Priapismus - schmerzhafte Dauererektion des Penis

Priapismus - schmerzhafte Dauererektion des Penis

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Beim Priapismus, einer schmerzhaften Dauererektion des Penis, kann das in die Schwellkörper einfließende Blut nicht mehr auf natürlichem Wege abfließen. Ohne ärztliche Maßnahmen tritt bereits nach wenigen Stunden eine Schädigung des Schwellkörpergewebes ein, die nach 24 bis 48 Stunden bis zur völligen Zerstörung der Schwellkörper und damit zu dauerhaften Erektionsstörungen oder Impotenz führen kann. Als urologische Faustregel gilt, dass ein Betroffener spätestens nach vier Stunden UNBEDINGT ein Krankenhaus aufsuchen muss, um Folgeschäden zu vermeiden.

Der Name Priapismus leitet sich von Priapos, dem griechischen Gott der Fruchtbarkeit ab, der mit riesigem, erigiertem Glied dargestellt wurde.

Definition

Der Priapismus ist eine schmerzhafte Dauererektion des Penis, die ohne sexuelle Erregung über mindestens zwei Stunden besteht.

Man unterscheidet zwei Formen des Priapismus:

  • Low-Flow-Typ: verminderter Abfluss von venösem Blut aus den Schwellkörpern (häufigste Form des Priapismus)
  • High-Flow-Typ: vermehrter Zufluss von arteriellem Blut in die Schwellkörper (diese Form ist manchmal schmerzlos)

Häufigkeit

Etwa 1 bis 3 von 100 000 Jungen oder Männern sind davon betroffen. Am häufigsten kommt der Priapismus im Alter von 5-10 Jahren und 20-50 Jahren vor, prinzipiell ist er aber in jedem Alter möglich.

Ursachen

  • Meist ohne bekannte Ursache (Idiopathischer Priapismus)
  • Medikamente und Drogen: Priapismus kann beispielsweise durch Alkohol, Kokain, Schmerzmittel, Psychopharmaka, Narkose, Antiepileptika oder Antihypertensiva hervorgerufen werden.
  • Sichelzellenanämie
  • SKAT (Schwellkörperautoinjektionstherapie bei Erektionsstörungen): Mittlerweile führt die SKAT-Therapie nur noch sehr selten zu Priapismus, da dieser hauptsächlich durch ältere Präparate verursacht wurde.
  • neurologische Erkrankungen: Rückenmarkkompression (z.B. Bandscheibenvorfall), selten durch Spinalnarkose.
  • Tumore: In seltenen Fällen bei Leukämie, Prostatakarzinom, Nierenzellkarzinom, Melanom und entzündliche Beckentumoren.
  • Traumata

Hintergründe

Für die Erektion des Penis sind drei Schwellkörper verantwortlich: der Harnröhrenschwellkörper in der Mitte des Penis umgibt die Harnröhre bis zur Eichel, darum herum liegen zwei kavernöse Gliedschwellkörper.

Beim Priapismus sind die beiden kavernösen Schwellkörper mit Blut gefüllt, der Harnröhrenschwellkörper hingegen nicht. Ursache dafür sind Zirkulationsstörungen in Verbindung mit einer Behinderung des Blutabflusses oder auch Störungen der Nerven.

Symptome

Eine meist schmerzhafte Dauererektion (High-Flow-Priapismus kann auch schmerzlos sein) ohne sexuelle Erregung, wobei die Eichel nicht beteiligt ist. Oft tritt nach oben hin eine Penisverkrümmung auf. Nach Stunden färbt sich erst die Vorhaut, dann die Eichel und schließlich der gesamte Penis blau. Ein Priapismus ist ein urologischer Notfall, der SOFORT behandelt werden muss, um Folgeschäden (Erektionsstörungen) zu verhindern. Spätestens nach vier Stunden muss der Betroffene UNBEDINGT ins Krankenhaus! Ohne medizinische Behandlung würde die Rückbildung der Erektion etwa zwei bis drei Wochen dauern, dauerhafte Erektionsprobleme sind dabei sehr wahrscheinlich.

Lösungsansätze

Von höchster Wichtigkeit ist das sofortige Aufsuchen eines Krankenhauses, um Folgeschäden zu vermeiden!

Konservative Maßnahmen

Körperliche Bewegung, Wechsel von Kälte und Wärme

Schwellkörperpunktion

Mit einer Schwellkörperpunktion unter örtlicher Betäubung wird versucht, das gestaute Blut zu entfernen.

Lokale Injektion

Mit dem Injizieren von gefäßwirksamen Substanzen wird versucht, den Blutfluss wieder in Gang zu setzen und so ein Abschwellen des Penis zu erreichen.

Operative Eingriffe

  • Sind die zuvor genannten Maßnahmen nicht ausreichend, kann zwischen den Schwellkörpern und der Eichel eine Verbindung hergestellt werden und das Blut über die Eichel und die Harnröhre abgezogen werden.
  • Es kann auch eine künstliche Verbindung zwischen einer Oberschenkelvene und den Schwellkörpern hergestellt werden und das gestaute Blut so über den Blutkreislauf abgeleitet werden.

Alle Maßnahmen werden von einer Schmerztherapie begleitet.

Behandlungserfolg

Erfolgt innerhalb der ersten 6 bis 8 Stunden eine qualifizierte Therapie, ist die Wahrscheinlichkeit, dauerhafte Erektionsstörungen zu vermeiden, sehr hoch. Auch danach können Folgeschäden meist noch vermieden werden. Dauert der Priapismus jedoch länger als 24 Stunden an, muss mit zunehmender Wahrscheinlichkeit mit Dauerschäden gerechnet werden. Kommt es zu einem Gewebsuntergang und ist in weiterer Folge keine Erektion mehr möglich, so besteht unter anderem die Möglichkeit, dass man operativ eine Penisprothese einsetzt.

Nach erfolgtem Eingriff sollten schwere körperliche Anstrengungen vermieden werden. Bei Schmerzen, Nachblutungen oder Schwellungen muss sofort neuerlich ein Urologe aufgesucht werden.