zu verfallen und vorschnell zu reagieren, sondern mit Ruhe und Besonnenheit vorzugehen. Selbst wenn das Kindeswohl unmittelbar gefährdet ist, bleibt es wichtig, die Bedrohung möglichst konkret schildern und erfassen zu können, um auch das richtige Helfersystem (z. B. Spital oder Polizei) zu aktivieren. Überreaktionen und nicht durchdachtes Vorgehen kann zu weiteren Traumatisierungen und zum Weiterschweigen des betroffenen Kindes führen, wodurch eine Beendigung des Missbrauchs oft erschwert wird.

Das sollten Sie beachten!

Wichtige zu beachtende Punkte bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch:

• Zuerst für sich selbst Unterstützung holen, z. B. bei ExpertInnen, in Supervisionen, beim Jugendamt oder bei einschlägigen Hotlines und Beratungsstellen. • Versuchen Sie dem Kind als Vertrauensperson zur Verfügung stehen • Gedächtnisprotokolle über Aussagen und Verhaltensweisen des Kindes können für die weitere Betreuung des Kindes, aber auch für eine Anzeige und bei Gericht hilfreich sein • Nicht vorschnell Eltern oder mögliche TäterInnen bei Verdacht konfrontieren, insbesondere wenn ein möglicher Täter im engsten Umfeld des Kindes zu vermuten ist! Der Druck des Täters kann dadurch verstärkt werden. • Eine polizeiliche Anzeige sollte wohlüberlegt und möglichst nach Beratung durch ExpertInnen erfolgen • Den Erzählungen des Kindes sollte geglaubt werden und niemals auch nur andeutungsweise Schuld und Verantwortung für das Geschehene auf das Kind geschoben werden. • Nur Versprechungen geben, die auch eingehalten werden können • Beziehen sie das betroffene Kind/Jugendliche in die Planung weiterer Schritte ein bzw. informieren Sie es, wenn die Notwendigkeit besteht von außen Hilfe bei zu ziehen (z. B. das Jugendamt). Jugendliche sollten dabei mit entscheiden können. • Eine möglichst gut koordinierte Zusammenarbeit, die Wiederherstellung vom Kinderschutz und die Vermeidung weiterer Traumatisierung des betroffenen Kindes sollte Ziel des Vorgehens sein.

Zivilcourage zeigen!

Zur Verhinderung sexueller Gewalt in unserer Gesellschaft, ihren Institutionen und im familiären Umfeld brauchen wir alle nicht nur Zivilcourage, sondern auch den Willen und die Verantwortung, die Dinge beim Namen zu nennen und im Sinne des Kinderschutzes gut zusammen zu arbeiten.

Hier können Sie sich Hilfe holen:

Magistra Hedwig Wölfl
Fachliche Leitung die möwe - Kinderschutzzentren 1010 Wien, Börsegasse 9/1 Tel: 01-532 14 14-114 Mobil 0699/19680049 [email protected] www.die-moewe.at

Hilfreiche Literatur: Broschüre mit Hinweisen zum Umgang bei Verdacht auf sexuellen Missbruach:

[K]ein sicherer Ort Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend Radetzkystraße 2, 1030 Wien www.bmgfj.gv.at, Bestellservice, Jugend [email protected], Tel.: 711000-4700

Infos zur Kinderschutzarbeit der möwe

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Als Kinderschutzeinrichtung ist die möwe in erster Linie für die Opfer sexueller
Gewalt da, mit dem Ziel, sie in der Bewältigung dieser belastenden Erlebnisse zu unterstützen.

Daher besteht die Hauptarbeit der „möwe“ in

  • der Beratung,
  • Krisenintervention und
  • psychotherapeutischen Betreuung der Hilfesuchenden.

Weitere wichtige Schwerpunkte der „möwe“ sind

  • Präventionsveranstaltungen in Schulen,
  • Prozessbegleitung für minderjährige Gewaltopfer,
  • Vernetzung mit verwandten Einrichtungen des Kinderschutzes und der Jugendwohlfahrt sowie
  • permanente Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema Gewalt an Kindern.

Zur Zeit führt „die möwe“ fünf Kinderschutzzentren in Wien, St. Pölten, Neunkirchen, Mistelbach und Mödling. Über 40 fachliche MitarbeiterInnen, größtenteils PsychotherapeutInnen, stellen Hilfesuchenden rund 26.000 Stunden jährlich zur Verfügung. Im Durchschnitt werden 3.500 KlientInnen pro Jahr betreut, davon sind ca. 80 Prozent weiblich. Ein Drittel der Hilfesuchenden sind unter 30 Jahre alt, rund 46 Prozent der möweKlientInnen werden wegen Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen beraten und therapeutisch betreut.

Die Möwe-Helpline (siehe Abbildung) steht allen Ratsuchenden rund um das Thema körperliche, sexuelle und psychische Gewalt von 9 bis 19 Uhr zur Verfügung.