Die Prostatabiopsie

Bei der Prostatabiopsie handelt es sich um eine Probenentnahme aus der Prostata, die durchgeführt wird um zu klären, ob eine

  • gutartige Erkrankung (Entzündung, Prostatavergrößerung) oder
  • bösartige Erkrankung (Prostatakrebs) vorliegt.

Die Untersuchung ist einfach durchzuführen, in der Regel nicht schmerzhaft und meist rasch und problemlos erledigt. Sie bietet wichtige Informationen über mögliche Erkrankungen der Prostata.

Warum eine Prostatabiopsie?

Wenn ein auffälliger Tastbefund der Prostata oder wiederholt ein erhöhter Wert des Prostataspezifischen Antigen(=PSA)-Bluttests vorliegt, kann es notwendig sein, mit Gewebeproben zu klären, was die Ursache dafür ist.

Wie läuft die Prostatabiopsie ab?

Wie schon aus der Tastuntersuchung bekannt ist, hat der Mastdarm eine enge nachbarschaftliche Beziehung zur Prostata. Das macht man sich zunutze und kann mit einem speziell geformten Ultraschallstab über den Mastdarm die Prostata sehr genau untersuchen. Größe und Struktur des Organs sowie angrenzender Gewebe können dabei beurteilt werden. Über eine Führungsschiene werden dann mit einer sehr fein geschliffenen, dünnen Hohlnadel im Hochgeschwindigkeitsstanzprinzip 8 bis 14 Proben aus der Prostata entnommen.

Die Untersuchung ist normalerweise nicht schmerzhaft. Es ist zwar etwas unangenehm, einen Fremdkörper im Mastdarm zu spüren, das dauert aber nur wenige Minuten.

Die Proben werden zur pathologischen, mikroskopischen Untersuchung übersandt und nach einigen Tagen liegt das schriftliche Ergebnis vor.

Ambulanter Eingriff

Die Untersuchung erfolgt meist in örtlicher Betäubung, kann aber in Einzelfällen oder bei sehr großer Probenzahl (=Sättigungsbiopsie) auch in Narkose durchgeführt werden. Die Prostatabiopsie kann ambulant in urologischen Ordinationen oder Spitalsabteilungen durchgeführt werden. Manchmal ist eine Darmvorbereitung mit einem Einlauf nötig.

Stets sollte bereits vor der Untersuchung zum Schutz vor Infektionen ein Antibiotikum verabreicht werden. Diese vorbeugende Antibiotikatherapie wird dann üblicherweise noch einige Tage über die Untersuchung hinausreichend fortgesetzt.
Die Prostatabiopsie Grafik

Welche Risiken gibt es?

Die Risiken der Untersuchung sind generell sehr gering. Sie bestehen in Entzündungen und Blutungen.

  • Gelegentlich kommt es zu einer leicht blutigen Verfärbung des Harns (rosa), die einige Tage andauern kann.
  • Auch die Samenflüssigkeit wird meist blutig gefärbt sein, das kann aber auch über mehrere Wochen andauern, wobei gegen Ende die Verfärbung durch chemische Veränderungen des Blutfarbstoffes eher in Brauntöne wechselt.
  • Leichte, dumpfe Beschwerden im Becken oder
  • vorübergehende Erhöhungen der Körpertemperatur kommen ebenfalls selten vor.
  • Auch am Stuhl kann unmittelbar nach der Untersuchung die eine oder andere Blutbeimengung in geringem Ausmaß auftreten.

All diese genannten Folgen der Prostatabiopsie sind völlig harmlos und verschwinden, wie sie gekommen sind.

Worauf ist zu achten?

  • 24 Stunden nach dieser Untersuchung sollte man sich körperlich schonen, dass bedeutet: Auf sportliche Betätigungen oder körperliche Belastungen verzichten.
  • Für weitere zwei Wochen danach sollte man alle Aktivitäten vermeiden, die einen Druck auf die Prostata ausüben (z.B. Radfahren, Reiten, rücklings auf Stangen sitzen etc.).
  • Weiters sollten für dieselbe Dauer alle Formen der Durchblutungsverstärkung (heiße Bäder, Sauna) und Samenergüsse vermieden werden.

