Sexualstörungen bei der Frau: So erkennen Sie Ihr Problem

Sexualstörungen bei der Frau: So erkennen Sie Ihr Problem

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Für die folgende Auswertung wäre es gut, wenn Sie sich noch einmal die Zusammenfassung des ersten (Sexualstörungen bei der Frau: Beschreiben Sie Ihr Problem) und die Informationen des zweiten Schrittes (Sexualstörungen bei der Frau: Welche Ursachen hat Ihr Problem?) vornehmen.

  • Gehen Sie nun der Reihe nach alle Fragen durch und machen Sie sich Notizen. In welche Richtung führen die Hinweise?
  • Schreiben Sie alle Informationen zusammen, die Sie gesammelt haben: Welche Fakten können Sie jetzt erkennen?

Checkliste: Sammeln, Benennen und Beschreiben

Welche Bereiche der Sexualbegegnung sind betroffen?

o die Phase der Annäherung (Lust, Begehren)
o Erregungsaufbau (genital oder emotional) o feucht werden (Lubrikation) o Orgasmus o nach dem Orgasmus (Kopfschmerzen, traurig sein, Lachkrämpfe …) o sexuelle Befriedigung o sexuelle Zufriedenheit

Seit wann besteht das Problem?

Antwort:_____________________________________________________________

Wie können Sie das Problem beschreiben? Antwort:_____________________________________________________________ ____________________________________________________________________

Welche möglichen Ursachen gibt es?

körperliche - welche?__________________________________________________
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psychische - welche?__________________________________________________
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beziehungsrelevante - welche?__________________________________________
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soziale - welche?______________________________________________________
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soziale-kulturelle-religiöse - welche?______________________________________
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Beispiel

Falls Sie sich mit der Spurensuche noch schwer tun, lesen Sie sich bitte folgendes Beispiel durch:

Eine 48-jährige Frau kommt mit ihrem Partner zu einem Gespräch, weil sie nicht versteht, warum ihr Körper, der jahrelang schönen Sex genießen konnte, auf einmal »so spinnt«. Sie wird

  • kaum mehr erregt,
  • ihre Feuchtigkeit hält nicht lange genug an,
  • nach dem Geschlechtsverkehr schmerzen oft ihr Scheideneingang und die Vagina.

Beim Selbstbefriedigen jedoch erlebt sie sich wie vorher, wird feucht genug und kommt leicht zum Orgasmus. Auch im Urlaub geht es ihr besser beim Sex. Sie hat den Eindruck, dass ihr Partner sich nicht daran gewöhnen kann, dass sie jetzt länger oder anders stimuliert werden muss, um so zu empfinden wie früher. Im Urlaub allerdings sei er aufmerksamer, nehme sich Zeit und gehe auf ihre Bedürfnisse ein.

Sie traut sich nicht, sich die Zeit zu nehmen, die ihr Körper braucht, um erregt zu werden. Außerdem fürchtet sie, dass ihrem Mann »langweilig wird oder dass es zu anstrengend für ihn wird, sodass ihm Sex auf diese Art keinen Spaß mehr macht«. Beide Partner leiden unter dieser Situation.

Die Frau entwickelte nach Jahren mit unbeschwertem Sex (sekundär) eine Erregungsstörung. Das Problem wurde chronisch, weil es über lange Zeit anhielt. Sie konnte zwar eine Grunderregung erreichen, jedoch keinen starken Erregungsaufbau mehr. Dies gelang ihr nur, wenn sie sich selbst befriedigte oder wenn ihr Mann auf ihre Bedürfnisse einging, was zum Beispiel im Urlaub möglich war.

Ob sie dieses Problem mit einem anderen Mann nicht hätte, wissen wir nicht. Darüber hinaus kann sie im Wechsel sein. Durch den erniedrigten Hormonspiegel wird auch die genitale Durchblutung schwächer.

Lösungsansätze

Im nun folgenden Abschnitt können Sie die Auswertung zu diesem Beispiel und die anwendbaren Lösungsansätze lesen. Sie können nun dieses Muster auf Ihre Geschichte übertragen.

Das Problem

  • Es handelt sich um eine sekundäre genitale Erregungsstörung (nach vorherigem über Jahre unbeschwertem Sex).
  • Das Problem ist chronisch, weil es schon länger besteht.
  • Es hat jedoch die Erregungsempfindung nicht komplett zerstört.
  • Das Problem besteht nur mit dem Partner und nicht, wenn sie sich selbst befriedigt.
  • Eine Besserung ist nur im Urlaub möglich.
  • Die Sexualkontakte werden dadurch zunehmend unbefriedigender, die sexuelle Zufriedenheit sinkt.

Die Ursachen

• körperliche: hormonelle Umstellung • psychische: Unfähigkeit, zu persönlichen Bedürfnissen zu stehen • beziehungsrelevante: Partner signalisiert Langeweile und Anstrengung • soziale-kulturelle-religiöse: Unfähigkeit, über das Problem zu reden

Lösungsansätze

Die Partner besprechen miteinander die Punkte, die für ihr Problem verantwortlich sind.

Die Frau spricht offen ihre Befürchtungen aus, ihr Partner könne sich wegen ihrer veränderten Bedürfnisse langweilen oder sie könne ihm zu anstrengend werden.

Auch der Mann bekommt die Gelegenheit, seine Unsicherheit zu formulieren.

Mit dieser Offenheit können sie nun auch versuchen, neue Varianten der sexuellen Stimulation für sich zu finden. Möglich ist, wenn gewünscht oder nötig, lokal eine Hormonsalbe aufzutragen, die den vaginalen Schleimhautabbau verhindert und die genitale Durchblutung erleichtert.

Weiterführender Artikel

Sexualstörungen bei der Frau: Therapie und Hilfe

Quellenangabe

Dieser Text ist, mit freundlicher Genehmigung des Verlages, dem Buch Weiblich, sinnlich, lustvoll von Dr. Elia Bragagna, 2010 erschienen im Ueberreuter Verlag, entnommen.