Die Ursache für eine Sexualstörung kann alles sein, was das körperlich-seelischsoziale Gleichgewicht stört.

  • Beobachten Sie sich zunächst selbst und stellen Sie subjektiv fest, wie es Ihnen geht und was für Sie problematisch ist.
  • Dann setzen Sie Ihr Wissen ein, denn ohne zu wissen, was Ihre Beobachtungen bedeuten können, finden Sie keine Lösung.
  • Wenn nun weder Ihre Beobachtungen noch Ihr Wissen die Ursache für das Problem klären können, sind objektivere Untersuchungsmethoden sinnvoll, die von einer Ärztin oder einem Arzt anhand Ihrer Symptome eingesetzt werden.

Es gibt

  • körperliche Ursachen von Sexualstörungen oder aber
  • psycho-sozio-kulturelle Ursachen von Sexualstörungen.

Als körperliche Ursachen von Sexualstörungen kommen alle Erkrankungen, Operationen, Unfälle in Frage, die folgende Strukturen unseres Körpers zerstören:
• Genitalien
• Gehirn
• Nervenversorgung
• Blutgefäße
• Muskulatur
• Skelett

Weitere Ursachen betreffen Vorgänge, die in das Gleichgewicht der Hormone und des Stoffwechsels eingreifen oder einen Einfluss auf den gesamten Organismus haben. Theoretisch könnte jede Erkrankung, die das Gleichgewicht verändert, sexuelle Probleme auslösen. Hier beschränke ich mich auf die Erkrankungen, die häufig Sexualstörungen auslösen und über die viele Daten vorliegen.

Gynäkologische Erkrankungen

»Klassische« Infektionserkrankungen

Mit den »klassischen« Infektionserkrankungen, die durch Pilze oder Bakterien ausgelöst werden, macht jede Frau im Laufe ihres Lebens Bekanntschaft und wird dank der derzeit guten Therapiemöglichkeiten nicht über längere Zeit in ihrem Sexualleben eingeschränkt sein.

Allergische Reaktionen

Einen stärkeren Einfluss auf das Sexualleben können die schmerzhaften Herpesinfektionen haben sowie allergische Reaktionen, die z. B. durch Slipeinlagen, Waschmittel oder andere Hygieneprodukte ausgelöst werden können.

Chronische Hauterkrankungen

Bei Schmerzen im Vulva-Vaginalbereich, die auf keine Therapie ansprechen, ist eine genaue Untersuchung durch SpezialistInnen notwendig. Es können chronische Hauterkrankungen dahinterstecken, die zur Zerstörung dieses Hautareals führen, oder auch bösartige Hauterkrankungen. Durch Gewebeproben aus dem betroffenen Gebiet kann man genau feststellen, welche Erkrankung vorliegt, und daraufhin gezielt eine passende Therapie einsetzen.

Achtung!

Viele Frauen gehen trotz massiver Beschwerden beim Geschlechtsverkehr erst spät zu einem Arzt/einer Ärztin. Wir sehen oft richtig »aufgelöste« äußere Genitalien ohne innere Lippen und mit kaum vorhandener Klitoris. Häufig haben sich große Feigenwarzen oder Geschwüre bilden können, bevor die Frauen etwas unternommen haben. Seien Sie neugierig! Ziehen Sie sich regelmäßig an einen geschützten Ort zurück und untersuchen Sie Ihre Genitalien mit einem Spiegel. So ist Ihnen das Aussehen vertraut und Sie können alle Veränderungen schnell feststellen und gleich etwas unternehmen.

Brennende Vulva

Eine Erkrankung, die bei vielen Frauen einen oft jahrelangen Leidensweg verursacht, ist die sogenannte Vulvodynie, auch Vulväres Vestibulitis Syndrom (VVS) oder »brennende Vulva« genannt.

Symptome

Die Betroffenen beschreiben brennende oder schneidende Schmerzen im Bereich des Scheidenvorhofes, die durch Geschlechtsverkehr, Tampons, Radfahren, enge Kleidung oder auch nur durch Sitzen (Druck) ausgelöst werden können. Oft (aber leider nicht immer) kann man eine Rötung um den Scheideneingang sehen. Gelegentlich sind diese Stellen auch angeschwollen.

Diagnose

Die Frauen spannen bei der Untersuchung sofort zum Schutz ihre Beckenbodenmuskeln an. Oft hören Betroffene Sätze wie »Sie haben nichts« oder »Ich kann nichts finden«. Das kann man mit dem bloßen Auge auch nicht, denn diese Erkrankung wird erst aufgrund von Gewebeproben richtig diagnostiziert.

Trockene Scheide nach dem Wechsel

Eine weitere bekannte Veränderung der Vagina ist die sogenannte »trockene Scheide der Frau nach dem Wechsel« oder Vaginalatrophie.

Ursache
Durch das fehlende Östrogen wird die Scheidenschleimhaut dünn und rissanfällig. Die Vagina kann weniger angesäuert werden und ist dadurch für Infektionen und Entzündungen anfälliger. Zusätzlich nimmt die genitale Durchblutung ab. Dies macht sich als »trockene Scheide« bemerkbar. Manche ältere Frauen erzählen auch, dass sie den Eindruck haben, ihre Scheide »schrumpft«.

Operationen

Natürlich KÖNNEN Operationen im kleinen Becken (der Abschnitt des weiblichen Beckens, in dem die inneren Genitalien liegen) auch Sexualstörungen verursachen, falls durch den Eingriff Nervenfasern, die für die Sexualreaktion wichtig sind, durchtrennt werden müssen.

