Die "Wechseljahre" beim Mann

Die "Wechseljahre" beim Mann

Unter dem „Wechsel“ versteht man jene Zeitspanne der Umstellung, in der Männer alterungsbedingte Veränderungen an sich bemerken. Diese Zeit wird auch als Klimakterium bezeichnet, was soviel heisst wie „Wende“ oder „kritische Zeit“. Jeder Mann kommt in den “Wechsel”, die dabei auftretenden Beschwerden sind aber sehr unterschiedlich. Der “Wechsel” ist ein normaler Vorgang, der jedoch auch zur Krankheit werden kann und in diesem Fall behandelt werden muss.

Die Ursache dafür ist ein schleichender Testosteronverlust (PDAM). Irgendwann unterschreitet das Testosteron die Wohlfühlschwelle und erreicht einen Wert bei dem subjektive Befindlichkeitsstörungen auftreten. Subjektive Befindlichkeitsstörungen und objektive Befunde sind die Grundlage für eine Therapie, die neben einer Verbesserung des Lebensstils aus der Gabe (Substitution) von Testosteron besteht.

Veränderungen

Weil das Testosteron bei den Männern immer weniger wird (und die Östrogene mehr), kommt es mit zunehmendem Alter zu einem schleichenden (partiellen) Verlust männlicher Eigenschaften, sowohl im biologischen, aber auch im psychosozialen Sinne.

Unmittelbar nach der Pubertät ist die Geschlechterpolarisierung am größten. Niemals wieder ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen größer als in jungen Jahren, auf der einen Seite geballte Männlichkeit, auf der anderen Seite sinnliche Weiblichkeit. Später werden die Männer ruhiger, bekommen weibliche Gesichtszüge und rundlichere Körperformen, es nähert sich also der Mann dem Weiblichen an.

Der Prozess des Testosteronverlusts beginnt mit 20 und zeigt mit 30 seine ersten Auswirkungen. Auch wenn der junge Mann sich noch sicher fühlt, die sexuelle Performance des 30-jährigen hat sich gegenüber dem 20-jährigen bereits verändert. Die überbordende Lust des Jugendlichen hat sich schon gemäßigt.

Der Testosteronverlust ist auch der Grund, warum Männer im Alter so vernünftig werden und freiwillig Dinge tun, an die sie in der Jugend nicht einmal zu denken wagten. Zum Beispiel das Motorradfahren an den Nagel zu hängen, weil es zu gefährlich ist.

Zugegeben, die Weisheit des Alters - „Alter“ beginnt hier übrigens spätestens mit 40 - beruht wahrscheinlich auch auf einer Portion Lebenserfahrung, den größten Teil trägt aber der schwindende Testosteronspiegel bei. Den Männern fehlt in Wirklichkeit die Energie für all den jugendlichen Schabernack. Und Energie ist gleichbedeutend mit Testosteron.

Häufigkeit

Fachleute schätzen, dass 50 % der 50-jährigen Männer an einem behandlungsbedürftigem Testosteronmangel leiden. Die Scheu vieler Männer vor Arztbesuchen ist einer der Gründe, warum eine sinnvolle Therapie nicht zum Einsatz kommen kann.

Symptome

Testosteronentzug zeigt sich in typischen Symptomen. Weil diese aber schleichend auftreten, werden sie selbst von Fachleuten nicht immer erkannt. Auch gibt es kein absolutes Zeichen für den Beginn des Klimakteriums bei den Männern. Während für jede Frau das Ausbleiben der Regel der Startschuss für den Wechsel ist, sträuben sich die Männer, altersbedingte Veränderungen am eigenen Körper wahrzunehmen. Die Altersgruppe der 40-jährigen, lebenshungrig und unternehmungslustig, merkt dann irgendwann, dass „es“ nicht mehr so geht wie früher.

„Es“, das ist zunächst

  • die Verminderung der Leistungsfähigkeit in Beruf und Sport,
  • auch macht sich eine gewisse düstere Stimmung, Schlaflosigkeit und Zukunftsängste breit.

Das alles kann sehr dramatisch empfunden werden, vor allem auch deshalb, weil sich Männer mit diesen Beschwerden alleine gelassen fühlen. Sie wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen.

