Sexualität bei Harn- und Stuhlinkontinenz

Vielerlei Erkrankungen, Operationen aber auch das Alter selbst und Bestrahlungen können dazu führen, dass sich die Blasen- und Darmfunktion ändert, sich Harn und Stuhlinkontinenz entwickeln und/oder oder einen künstlichen Darmausgang oder Harnableitung nötig machen.

Ausscheidungen sind in den meisten Kulturen mit einem Tabu besetzt, genauso wie das Thema Sexualität. Dabei wäre es von großer Wichtigkeit darüber zu reden, wie sich der Kontrollverlust über diese Funktionen auf das eigene Wohlbefinden und auch auf das Sexualleben auswirkt, gerade weil unsere Gesellschaft einen so hohen Wert auf eine ungestörte Kontinenz und Sexualität legt.

Unter diesen Voraussetzungen ist es ganz natürlich, dass Störungen des Kontinenzverhaltens und der Sexualität Auswirkungen auf das körperliche und psychische Gleichgewicht und auf das Selbstwertgefühl haben können und in der Folge auf die Partnerschaft. Verunsicherung bei den Betroffenen und Sprachlosigkeit über die Tabuthemen lösen bei den meisten Partnern/Partnerinnen selbst wieder Verunsicherung und Sprachlosigkeit aus.

Es ist wichtig, natürlich und ok. sich selbst einzugestehen, dass Stuhl-und/oder Harninkontinenz sich auf die eigene Sexualität auswirkt. Sexualität verändert sich immer, wenn körperlich, seelisch und sozial etwas aus dem Gleichgewicht gerät.
Typische Ängste sind peinliche Inkontinenz-Pannen (Harn- oder Stuhlverlust) im Alltag oder bei sexuellen Begegnungen, Angst vor dem Platzen des Stomabeutels, Angst vor Geruchsbelästigung oder Angst abstoßend zu wirken.

Ängste als Wegweiser für Veränderungen

So eigenartig es auch klingen mag, Ängste sind wichtig und dazu da aufzuzeigen, wo Veränderungen notwendig sind, um sich wieder sicher und wohl zu fühlen.

Der Weg zu Sicherheit und Wohlbefinden im Umgang mit Inkontinenz/Stoma und Sexualität führt also über die Ängste.

Schritte zu Wohlbehagen, Kontinenz und genussvoller Sexualität

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Erster und wichtigster Schritt ist, sich einzugestehen, dass man sich unwohlfühlt

Womit? Harn-/Stuhlinkontinenz, Stoma, Dauerkatheter

Wenn man in einer Partnerschaft lebt, mit der/dem Partner/in über das Unbehagen reden und auch die/den Partner/in fragen, wie es ihr/ihm damit geht

a. Nicht zurückschrecken und beleidigt sein, wenn die/der Partner/in gesteht, dass sie/er sich auch unwohl fühlt, das ist nur der erste Schritt zur Lösung.

b. Mit der/dem Partner/in genau herausarbeiten, was verunsichert (Geruch, Angst vor Harn-/Stuhlverlust, Angst den anderen zu beschämen, Angst vor Ablösung des Stomabeutels oder ist es eher die Sprachlosigkeit und der Rückzug?)

Konkrete Schritte zur Behebung der Probleme setzen

Gespräch mit der/dem behandelnden Ärztin/Arzt über die herausgearbeiteten Punkte.

Sie/er wird dann die Situation genau abklären und die richtigen Behandlungsmaßnahmen einleiten. Hier ist oft eine Zusammenarbeit von Urologen, Gynäkologen, Chirurgen, Kontinenz- und StomaberaterInnen und PhysiotherapeutInnen sehr wichtig.

Gespräch mit StomaberaterIn

Sehr häufig wird die Ärztin/der Arzt zu einer/einem Kontinenz- und Stomaberater/innen vermitteln, denn diese sind die kompetenten AnsprechpartnerInnen für Beratung, Schulung im richtigen Umgang mit allen Formen der Katheter, Stomaprodukten und diversen Hilfsmitteln (Kontaktadressen unter www.kontinenz-stoma.at).

