Suchtpotential und gesundheitliche Auswirkungen von Zigarettenrauch

Suchtpotential und gesundheitliche Auswirkungen von Zigarettenrauch

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Zigaretten weisen ein immenses Suchtpotential auf, das mit dem von „harten Drogen“ wie Heroin oder Kokain gleichgesetzt werden kann (Antony et al., 2000). Die Abhängigkeit vom Tabakrauchen kann sehr schnell eintreten, oft schon nach dem Rauchen von nur wenigen Packungen Zigaretten (Fidler et al., 2006).

Künstliche Wohlgefühle

Innerhalb von 7 Sekunden nach dem Zigarettenrauchen erreicht das Nikotin das Gehirn und vermittelt durch die Freisetzung der Botenstoffe Dopamin und Serotonin angenehme Gefühle: Entspannung, Wohlbefinden und Wachheit, das Hungergefühl wird gedämpft, die kognitive Leistung gesteigert, die Gedächtnisleistung verbessert, Angst und Anspannung werden weniger (Batra, 2003).

Diese künstlich hervorgerufene Dopaminausschüttung hinterlässt jedoch Spuren: das Gehirn gewöhnt sich daran und verlangt in der Folge immer weiter danach. Ein Wirkungsmechanismus wie er auch bei zahlreichen anderen Drogen besteht.

Ein weiterer Effekt beim Rauchen ist, dass es bei jedem Raucher Situationen gibt, in denen die Zigarette als besonders genussvoll erlebt wird: etwa nach einem guten Essen, zum Kaffee oder zu einem Glas Wein oder Bier. Das Gehirn verbindet in der Folge diese Situationen mit einer Zigarette und verlangt beim nächsten Mal wieder danach.

Entzugserscheinungen

Viele RaucherInnen entwickeln beim Verzicht auf eine Zigarette bereits nach einer mehrstündigen Abstinenz körperliche Entzugserscheinungen, die im DSM-IV charakterisiert sind als

  • Rauchverlangen,
  • vermehrte Irritierbarkeit,
  • verminderte Frustrationstoleranz,
  • dysphorische oder depressive Stimmung,
  • Ärger, Aggressivität, Angst,
  • Konzentrationsstörung,
  • Unruhe,
  • eine relative Bradykardie (dauerhaft zu langsame Herzfrequenz von unter 50 bis 60 Schlägen in der Minute),
  • Schlafstörung und
  • gesteigerter Appetit (Heinz, 2003).

Die erwarteten positiven Erlebnisse erfüllen sich nach jeder Zigarette neu. Es entsteht ein Teufelskreis mit der Entstehung einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit. Die Tabakabhängigkeit wird aufrechterhalten

  • durch die angenehme Empfindung während des Rauchens und
  • die Erwartung von Entzugserscheinungen in der Entwöhnungsphase.

Abhängigkeit und Einstieg

Es wird davon ausgegangen, dass etwa 80% der RaucherInnen vom Nikotin abhängig sind (Batra et al., 1997). Meist liegt der Beginn des Tabakkonsums vor dem 20. Lebensjahr. Ursachen dafür sind das soziale Umfeld (vorrangig Peergroup und Eltern) und Neugier, aber auch Verfügbarkeit und Kosten tragen wesentlich zu einem frühen Beginn bei (Fidler et al., 2006).

Gesundheitliche Schäden

Das Nikotin ist zwar die Hauptsubstanz für die Suchtentstehung bekannt, die gesundheitlichen Schäden durch das Rauchen werden jedoch durch zahlreiche andere Schadstoffe, die beim Verbrennen einer Zigarette freigesetzt werden (Formaldehyd, Benzol, Blei, Nickel, Chrom und viele mehr).

Erkrankungen

Rauchen schädigt fast alle menschlichen Organsysteme (Kröger & Lohmann, 2007). Das Rauchen von Zigaretten ist die Hauptursache für Erkrankungen der Atemwege, des kardiovaskulären Systems und zahlreicher Krebserkrankungen. 30% aller Todesfälle, deren Ursache eine Krebserkrankung war, sind auf Tabakkonsum zurückzuführen (Rieder et al., 2004).

Sterblichkeit

Peto et al. (2000) führten in einigen Industrieländern, sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas, eine umfangreiche Untersuchung über die tabakbedingte Sterberate durch. Das Ergebnis dieser Untersuchung zeigt, dass von 1.944.000 Personen, die aufgrund ihres Tabakkonsums starben,

  • 490.000 an Lungenkrebs,
  • 718.000 an anderen Krebsformen,
  • 647.000 an Herz- und Gefäßerkrankungen,
  • 344.000 an Lungenerkrankungen und
  • 234.000 aufgrund anderer Ursachen verstarben.

In Österreich starben im Jahr 2000 laut Peto et al. 8900 Personen an den Folgen ihres Tabakkonsums, was 12% aller registrierten Todesfälle entspricht.