Stringtanga und Intimrasur

Stringtanga und Intimrasur

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Vorne ein Dreieck, hinten ein schmales Band, das gerne aus der Hüfthose hervorschaut - Stringtangas sind heute der Unterwäsche-Modetrend schlechthin. Besonders bei jungen Mädchen sind sie nicht mehr aus dem Kleiderschrank wegzudenken. Es ist ein Modetrend, der zwar nicht schlimm ist, bei dem aber gewisse Hygienemaßnahmen eingehalten werden müssen, damit er nicht zu Scheideninfektionen führt. Ähnliches gilt für das Rasieren der Intimbehaarung: ob auf ein kleines Dreieck reduziert oder ganz entfernt: die Intimregion ist äußerst sensibel, der Rasierer sollte immer mit Bedacht angesetzt werden!

Kein String bei Scheideninfektion

„Wechselt ein Mädchen regelmäßig seinen Tanga und achtet auf die richtige Körperhygiene, so stellen Strings kein Problem dar“, sagt Dr. Daniela Dörfler, Gynäkologin am AKH und am Österreichischen Institut für Sexualpädagogik. Ist das Scheidenmilieu allerdings bereits aus dem Gleichgewicht und besteht eine Scheideninfektion - was immerhin sehr häufig vorkommt - dann rät sie von Stringtangas ab. Denn durch die Enge und die Reibung kommt es zu einer mechanischen Irritation und Schmerzen. Außerdem ist die große Nähe zwischen Scheide und After ohnehin ein Problem, Bakterien aus dem Analbereich können relativ einfach in die Scheide einwandern und dort für Infektionen sorgen. Besteht bereits eine Infektion und reibt nun der String zusätzlich, können diese Bakterien noch einfacher Richtung Vagina transportiert werden.

Regelmäßig wechseln

„Im Normalfall gelten aber Hygienemaßnahmen wie bei jeder anderen Unterwäsche auch“, beruhigt Dörfler. „Textilien, die Kunstfasern enthalten, sind natürlich weniger günstig als Naturfasern. Aber selbst dann gibt es bei einer gesunden Scheide kein Problem, wenn der Stringtanga täglich gewechselt und gewaschen wird. Außerdem werden ganz billige Produkte von den Mädchen meist ohnehin regelmäßig durch neue ersetzt.“ Ist es sehr heiß, wird stark geschwitzt und riecht der Tanga bereits unangenehm, empfiehlt die Gynäkologin, ihn zu wechseln - durchaus auch unterm Tag.

Weniger ist oft mehr

Diese Hygienemaßnahmen sind wichtig und richtig, womit frau ihrer Scheide jedoch keinen Gefallen erweist, ist übertriebene Körperhygiene. Da wird geseift und geschrubbt, oft mehrmals am Tag und am Ende steht die Verwunderung, warum nun doch eine Pilzinfektion entstanden ist. Dabei ist gerade das oft die Ursache dafür, denn die sensible Scheidenflora ist schnell aus dem Gleichgewicht gebracht. Stark parfümierte Duschgels sind viel zu aggressiv für den Intimbereich, hier sollten einfach nur Wasser oder spezielle PH-neutrale Waschprodukte verwendet werden. Und auch das nicht übertreiben! Eine Wäsche des Intimbereichs nach jedem Gang zur Toilette ist schlichtweg zu viel, im Normalfall reicht es, sich einmal am Tag zu waschen. Ganz schlecht sind Vaginalspülungen, hier werden die guten und wichtigen Bakterien, die die Scheide immer bevölkern müssen, mit weggespült. Bei zu eifriger Intimhygiene fällt der körpereigene Schutzwall und Keime können leichter eindringen.
Prinzipiell sollte nach dem Duschen und Baden kurz gewartet werden bevor man sich anzieht, um der Haut im Intimbereich Zeit zum Trocknen zu geben. Dies schützt auch vor dem Entstehen einer „Feuchtkammer“, die einen Nährboden für Bakterien und Pilze darstellt.

