Symptome weiblicher Sexualstörungen

Symptome weiblicher Sexualstörungen

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In der Praxis ist es sinnvoll, Störungen der sexuellen Motivation (Lust, Interesse an der Sexualität) von den Störungen der sexuellen Funktion im engeren Sinn (Erregung, Orgasmus, Schmerzen) zu unterscheiden.

Die Luststörungen umfassen ein breites Spektrum, das von einem mild ausgeprägten Desinteresse bis hin zu einer massiven Aversion gegen sexuelle Kontakte reicht. In der häufigsten Form hat die Frau kein aktives Interesse an der Sexualität, obwohl sexuelle Kontakte - wenn sie stattfinden - durchaus lustvoll und angenehm erlebt werden können. Das führt aber nicht dazu, dass die Frau von sich aus bald wieder Sex haben möchte.

Störungen der Appetenz (Luststörungen)

Meist lässt mit der Zeit dann auch die Erregungsfähigkeit nach, und das Erleben eines Orgasmus wird immer seltener. Subjektiv empfindet die Frau, dass sie sexuelle Kontakte nicht „braucht“ und gut ohne Sex auskommen könnte.

Der Wunsch nach Zärtlichkeit und Intimität ist aber nach wie vor vorhanden, manchmal sogar verstärkt. Genau diese Wünsche werden aber meist nicht mehr befriedigt, da die Frau körperliche Nähe meidet - aus Angst, dass der Partner dann „mehr“ möchte.

Sexuelle Aversion

Von einer sexuellen Aversion spricht man, wenn die Frau eine ausgeprägte Abneigung bzw. Abwehr gegenüber jeglicher Form von Sexualität verspürt und sexuelle Kontakte entsprechend vermeidet. Sehr häufig findet man in solchen Fällen in der Vorgeschichte unangenehme oder traumatische sexuelle Erfahrungen.

Sexuelle Störungen im engeren Sinn

Die wichtigsten sexuellen Dysfunktionen im engeren Sinn betreffen die Orgasmusfähigkeit sowie sexuell bedingte Schmerzen. Kaum eine Frau wird es für sich als Störung erleben, wenn sie nicht bei jedem sexuellen Kontakt zum Orgasmus kommt. Wird der sexuelle Höhepunkt aber nur sehr selten oder nie erreicht, was bei etwa zehn bis 20 Prozent der Frauen der Fall ist, führt dies früher oder später zu einer Minderung des sexuellen Interesses. Daher sind Orgasmusstörungen nicht selten die Eintrittspforte für schwerwiegendere Sexualprobleme und sollten, vor allem bei jüngeren Frauen, entsprechende Beachtung finden.

Schmerzen

Sexuell bedingte Schmerzen betreffen Frauen aller Altersgruppen und bedeuten eine besonders einschneidende Belastung des Sexuallebens, da Schmerzen das Erleben von Lust und Erregung nachhaltig einschränken oder ganz unmöglich machen. Die Schmerzsyndrome reichen von mehr oder minder ausgeprägten Missempfindungen (Dyspareunie) bis hin zum Vaginismus, bei dem ein Eindringen des Penis aufgrund einer starken Anspannung bzw. Verkrampfung der Scheidenmuskulatur nicht möglich ist. Meist sind dann auch eine gynäkologische Untersuchung oder das Einführen eines Tampons unmöglich.

Hinsichtlich der sexuellen Schmerzsyndrome müssen die „3 Ws“ abgeklärt werden (wo tut es weh, wann tut es weh und wie tut es weh), aus denen viele Rückschlüsse über die genaue Problematik und deren Ursachen abgeleitet werden können.

Insgesamt finden wir - anders als bei den Männern - bei den Frauen nur selten ein umschriebenes Funktionsversagen, sondern häufiger eine reduzierte sexuelle Motivation und/oder gestörte sexuelle Erlebnisfähigkeit - eingebunden in Emotionalität, Persönlichkeit und Partnerbezug.

Das heißt: Die sexuellen Dysfunktionen der Frau neigen zur Ausweitung und zur Generalisierung - mit dem Libidoverlust, der Aversion oder auch den Schmerzstörungen als Endstrecke der Entwicklung. Daher erfordern sie (nach Ausschluss somatischer Faktoren) die genaue Erkundung von Entstehungsgeschichte und Psychodynamik.