Achtung!

Wenn sich der Harn stark blutig verfärbt (tief rotweinfarben), Schmerzen im Beckenbereich oder Fieber über 38°C auftreten, sollte man unverzüglich die/den behandelnde/n Urologin/en oder eine urologische Ambulanz aufsuchen!

In etwa drei Prozent der Fälle kann es zu so einer starken Blutung kommen, so dass durch Blutklumpenbildung das Urinieren erschwert oder unmöglich wird. Hier ist eine sofortige Spitalsbehandlung angezeigt. Das trifft auch zu, wenn Schweißausbrüche oder hohes Fieber auftreten, was in etwa einem von 100 Fällen vorkommt. Selten kann es zur Übertragung von Keimen in die Prostata mit heftiger Entzündung derselben (=Prostatitis) oder (noch seltener) in die Blutbahn (=Urosepsis) kommen. In solchen lebensbedrohlichen Fällen ist eine sofortige Spitalsbehandlung absolut erforderlich!

Wie geht es weiter?

In zwei Drittel der Fälle ist eine gutartige Ursache nachweisbar. Bei bestimmten Gewebeveränderungen oder bei weiterem Anstieg des PSA-Wertes kann eine erneute Probenentnahme erforderlich werden.

Wenn Prostatakrebs vorliegt, gibt es je nach Einstufung und Ausdehnung der Erkrankung mehrere, sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Ihr behandelnder Arzt/ Ihre behandelnde Ärztin wird Ihnen diese Situation dann genau erklären.

Generell gilt:

Je früher der Tumor entdeckt wird, desto größer ist die Chance, dass man völlig geheilt werden kann!

Weitere Informationen über den PSA-Test und Vorsorgeuntersuchungen (AndrocheckTM) für den Mann finden Sie unter www.urologisch.at oder bei allen urologischen FachärztInnen sowie in unserem Artikel "PSA - prostataspezifisches Antigen.

Einstufung der Krebsgefahr

Medium

Es gibt für Prostatakrebs unterschiedliche Einteilungen in Bezug auf dessen Aggressivität. Weltweit hat sich hier die Klassifizierung nach Gleason (amerikanischer Pathologe) durchgesetzt (Gleason, D.F. Human Pathology,1992,23,273-279).

Zum besseren Verständnis sei hier kurz das Prinzip des Gleason-Grading dargestellt: Es richtet sich nach der im Mikroskop beurteilten Architektur der Prostatadrüsen, wobei laienhaft ausgedrückt Folgendes zutrifft: Je ungeordneter (undifferenzierter) die Prostatadrüsen im Biopsiepräparat erscheinen, desto höher ist die Bösartigkeit und Aggressivität des Krebses:

  • Gleason Score 1: einförmige Drüsen, scharf abgegrenzt zu anderen Gewebestrukturen.
  • Gleason Score 2: weniger einförmige Drüsen und weniger abgegrenzt
  • Gleason Score 3: unregelmäßige Drüsen, unscharf abgegrenzt
  • Gleason Score 4: Verschmelzung der Drüsen mit der Umgebung
  • Gleason Score 5: gerade noch erkennbare Drüsenstrukturen mit Hohlraumbildung

Die zwei Areale mit der schlechtesten Beurteilung (Gleason-Grade) werden zum Gleason-Score addiert. Meist ist das im Befund genau angegeben: Etwa so: Gleason-Score 6 (3+3).

Je höher der Gleason-Score, desto aggressiver auch das Prostatakarzinom. Danach richtet sich unter anderem die Auswahl der Behandlungsart. Bei einem niedrigeren Gleason-Grade kann auch, je nach Alter des Betroffenen, auf eine weitere Behandlung verzichtet werden, weil der Tumor nicht gefährlich ist.

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