Vorzeitiger Samenerguss

Andere Ausdrücke für den vorzeitigen Samenerguss sind: vorzeitige Ejakulation, umgangssprachlich: „zu früh kommen“, lateinisch: Ejaculatio praecox (E.p.).

Der vorzeitige Samenerguss ist die häufigste Sexualstörung des Mannes und tritt in verschiedenen Formen und Ausprägungen auf, was eine genaue Definition des Problems schwierig macht.

Definition

Wie bei keiner anderen Sexualstörung des Mannes stößt man hier schon bei der Definition auf Schwierigkeiten. Derzeit existieren einige Definitionen gleichzeitig, von denen aber noch keine so richtig befriedigend ist.

  • DSM-IV-TR ( Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen der amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung): 302.75 Persistierende (anhaltende) oder wiederkehrende Ejakulation bei minimaler sexueller Stimulation vor oder kurz nach der Penetration und bevor es die Person erwünscht. Diese Störung verursacht einen merklichen Leidensdruck oder zwischenmenschliche Schwierigkeiten. Mangel dieser Definition: Keine Toleranzgrenze
  • ID10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten der WHO): F52.4 Unfähigkeit, die Ejakulation ausreichend zu kontrollieren, damit der Geschlechtsverkehr für beide Partner befriedigend ist.
    1. Die Ejakulation findet vor oder kurz nach Beginn des Geschlechtsverkehrs statt (falls ein Zeitinterwall erforderlich ist, innerhalb 15 sec.)
    2. Die Ejakulation findet ohne ausreichende Erektion (für einen Geschlechtsverkehr) statt
    3. Das Problem tritt nicht aufgrund einer längeren sexuellen Abstinenz auf. Mangel dieser Definition: Enge Toleranzgrenze mit 15 sec.

Die oben zitierten Definitionen veranlassten Spezialisten, eine Neudefinition des Begriffes „vorzeitiger Samenerguss“ (Ejaculatio praecox) [1 - 6] zu fordern.
Gründe dafür: • ungenaue Angabe des Zeitinterwalles zwischen Penetration und Ejakulation (Intravaginale Ejakulations-Latenzzeit /Intravaginal-Ejaculation-Latency-Time, IELT) • Fehlen des Begriffes „Kontrollverlust“, den alle Betroffenen beschreiben.

Die neue Definition sollte auf kontrollierten klinischen und epidemiologischen Stoppuhr-Studien basieren.

Angesichts der Schwierigkeiten für eine exakte Definition des vorzeitigen Samenergusses auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen fand im Oktober 2007 ein wissenschaftliches Treffen von internationalen Experten auf diesem Gebiet in Amsterdam statt. Die Ergebnisse dieser Beratungen führten zur Definition der Internationalen Gesellschaft für Sexualmedizin (ISSM).

Beim vorzeitigen Samenerguss handelt es sich um eine männliche Sexualstörung mit folgenden Charakteristika:

  • Der Samenerguss erfolgt (fast) immer vor oder innerhalb 1 Minute nach Eindringen in die Scheide.
  • Es gibt keine oder fehlende Ejakulationskontrolle.
  • Es kommt dadurch zu negativen persönlichen Konsequenzen, wie Verzweiflung, Ärger, Frustration und/oder Vermeidung von sexueller Intimität.

Aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnisse gilt diese Definition prinzipiell nur für die sogenannte primäre, lebenslang bestehende EP, nicht hingegen für die anderen Formen des vorzeitigen Samenergusses.
Das Team von SexMedPedia bevorzugt deswegen folgende Definition nach M. Waldinger 2008 7:

Hier sehen Sie ein Video zum Thema “vorzeitiger Samenerguss”: \