Buchrezension: This Man's Pill

Buchrezension: This Man's Pill

Medium

1951 gelang dem aus Österreich stammenden, in die USA emigrierten Chemiker Carl Djerassi der entscheidende Schritt zur Produktion des Hormons Gestagen, was Herstellung und Siegeszug der “Pille” ermöglichte. Anlässlich dieses 50jährigen Jubiläums der Pille brachte er 2001 seine umfangreichen Reflexionen dazu als Buch heraus. Und die sind auch heute, zum offiziellen 50er dieses Verhütungsmittels, ausgesprochen spannend und unterhaltsam zu lesen.

Ganzheitlichkeit

Eines vorweg: wäre Djerassi “nur” Chemiker, würden seine Betrachtungen zu dieser kleinen Pille, die die Welt veränderte wohl mehrheitlich ein Fachpublikum interessieren. Aber er ist auch Literat, Kunstsammler und -förderer und obendrein eine interessante Persönlichkeit.

In verschiedene Kapitel aufgeteilt erzählt er drauf los: wie die Pille nicht nur die Gesellschaft veränderte, sondern auch sein persönliches Leben. Was angenehm daran auffällt, ist seine Bereitschaft, zwischen den Positionen zu springen, sowohl pro als auch contra auszuleuchten, unterschiedliche Blickwinkel eines Themas zu beleuchten.

Kritische Fragen

Die Pille wird zur universellen Betrachtungsebene und so gestellt sind auch die Fragen, denen sich Djerassi anzunähern versucht. Was wäre gewesen, wenn die Pille 15 Jahre später erfunden worden wäre? Warum hat sich im Deutschen der unschöne Begriff “Antibabypille” durchgesetzt? Und wäre es für die Unabhängigkeit der Frauen tatsächlich besser gewesen, wenn, wie oft gefordert, statt der Pille für die Frau eine für den Mann erfunden worden wäre?

Sex, die Kunst und Unsterblichkeit

Der etwas sperrige Untertitel “Sex, die Kunst und Unsterblichkeit” leitet sich aus Kapiteln ab, denen im Buch große Bereiche gewidmet sind. Sex ist durch das Thema Pille selbsterklärend. Zur Kunst besteht der Zusammenhang, dass Djerassi durch die von der Firma Syntex (für die er die Pille mitentwickelte) erworbenen Aktienanteile zu Geld kam und somit zum Kunstsammler und nach einem privaten Schicksalsschlag mit einer Foundation zum Kunstförderer wurde. Und mit der Sehnsucht nach Unsterblichkeit und ihren Bemühungen, diese auf unterschiedliche Wege zu erlangen, setzt er sich ebenfalls kritisch wie detailliert auseinander.

Fazit

Ein Buch von und über einen klugen Mann. Djerassi gelingt es, sich nicht in Langatmigkeiten zu verzetteln, sondern höchst geistreich von einem Gedanken zum nächsten zu springen. Da springt man als LeserIn gerne mit!

Bewertung

5 von 5 Punkten

Buchinfo

Carl Djerassi: This Man’s Pill. Sex, die Kunst und Unsterblichkeit.
240 Seiten Haymon Verlag, 2001 ISBN-13: 978-3852183664 Preis: € 26,90