Sex nach der Geburt eines Kindes

Der Inhalt von SexMedPedia ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt. Die Informationen auf dieser Website dienen keinesfalls als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete Ärztinnen und Ärzte. Der Inhalt von SexMedPedia darf nicht dazu verwendet werden, eigenständig Diagnosen zu stellen und Behandlungen zu beginnen oder abzusetzen.
Durch weiterlesen akzeptieren Sie den Haftungsausschluss

Sex nach der Geburt eines Kindes

Medium

Die Geburt eines Kindes führt zu einer elementaren Veränderung im Leben der betroffenen Frau/des betroffenen Paares. Plötzlich dreht sich alles nur noch um das Baby - für das Paar selbst bleibt anfangs meist nur wenig Raum. Auch das Thema Sexualität wird in vielen Fällen erst mal „zurück gestellt“.

Aber auch die körperlichen Veränderungen nach einer Entbindung lassen es sinnvoll erscheinen, nicht sofort nach einer Geburt, egal ob vaginal oder per Kaiserschnitt, wieder regelmäßig Geschlechtsverkehr zu haben.

Denn zum einen nimmt die Vagina durch eine Geburt oft ein wenig Schaden, was sich durch kleinste Risse zeigen kann. Aber auch ein Dammschnitt oder gar ein Dammriss braucht einige Wochen, bis er wieder restlos verheilt ist. Und nicht zuletzt dauert es eine ganze Weile, bis auch die Gebärmutter wieder ihre normale Größe erreicht hat. Während dieser Zeit raten ÄrztInnen den Paaren auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, weil die Infektionsgefahr für die Frau deutlich erhöht ist. Im Schnitt raten GynäkologInnen zu einer Wartezeit von etwa vier Wochen, bis wieder Geschlechtsverkehr stattfinden darf.

Keine Verbote

Sexualität ist aber nicht verboten, und sie beschränkt sich ja auch nicht auf die Penetration. Zärtlichkeit, manuelle (vorsichtige!) Stimulation und andere sexuelle Praktiken können durchaus relativ rasch nach einer Entbindung für das Paar eine schöne Erfahrung sein.

Jedoch sollten Frauen/Paare, die gerade ein Kind bekommen haben, nicht ganz aus den Augen verlieren, dass die Libido, also die Lust auf Sex, nach der Geburt meist für einige Zeit spürbar abnimmt - zumindest bei der Frau. Das hat mehrere Gründe: So erfolgt eine Hormonumstellung unmittelbar nach der Geburt, die die Lust auf die Liebe reduziert. Wird das Baby gestillt, so wird im weiblichen Organismus für eine Zeit von etwa sechs Monaten kein Östrogen produziert - das ist aber das wichtigste weibliche Geschlechtshormon.

Die Folge: Die Schleimhaut in der Scheide wird dünner und schmerzempfindlicher, und die Vagina selbst wird weniger feucht, weil Östrogen auch für die Lubrikation der Scheide eine wesentliche Rolle spielt. Und nicht zuletzt die Pflege und das Umsorgen des Babies - und natürlich die ständige Müdigkeit können das Verlangen auf Sex deutlich reduzieren.

(Un-)begründete Ängste

Viele haben nach einer anstrengenden und schmerzhaften vaginalen Geburt auch Angst vor dem Geschlechtsverkehr, genauer gesagt, Angst davor, dass das Eindringen des Penis in ihre Vagina Schmerzen verursacht.

Aber auch nicht wenige Männer reagieren auf die Geburt eines Kindes mit einem kurzfristigen Libidoverlust: Die eigene Partnerin als Gebärende zu sehen, ihre Schmerzen mit zu bekommen und den Geburtsvorgang zu sehen, kann auch bei Männern einen Rückzug aus der Sexualität bedeuten.

Für beide PartnerInnen bedeutet ein Kind nicht nur wesentliche Veränderungen im Alltag und in der Liebesbeziehung der beiden. Auch Veränderungen der Körperlichkeit bei der Frau aufgrund der Schwangerschaft und Geburt können sich natürlich auf die Sexualität des Paares auswirken. Übrigens nehmen auch viele Männer in der Schwangerschaft zu - ForscherInnen führen das unter anderem auf das „Empathiehormon“ Oxytocin zurück, das Männer während der Schwangerschaft ihrer Partnerin vermehrt produzieren.

Neubesinnung auf das Paarsein

Das bedeutet für beide Geschlechter eine Neubesinnung auf ihre Körperlichkeit, auf das was sie am jeweils anderen attraktiv finden und was jetzt, unter der Entwicklung einer neuen Lebenseinstellung, wieder als attraktiv und begehrenswert gesehen wird.

Die Abnahme der Libido innerhalb der ersten rund sechs Monate nach einer Geburt ist also keine „Störung“, sondern ganz normal. Wichtig ist allerdings, dass die beiden PartnerInnen im Gespräch bleiben: So sollte über die Bedürfnisse beider PartnerInnen gesprochen werden dürfen - und zwar ohne Druck und Vorwürfe. Es ist wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren - wenn etwa der Mann wieder Lust auf Sex hat, seine Partnerin dagegen noch jeden Gedanken an Sex weit von sich weist. Wird dies nicht besprochen, kann es langfristig zu ernsthaften Problemen mit der Sexualität und damit auch in der Beziehung kommen.

Die Libidoabnahme geht übrigens meistens nach einer Zeit wieder ganz von selbst zurück - dann nämlich, wenn das Baby selbstverständlicher Teil der Familie geworden ist, wenn es nicht mehr gestillt wird und das Paar auch wieder Zeit für sich selbst finden kann.