Toiletten-ABC

Dass wir uns nach dem Gang zur Toilette die Hände waschen, hat sich schon zu den meisten herumgesprochen. Dörfler rät Frauen und Mädchen, die zu Infektionen neigen jedoch auch dazu, sich bereits vorher die Hände zu waschen: „Bei Schnupfen, wenn man sich also oft die Nase putzen muss, oder wenn die Hände aus anderen Gründen schmutzig sind, ist es ganz wichtig, diese vorher zu waschen. Sonst verschleppt man selbst die Keime von oben nach unten.“
Und immer, immer wieder gilt, von vorne nach hinten zu wischen, damit keine Darmbakterien in die Scheide gelangen. Wer feuchtes Toilettpapier verwendet, sollte dieses ausschließlich nach dem Stuhlgang zum Einsatz bringen.

Alles für die gesunde Scheide

Günstig ist auch, wenn Mädchen nicht täglich Stringtangas und enge Hosen tragen, die Scheide ab und zu besser „durchlüftet“ werden kann und den Pilzen und Bakterien damit der warme, feuchte Nährboden entzogen wird.
Was frau sonst noch für ein gesundes Scheidenklima tun kann, ist im Artikel ‘gesunde Scheide’ nachzulesen!

Rasieren in der sensiblen Zone

Wie Stringtangas nicht mehr aus vielen Kleiderschränken wegzudenken sind, so ist auch die ganz oder teilweise rasierte Intimbehaarung bei den meisten Mädchen und Frauen heute ein modisches Muss. Und auch hier gilt: prinzipiell okay - sofern ein paar Regeln eingehalten werden! „Es muss jedem Mädchen die Sensibilität dieses Bereichs klar sein“, sagt Dörfler. Also bitte ganz vorsichtig und mit Bedacht rasieren, am besten mit Hilfe eines Handspiegels in der Badewanne. „Kommt es zu Schnittverletzungen, verheilen diese im Intimbereich deutlich schlechter als an den meisten anderen Stellen des Körpers, weil kaum Luft dazu kommt“, warnt die Gynäkologin.

Hygiene, Technik & Produkte

Dass der Rasierer nicht mit anderen geteilt wird, sollte klar sein, denn immer wieder kommt es beim Rasieren zu kleinen, oft gar nicht sichtbaren Hautverletzungen, durch die Keime eintreten können. Auch ein regelmäßiges Wechseln der Klinge ist ratsam, damit sie nicht stumpf und die Haut leichter verletzt wird. Und es sollte immer in Haarwuchsrichtung rasiert werden, da sonst schneller Haarwurzelentzündungen - die bekannten „Rasierwimmerl“ - entstehen. Sind sie einmal da, so ist es besser, kurz mit dem Rasieren zu pausieren und die Stellen mit einer Pflegesalbe, etwa mit einem milden Produkt für Babys, zu behandeln.

Auf keinen Fall sollten im Intimbereich herkömmliche Enthaarungscremes verwendet werden. Diese sind viel zu aggressiv für die empfindliche Haut und die Schleimhäute. Hierzu gibt es Institute, die professionell eine Enthaarung oder Harzen durchführen. Für den Eigengebrauch sind nur entsprechende Spezialprodukte für den Intimbereich zu gebrauchen. Selbst auf Rasierschaum würde Dörfler verzichten: „Am besten verwendet man auch zum Rasieren einfach das normale Waschprodukt, mit dem man den Intimbereich reinigt.“

Werden bestimmte Maßnahmen eingehalten, ist also weder gegen Stringtangas noch gegen Intimrasur etwas einzuwenden. Ein kleiner Denkansatz könnte aber vielleicht sein, dass es neben dem String durchaus auch andere Unterbekleidung gibt, die trotzdem sexy ist und die, wie die Hipsters, auch gut unter Hüfthosen getragen werden können.