Pubertät: Tanz der Hormone

Pubertät: Tanz der Hormone

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Wenn sich Körper und Seele zu dehnen und zu strecken beginnen und man sich im Zwischenland von Kindheit und Erwachsensein befindet, dann ist sie da, die oft so unglaublich schwierige Zeit der Pubertät. Schuld daran sind die Hormone, Botenstoffe des Körpers, die irgendwann im Alter zwischen zehn und 15 Jahren die mehrer Jahre andauernde Pubertät einläuten.

Individuelles Tempo

Mädchen sind in der Regel um ein bis zwei Jahre früher dran als Burschen, bei Ihnen beginnt die Pubertät zwischen dem zehnten und dem 13. Lebensjahr, bei ihren männlichen Alterskollegen erst zwischen dem 12. und dem 15. Lebensjahr.

Aber da jeder Mensch anders ist, sollten sich Mädchen nicht verrückt machen, wenn die beste Freundin schon lange einen BH braucht, während bei ihnen selbst noch alles flach ist. Oder wenn alle Burschen in der Klasse schon im Stimmbruch sind, man selbst aber noch immer im Schulchor mitsingt. In den allermeisten Fällen setzt die Pubertät von selbst ein. Erst wenn bei Mädchen über 13 Jahren und bei Burschen über 15 Jahren noch gar keine Anzeichen für Veränderungen bestehen, sollte ein Arzt/eine Ärztin aufgesucht werden.

Hormonproduktion

Die Veränderungen während der Pubertät sind das Ergebnis einer großen Zahl von Botschaften, die vom Gehirn und von den Hormondrüsen ausgeschickt werden. Am Beginn steht ein von der Hirnanhangdrüse ausgesendetes hormonelles Signal.

Testosteron, das männliche Geschlechtshormon, und Östrogene und Progesteron, die weiblichen Geschlechtshormone, werden daraufhin vom Körper gebildet und läuten damit den Weg zum Erwachsenwerden ein. Alle Geschlechtshormone werden übrigens sowohl im weiblichen als auch im männlichen Körper gebildet, Frauen produzieren jedoch mehr weibliche und Männer mehr männliche Hormone.

Körperliche Veränderungen

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Am deutlichsten erkennbar in der Pubertät sind die körperlichen Veränderungen, die bei Mädchen und Burschen passieren. Die Bedeutung des Namens „Heranwachsende“ wird klar, denn die Pubertierenden schießen oft als Ganzes in die Länge, manchmal begleitet von Wachstumsschmerzen. Unter den Achseln und im Genitalbereich sprießen Haare und auch die Schweißdrüsen unter den Achseln beginnen nun aktiver zu werden. Das Gesicht ist manchmal voller Pickel.

Bei Mädchen wölbt sich der Schamhügel stärker und der Busen beginnt zu wachsen. Von außen unbemerkt wird auch die Gebärmutter größer und die erste Eizelle beginnt heranzureifen: die Periode stellt sich ein.

Bei Burschen wachsen die Hoden und der Penis. Samenflüssigkeit wird produziert, es kommt zum ersten Samenerguss. Muskeln bauen sich jetzt verstärkt auf und Kehlkopf und Stimmbänder verändern sich, die Burschen kommen in den Stimmbruch. Außerdem sprießt über der Oberlippe ein erster Flaum als Vorbote des Bartwuchses.

Wenn die Eltern schwierig werden...

Genauso einschneidend wie die körperlichen Veränderungen sind allerdings oft die psychischen Faktoren, die diese Zeit begleiten. Kein Wunder, denn Identitätsfindung ist schon für sich betrachtet ein schwieriger Prozess! Zumal diese Identitätsfindung von einem Hormonchaos begleitet wird, von dem etwa auch Schwangere ein Lied singen können. In der Pubertät ist man zwar plötzlich kein Kind mehr, aber doch auch noch nicht erwachsen. Was früher Spaß gemacht hat, findet man albern, alles wird peinlich, allem voran die eigenen Eltern und die gesamte Familie, mit der man auch immer öfter zusammenkracht.

Mit den Eltern müssen jetzt neue gegenseitige Regeln und muss eine andere Basis gefunden werden. Schaffung und Wahrung der eigenen Intimsphäre sind dabei unverzichtbar wichtig. Und auch wenn sich Eltern selbst als noch so tolerant, weltoffen und lässig empfinden, für Pubertierende sind sie uncool und müssen es im Sinne der Abgrenzung auch sein! Freunde und Freundinnen werden jetzt zu den allerwichtigsten Bezugspersonen, der Ersatzfamilie, mit der in allererster Linie Probleme und Sorgen besprochen werden. Es ist auch die große Zeit der Tagebücher, denn oft hilft es, all die verwirrenden Gedankensturzbäche zu Papier zu bringen.

Das Interesse am anderen oder auch am selben Geschlecht wächst, erste Liebesgefühle und -wirrungen sorgen für zusätzliche Achterbahnfahrten. Und die Haut ist nicht nur voller Pickel, sondern auch sehr dünn und verletzlich, was dumme oder auch nur unbedachte Meldungen anderer anbelangt.

Pickelalarm

Übrigens: Pickel werden durch (eben auch im weiblichen Körper vorhandene) männliche Hormone hervorgerufen, die einerseits die Talgproduktion ankurbeln, anderseits die Haut dicker machen und damit die Ausgänge der Talgdrüsen verstopfen können. Dass die so entstehenden Hautunreinheiten in Jahren des ohnehin starken seelischen Ungleichgewichts zusätzlich sehr belastend sein können, liegt auf der Hand. Der Gang zur Fachärztin/zum Facharzt für Dermatologie kann hier aber Hilfe verschaffen.

Land in Sicht!

Und irgendwann, nach vielen Tränen, Machtkämpfen, Ausbrüchen, Hochgefühlen und Tiefschlägen, ist der Spuk dann wieder vorüber, der Familienfrieden großteils wieder hergestellt und eine gewisse Gelassenheit an Stelle der omnipräsenten Stimmungsschwankungen getreten. Man hat das Zwischenland der Pubertät wieder verlassen und ist langsam und schrittweise erwachsen geworden.