Persönliche Schritte zur Veränderung

Vor der erotischen Zusammenkunft genügend Zeit für eine gründliche Intimpflege einplanen

Hilfsmittel Kondom

Männern können sich durch das Anlegen eines normalen Kondoms vor tröpfchenweisem Harnverlust schützen.

Medium

Hilfsmittel Einmalkatheter

Wenn die vollständige Entleerung der Blase schwer fällt und beim Geschlechtsverkehr ein Harnabgang befürchtet wird, ist die Verwendung eines Einmalkatheters vor der intimen Begegnung sehr hilfreich (es verschafft einige Stunden Freiheit).

Die Richtige Stellung

Falls das z.B. wegen Schwäche oder Lähmungen in den Beinen nicht so gut möglich ist, können Polster unter dem Becken, bzw. der Partner in einer aufrechteren Oberkörperposition für eine Entlastung des Drucks auf die Blase sorgen.

Medium

Erleichterung durch Darmentleerung

Bei Schwäche des Darmschließmuskels, sollte der Mastdarm vor einer sexuellen Begegnung entleert werden (z.B. mithilfe eines Zäpfchens, kleines Klistiers oder einer Darmspülung).

Medikamentöse Hilfsmittel

Eventuell kann die Einnahme des vom Arzt verordneten antimuskarinen Medikamentes die Blase „beruhigen“ und so einen Harnverlust verhindern ( Gespräch mit dem Arzt!)

Medium

Spezial-Tampons statt Darmentleerung

Falls das nicht ausreichend Sicherheit vermittelt, kann die Verwendung eines Analtampons zusätzlichen Schutz bieten.

Mit der passenden Stellung kann man den Druck auf den Unterbauch/Blasenregion selbst regulieren (Bsp.: sie/er oben).

Abhilfe bei Irritationen durch Stomabeutel

Bei Irritationen durch den Stomabeutel zuerst einmal herausarbeiten, was denn stört (Geruch, Angst vor dem Ablösen, Platzen, der sichtbare Beutel).

Stomadeckel und Gürtel können helfen

Falls der Beutel selbst irritiert: Stomadeckel anwenden und Stomagürtel verwenden.(Es gibt am Markt schon sehr sinnliche/schöne Stomagürtel)

Medium

Angst vor Ablösen des Beutels:

Gespräch und Schulung mit Stomaberater/in und/oder Tragen eines Stomagürtels

Angst vor Geruchsbelästigung:

Das sollte eigentlich nicht auftreten (außer beim Wechseln des Beutels und da darf es - ist so normal wie beim Stuhlgang). Falls doch Gerüche wahrnehmbar sind - Stomaberater/in kontaktieren und Ursache abklären.

Umstellung bei Erkrankungen und Veränderungen

Erkrankungen/Veränderungen sind ohne Frage eine Umstellung und eine Herausforderung. Gleichzeitig zeigen alle wissenschaftlichen Studien, dass die Qualität (sexueller) Beziehungen von wenigen und selbst steuerbaren Faktoren abhängen:
1. sich mit seinen Bedürfnissen wichtig nehmen 2. eine gute partnerschaftliche Kommunikation 3. partnerschaftliche Zufriedenheit 4. Austausch von Zärtlichkeiten 5. gelebte Gemeinsamkeiten 6. Hilfe annehmen, wenn man selbst nicht mehr weiter kommt.

Falls trotz all der genannten Maßnahmen Sexualstörungen bestehen bleiben, und das kann ja sein, denn immerhin sind 46% aller Frauen und 39% aller Männer mit sexuellen Problemen konfrontiert, findet man Information zu den einzelnen Sexualstörungen auf www.sexmedpedia.at und Hilfe bei der Ärztin/beim Arzt des Vertrauens.