Scheideninfektion

Scheideninfektion

Juckreiz im Intimbereich, Brennen nach dem Blasenentleeren und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr? Dann haben Sie wahrscheinlich eine Scheideninfektion!

Häufigkeit

Scheideninfektionen sind einer der häufigsten Gründe für einen Besuch beim Gynäkologen/bei der Gynäkologin und betrifft Frauen ab dem reproduktionsfähigen Alter.

Erfahrungen aus der klinischen Praxis zeigen, dass rund 70% der sexuell aktiven Frauen im Laufe ihres Lebens eine Pilzinfektion haben, 50% dieser Frauen sogar mehrfach. Rund 5-8% leiden an einer wiederkehrenden Scheidenpilzinfektion mit mehr als vier Episoden jährlich. Die Therapie erfolgt mit sogenannten Pilzmedikamenten.

Rund 50% der sexuell aktiven Frauen bekommen im Laufe ihres Lebens eine so genannte bakterielle Vaginose. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika.

(Univ. Prof. Dr. Armin Witt, Univ. Klinik für Frauenheilkunde, AKH Wien)

Achtung! Die Beschwerden können sich bei diesen beiden Krankheiten sehr ähneln, daher gilt: Nicht alles, was juckt, ist Pilz. Nicht alles was brennt, ist eine bakterielle Infektion. Manchmal sind auch kleine Geißeltierchen für die Beschwerden verantwortlich. Eine genaue Diagnose kann nur der Gynäkologe/ die Gynäkologin stellen.

Scheidenflora im Gleichgewicht

Die Vagina ist eine der intimsten und sensibelsten Bereiche des weiblichen Körpers.
Ein ausgewogenes Ökosystem besteht

  • aus den sogenannten Laktobazillen („guten“ Milchsäurebakterien) und
  • einer mehrschichtig aufgebauten, leicht feuchten Vaginalschleimhaut.

Auch Hormone spielen eine wichtige Rolle.

Das Zusammenspiel zwischen Östrogen, der Vaginalschleimhaut und den Laktobazillen im gesunden vaginalen Ökosystem ist Voraussetzung für die Erhaltung der natürlichen Abwehr gegen krankmachende Keime und schützt so auf natürliche Weise vor Infektionen und Entzündungen, wie zum Beispiel Pilzen und Bakterien.

Verschiedene Faktoren können dieses empfindliche Gleichgewicht stören: • Stress, • ungeschützter Geschlechtsverkehr, • hormonelle Verhütungsmittel, • eine Schwangerschaft, • Diabetes, • der Einsatz von Antibiotika oder • eine übertriebene Körperhygiene im Intimbereich

Die Scheidenflora im Detail

Die Scheidenflora besteht hauptsächlich aus verschiedenen Arten von Milchsäurebakterien (sogenannten Döderlein-Bakterien/Laktobazillen). Die Laktobazillen vergären unter dem Einfluss von Östrogen und Gestagen die von den Zellen der Vaginalschleimhaut (Epithelzellen) bereitgestellte Glukose zu Milchsäure. Hierdurch entsteht in der Vagina ("Scheide") ein saures Milieu mit einem pH-Wert von 3,8 bis 4,5. Der niedrige pH-Wert führt dazu, dass pathogene Keime eine schlechte Basis für ihr Wachstum haben. Der saure pH-Wert hilft, dass pathogene Keime die bestehende normale Scheidenflora nicht verdrängen können.

Aufgabe der Laktobazillen

Vaginale Laktobazillen schützen durch mehrere Eigenschaften vor Vaginalinfektionen:

  • Bildung von Milchsäure führt zu einem sauren Milieu in der Vagina (pH-Wert 3,8 - 4.5)
  • Bildung von natürlichen antimikrobiellen Substanzen (H2O2)
  • Anhaftung an der Oberfläche der gesunden Vaginalschleimhaut

Diese Eigenschaften verhindern die Ansiedlung und das Wachstum von krankmachenden Keimen.

Aufgabe des Östrogens

Die körpereigenen Östrogene sorgen dafür, dass sich die Vaginalschleimhaut aufbaut, diese gut durchblutet wird, elastisch und feucht bleibt. Die Laktobazillen vergären unter dem Einfluss von Östrogen und Gestagen die von den Zellen der Vaginalschleimhaut (Epithelzellen) bereitgestellte Glukose zu Milchsäure.

Wenn das vaginale Ökosystem kippt

Durch verschiedene körpereigene oder äußere Einflüsse kann der natürliche Schutz des vaginalen Ökosystems geschwächt werden. Die Vaginalschleimhaut wird nicht (mehr) richtig aufgebaut, die Anzahl der Milchsäurebakterien reduziert sich, der pH-Wert steigt. Je weniger Milchsäurebakterien vorhanden sind, desto mehr Platz und Nahrung gibt es für andere Bakterien und Pilze. Dadurch können sich diese vermehren und bringen das Gleichgewicht immer mehr ins Wanken. Die Folge sind Beschwerden, die die Lebensqualität beeinträchtigen.

Symptome

Anzeichen einer Scheidenentzündung können sein:

  • Ein vermehrter Ausfluss; entweder klumpig, flüssig oder schaumig.
  • In manchen Fällen begleitet von einem unangenehmen Geruch.
  • Häufig treten Juckreiz, Brennen bzw. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auf.
  • Ist der Harnröhrenausgang gereizt, kann die Blasenentleerung schmerzen.

