Urlaub, Sex und böse Folgen

Urlaub, Sex und böse Folgen

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Endlich scheint die Sonne, es wird wärmer - der Sommer naht. Und mit ihm die Urlaubszeit. Eine Zeit, die viele Menschen als „die schönste Zeit im Jahr“ beschreiben. Fern von zu Hause sind viele bereit, sich auch sexuell auf ein Abenteuer einzulassen - wer sich aber im Vorfeld nicht informiert und schützt, kommt möglicherweise mit einem unliebsamen Souvenir nach Hause - die Rede ist von Hepatitis B.

350 Millionen infizierte Menschen

Rund 5.000 Menschen in Österreich infizieren sich jedes Jahr mit Hepatitis B. Weltweit sind aktuell rund 350 Millionen Menschen mit dieser Lebererkrankung infiziert. Hepatitis B ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die über Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit und Speichel übertragen werden kann. Aber auch im sogenannten „Lusttropfen“, im Urin, dem Schweiß, der Gallenflüssigkeit und der Muttermilch kann das Virus in hoher Konzentration enthalten sein. Um einen vollständigen Infektionsschutz zu erreichen, sind drei Teilimpfungen im Abstand von 4 Wochen und sechs bis 12 Monaten erforderlich. Ein vollständiger Impfschutz wird erst vier Wochen nach der dritten Teilimpfung erreicht, nach der zweiten Teilimpfung ist der Schutz aber schon bei mehr als 90 Prozent der Geimpften vorhanden.

Viren mögen tropische Temperaturen

Hepatitis B ist eine Erkrankung die weltweit verbreitet ist. Am häufigsten kommt sie in tropischen Ländern wie Teilen Afrikas und Südostasien vor. So sind in Südostasien bis zu 20 Prozent der Bevölkerung VirusträgerInnen. Übertragen wird die Erkrankung in Asien zumeist von der Mutter auf die Kinder, in Europa am häufigsten beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. Besonders gefährlich dabei ist ungeschützter Analsex und andere traumatisierende Sexualpraktiken. Die Darmschleimhaut ist sehr empfindlich. Fast immer kommt es beim Analverkehr zu - wenn auch winzigen - Verletzungen. Aber auch die kleinste Läsion reicht schon aus, um das Hepatitis B-Virus zu übertragen.

Unbemerkte Infektion

Wer sich mit dem Hepatitis B-Virus infiziert, bemerkt häufig gar nichts von dem unliebsamen Eindringling: Bei bis zu 30 Prozent der Infizierten verläuft die Erkrankung symptomlos. 70 Prozent bemerken Symptome wie Gelbsucht, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Oberbauchschmerzen oder Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Gelenksbeschwerden. Das Virus selbst ist übrigens nicht für diese Erscheinungen verantwortlich. Vielmehr reagiert das Immunsystem auf das Hepatitis B-Virus, was die Symptome auslöst.

Hochansteckend

Bleibt die Erkrankung unbehandelt, so heilt sie immerhin in bis zu 95 Prozent der Fälle wieder aus. Das Problem ist allerdings, solange die Infektion im Körper aktiv ist, solange ist die Erkrankung auch hochansteckend. Hepatitis B ist etwa zehnmal infektiöser als HIV! Wer sich also bei einer Urlaubsliebelei mit dem Virus ansteckt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern beispielsweise auch seine Partnerin/seinen Partner. Bei etwa fünf Prozent der mit dem Hepatitis B-Virus infizierten Personen wird die Erkrankung chronisch, was letztlich zu Leberzirrhose bis hin zu Leberkrebs führen kann.

Kondome schützen nicht 100prozentig

Selbstverständlich sollte jede und jeder sich - ob geimpft oder nicht - mit Kondomen schützen, wenn es mit der Urlaubsbekanntschaft „zur Sache geht“. Kondome allein schützen aber nicht vollständig vor einer Infektion mit Hepatitis B. „Das Virus wird nicht nur über Sperma und Vaginalflüssigkeit, sondern auch über Blut und zu einem geringen Teil auch über den Speichel übertragen“, warnt Leberspezialist Univ.-Prof. Dr. Markus Peck-Radosavljevic von der Medizinischen Universität Wien. „Die einzige Möglichkeit, eine Hepatitis B sicher zu verhindern, ist die Impfung.“

Zwei Impfungen unbedingt notwendig

Wer auch im Urlaub ungestört leben und lieben will (und sich dabei natürlich trotzdem mit Kondomen schützt!) sollte sich vor dem Urlaubsantritt unbedingt impfen lassen. Meist wird dabei ein Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und B verwendet, der in drei Teilimpfungen verabreicht wird. Ein wirksamer Schutz besteht erst nach der zweiten Teilimpfung, ein optimaler Schutz nach allen drei Teilen. Um geschützt in den Urlaub zu fahren, sollte die zweite Teilimpfung spätestens vier Wochen vor Reiseantritt verabreicht werden.

Impfschutz und Kondome

In Österreich sind übrigens alle Geburtenjahrgänge ab 1997 gegen Hepatitis B geimpft worden. Das Gleiche gilt für Risikopersonen, das sind etwa ÄrztInnen, anderes medizinisches Personal sowie einige andere Berufsgruppen, welchen schon seit 1981 die Impfung angeboten wird.

Privatpersonen müssen sich die Impfung selbst bezahlen. Ein vollständiger Impfschutz kostet rund 120 Euro. Eine Ausgabe, die sich lohnt, wie auch Markus Peck meint: „Leider ist das Risikobewusstsein in der Bevölkerung nach wie vor gering“, sagt der Leberspezialist im Interview mit SexMedPedia. „Das liegt wohl daran, dass 95 Prozent der Infektionen komplikationslos ausheilen.“ Dennoch dürfe nicht vergessen werden, dass ein Prozent der akuten Infektionen fulminant verläuft und dann ohne Lebertransplantation oft innerhalb von Tagen tödlich sein kann und immerhin fünf Prozent der Erkrankten schwere, komplikationsreiche Verläufe aufweisen, die nach Jahren der chronischen Erkrankung zum Tod führen können.

Wer sich also im Urlaub in jeder Hinsicht amüsieren will, der sollte vor allem auf eines achten: Einen ausreichenden Impfschutz gegen Hepatitis B und einen Vorrat an Kondomen.