Objektiv gesehen hat Testosteronmangel für sich schon einen Krankheitswert. Hypogonadale Männer (das sind Männer mit zu niedrigem Testosteronspiegel) haben erwiesenermaßen eine geringere Lebenerwartung als ihre hormonstarken Geschlechtsgenossen. Dafür gibt es gute Gründe. Testosteronstarke Männer haben ein größeres Energiepotenzial. Sie machen mehr Sport, ihr Stoffwechsel ist aktiver, sie sind schlanker und haben durchschnittlich den besseren Blutdruck und das niedrigere Cholesterin gegenüber hypogonadalen Männern. Das alles hat zu tun mit Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch dies muss von einem Arzt gewusst und bei der Therapie berücksichtigt werden.

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Partnerschaft

Es ist eine unheilvolle Strategie vieler Männer, sich angesichts von sexuellen Defiziten aus dem Beziehungsleben zurückzuziehen. „Wenn ‚es‘ nicht mehr geht, machen wir was anders“, so etwa sind die typisch männlichen Gedankengänge. Männer fallen dann in Melancholie und trinken Alkohol, stürzen sich in die Vereinsarbeit oder sie treten die Flucht nach vorne an und suchen sich eine neue Partnerin. In der Hoffnung, dass alles anders wird. Keine dieser Strategien wird glücklich machen, ganz im Gegenteil.

Es ist daher sehr häufig, dass Frauen die Sache in die Hand nehmen und ihre Männer zum Arzt schicken (wollen). Doch Vorsicht, Männer lassen sich nicht gerne nötigen! Der Erfolg einer solchen Strategie entscheidet sich wahrscheinlich an der Art der Vorgehensweise. „Es wird mal Zeit, dass du was machst, oder soll das schon alles gewesen sein?“ ist weniger gut. „Ich möchte gerne haben, dass es dir gut geht“, ist schon besser.

Diagnose

Für die Diagnose von Wechselbeschwerden sind weniger Labortests der ausschlaggebende Moment, als vielmehr daraus resultierende Beschwerdebilder. Und damit noch immer nicht genug: Nicht die Beschwerdebilder machen den “Wechsel” zur Krankheit, sondern der durch sie ausgelöste Leidensdruck. Erst wenn die durch den “Wechsel” bedingten Defizite zu Befindlichkeitsstörungen führen, sollte - müsste - man therapieren.

Therapie

Gesprächstherapie

In einer Gesprächstherapie gemeinsam mit der Partnerin, können Strategien entwickelt werden, die Probleme in den Griff zu bekommen. Manchmal gelingt es auch, für alterungsbedingte Defizite Verständnis zu vermitteln und somit ihre Brisanz zu schmälern. Alterung bedeutet Defizite, aber auch Zugewinn; vieles ist nur eine Frage der Betrachtungsweise und des Blickwinkels.

Arztgespräch

Jeder Mann merkt die wechselbedingten Veränderungen an seinem eigenen Körper, kann sie aber sehr häufig nicht richtig deuten. Dann ist es Zeit, sich helfen zu lassen. Auch wenn ein Gespräch über Wechselbeschwerden sehr intim sein kann, den Vorteil von Sachkompetenz und Behandlungsqualität sollt man sich nicht entgehen lassen. So ein Gespräch kann sehr befreiend wirken, Stress abbauen und den Weg zu einer zufriedeneren Beziehung ebnen.

Eine Liste mit sexualmedizinisch ausgebildeten ÄrztInnen finden Sie auf www.afsg.at im Punkt Sexmed-Netzwerk

Hormonbehandlung

In konkreten Situationen kann der Arzt auch Medikamente einsetzen oder mit Hormonen behandeln.

Man sollte sich hüten, sich bei der Beurteilung des Testosteronspiegels zu sehr an Normalwerten zu orientieren, denn was für den einen Mann zu wenig ist, ist für den anderen mehr als ausreichend. Die Symptomatik ist das wesentliche Kriterium für den Beginn einer Hormonbehandlung, der Erfolg dieser Behandlung das andere. Wenn Beschwerden durch Testosteronmangel bedingt sind, müssen sie nach Zufuhr des fehlenden Hormons verschwinden. Ein Resümee über einen Therapieerfolg ist erst nach vier Monaten sinnvoll, um einen Placeboeffekt auszuschließen, denn ein solcher hält maximal sechs Wochen an.

Die Therapie bei Testosteronmangel kann nur die Gabe von Testosteron sein. Vor allen andern Wundermitteln muss gewarnt werden, vor allem vor rezeptfreier Beschaffung über das Internet! (Siehe dazu auch Artikel: Medikamentenfälschungen)

Quelle

Dieser Text ist gekürzt und leicht bearbeitet dem Buch Männer von Dr. Georg Pfau und Dr. Thomas Hartl entnommen.