Diese Symptome können auf eine Vaginalinfektion hinweisen und verlangen nach einer Abklärung durch Ihre Gynäkologin / Ihren Gynäkologen!
Es ist sinnvoll, Störungen im vaginalen Gleichgewicht frühzeitig zu beheben, um das Infektionsrisiko zu senken.

Untersuchung

Scheideninfektionen sind einer der häufigsten Gründe für einen Besuch beim Gynäkologen/bei der Gynäkologin. Sie sind sehr unangenehm, können aber gut behandelt werden. Sie sollten nicht wahllos mit Medikamenten/Zäpfchen aus der Apotheke selbst behandelt werden. Mit Hilfe eines Abstrichs kann Ihr Gynäkologe/Ihre Gynäkologin die Ursache der Infektion bestimmen und je nach Erreger die Scheidenentzündung für gewöhnlich rasch und effektiv behandeln.

Infektionen in der Vagina machen sich nicht immer bemerkbar. Unbehandelt können sie aber im Extremfall bis zur Unfruchtbarkeit führen. Bei einer Schwangerschaft kann sich das Frühgeburten-Risiko erhöhen.

Spätestens wenn es juckt und brennt, sollten Sie Ihre Gynäkologin/Ihren Gynäkologen aufsuchen, damit Sie die lästigen Beschwerden rasch wieder los werden. Bei der Untersuchung entnimmt diese/dieser einen Abstrich aus der Vagina, um festzustellen, ob sich die Scheidenflora verändert hat. Mit Hilfe der mikroskopischen Untersuchung kann das Verhältnis zwischen „guten“ Milchsäurebakterien und „bösen“ Bakterien (oder Pilzen oder Geißeltierchen) bestimmt werden. Nur ein vom Arzt durchgeführter Vaginalabstrich ist aussagekräftig!

Therapie

Die Behandlung ist vom jeweils nachgewiesenen Erreger abhängig: Sie kann mit Antibiotika (wirksam gegen Bakterien und Geißeltierchen) oder Antimykotika (wirksam gegen Pilze) erfolgen.

Achtung! Eine geeignete Therapie kann nur Ihr Gynäkologe/ Ihre Gynäkologin verordnen! Sie sollten nicht versuchen, die Symptome wahllos mit Medikamenten/Zäpfchen aus der Apotheke selbst zu behandeln!

  • Brechen Sie die vom Arzt verordnete Therapie nicht ab, wenn die akuten Beschwerden abgeklungen sind. Halten Sie sich an die Empfehlungen Ihres Arztes/ Ihrer Ärztin, um ein neuerliches Aufflammen der Infektion zu verhindern.
  • In manchen Fällen ist die Mitbehandlung des Partners sinnvoll, um sich nicht gegenseitig immer wieder neu anzustecken.
  • Nach der Behandlung der Erreger muss die vormals gesunde Scheidenflora sowie die intakte Schleimhaut wieder hergestellt werden. Es gibt eigene Medikamente, die die Scheidenflora wieder aufbauen können:

Wiederaufbau der Scheidenflora

Jede Antibiotika- bzw. Antimykotika-Einnahme beeinflusst allerdings das Gleichgewicht der Mikroorganismen im vaginalen Ökosystem. Dabei werden nicht nur die schädlichen Mikroorganismen, sondern unter Umständen auch die guten Bakterien verdrängt. Die Gefahr für einen Rückfall oder eine Folgeinfektion ist dabei groß und es kann neuerlich zu Scheideninfektionen kommen. Die Vaginalflora muss sich daher nach einer Therapie mit Antibiotika oder Antimykotika erst wieder aufbauen.

Eine vaginale Laktobazillen Therapie anschließend an die Behandlung der Vaginalinfektion kann dieses Risiko minimieren und den Wiederaufbau des normalen vaginalen Ökosystems mit Laktobazillen unterstützen sowie vor wiederkehrenden Infektionen schützen. Der Zusatz einer geringen Menge des körpereigenen Hormons „Estriol“ kann für Frauen jedes Alters sinnvoll sein, da dieses den Aufbau der Vaginalschleimhaut unterstützt und diese gut durchblutet, elastisch und ein wenig feucht wird. Vaginal appliziert wirkt dieses körpereigene Hormon nur lokal auf die Vaginalschleimhaut. Es gibt auch Kombinationspräparate mit Laktobazillen und niedrigdosierten Estriol.

Tipps für ein gesundes vaginales Gleichgewicht

  • Benutzen Sie Toilettenpapier „von vorne nach hinten“, um eine Übertragung von Bakterien aus dem Darm zu vermeiden.
  • Achten Sie auf eine angemessene Intimhygiene - zu viel ist genauso schädlich wie zu wenig.
  • Desinfizierende Mittel sollten nur nach ärztlicher Verordnung verwendet werden.
  • Waschen Sie den Intimbereich nur mit milden, dazu geeigneten Seifen, besser nur mit lauwarmem Wasser.
  • Benutzen Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome.
  • Tragen Sie Unterwäsche aus luftdurchlässigen, hautfreundlichen Materialien wie Baumwolle und wechseln Sie diese täglich.
  • Wechseln Sie beim Schwimmen sofort den nassen Badeanzug.

Sollte es dennoch zu Beschwerden kommen, lassen Sie sich von Ihrer Gynäkologien / Ihrem Gynäkologen beraten, wie Sie das vaginale Gleichgewicht wieder herstellen können!