Das kann bei

In welchem Ausmaß die Operationen negative Auswirkungen auf die Sexualität haben, hängt davon ab, wie viele Nervenstrukturen durchtrennt werden und wie die Wundheilung (Narbenbildung) verläuft.

Einig ist man sich, dass bei großen Eingriffen wie Tumoroperationen oft Nerven mit zerstört werden müssen, um sicherzustellen, dass kein Tumorgewebe im Operationsgebiet verbleibt. Gerade die Krebsspezialisten unter den GynäkologInnen sind es aber auch, die für eine nervenschonende Operationstechnik plädieren, um Harn- und Stuhlinkontinenz und Sexualstörungen zu verhindern.

Der Gebärmutterhals (Cervix) scheint eine Sonderstellung sowohl beim Erregungsaufbau als auch beim Orgasmus einzunehmen. Es konnte nachgewiesen werden, dass Frauen selbst mit einer Querschnittlähmung durch gezielte Stimulation des Gebärmutterhalses einen Orgasmus erreichen können. Möglich machen das die Nervenbahnen, die am Rückenmark vorbei eine Verbindung zwischen den wichtigen Zentren des Gehirnes und dem Gebärmutterhals herstellen.

Achtung!
Auch hier gilt: Trauen Sie Ihren Körperwahrnehmungen. Wenn Sie feststellen, dass seit einer Operation die Genitalien nicht mehr »anschwellen«, es Ihnen kaum mehr möglich ist, feucht zu werden, Sie ganz schwer die genitale Erregung aufbauen können oder auch schwerer einen Orgasmus erreichen, dann sagen Sie es Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin. Gleichzeitig ist es auch wichtig, zu wissen, dass erst nach einer Phase der Regeneration gesagt werden kann, wie viele Nervenstrukturen wirklich ausgefallen sind.

Eierstockentfernungen

Eierstockentfernungen, die ohne stichfeste Anhaltspunkte vorgenommen werden, gehören heutzutage zum Glück der Vergangenheit an, denn die GynäkologInnen sind sich der Wichtigkeit der Ovarien als Produktionsstätte für Sexualhormone auch nach der Menopause sehr bewusst.

Leider war der wichtige Einfluss, den die Sexualhormone auf die Botenstoffe des Gehirns haben, lange Zeit nicht bekannt. Das führte sehr häufig dazu, dass Frauen, die sich nach einer Eierstockentfernung emotional verändert fühlten, nachgesagt wurde, sie hätten die Entfernung der Ovarien psychisch nicht verkraftet, weil sie sich dadurch vom Lebensabschnitt der Fruchtbarkeit verabschieden mussten. Diese Erklärung stimmte nur selten. Die Veränderung war auf den Abfall der Sexualhormone zurückzuführen.

Schwere Geburten

Selten kann es bei schweren Geburten zu Verletzungen im Genitalbereich kommen, die Sensibilitätsstörungen verursachen, die sich aber nach einigen Monaten meist legen.

Unfälle

Unfälle, bei denen es zu Beckenbrüchen oder anderen Verletzungen im Genitalbereich kommt, sollten immer auch als Ursachen für Sexualstörungen mitbedacht werden.

Die freiwillige Genitalverstümmelung

Es ist kaum zu fassen! Während weltweit Genitalverstümmelungen aus kulturellen bzw. religiösen Gründen zurückgehen, lassen sich gebildete, aber unwissende Frauen ihre Genitalien freiwillig verstümmeln.

  • Sie lassen sich ihre Vagina durch eine Operation verengen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie zu weit ist.
  • Sie lassen ihre inneren Genitallippen wegschneiden, weil sie sichtbar sind und unter der Kleidung oder beim Geschlechtsverkehr (vermeintlich) stören.
  • Die Klitoris wird versetzt, die Vorhaut entfernt, der G-Punkt und auch die
    äußeren Genitallippen werden unterspritzt.

Wären die Operateure auch Sexualmediziner, dann würden sie den Frauen erklären, dass jede Genitalstruktur eine Rolle beim Erregungsaufbau spielt und welche alternativen Lösungsansätze es für ihr Problem gibt. Zusätzlich würden sie die Frauen unterstützen zu sehen, wie besonders und einmalig das Aussehen ihrer Genitalien ist und wie stolz sie auf ihr sexuelles Lockorgan sein können.

Urologische Erkrankungen

Interstitielle Zystitis (nicht bakterielle Entzündung der Harnblasenwand)

Dabei handelt es sich um eine chronische Entzündung der Blase mit Symptomen wie bei der gewöhnlichen Blasenentzündung, nur spricht diese Erkrankung nicht auf Antibiotika und entkrampfende Medikamente an.

Symptome
Die Betroffenen spüren einen starken Harndrang, müssen bis zu 50 Mal am Tag auf die Toilette, haben Schmerzen im Unterbauch, in der Vagina und im Enddarm.

Diagnose
Richtig diagnostizieren kann man diese Erkrankung nur, indem man die Harnblase (mithilfe eines Zystoskops) von innen anschaut und eine Gewebeprobe entnimmt. So erst werden die typischen Hautveränderungen sichtbar.

Folgeerscheinungen
Frauen, die an dieser zermürbenden Erkrankung leiden, haben oft Sexualstörungen, Schmerzen in Vagina und Unterleib und in der Folge Erregungs- und Orgasmusstörungen oder Lustlosigkeit.

Honeymoon-Zystitis

Der Name Honeymoon-Zystitis klingt nett, aber diese Blasenentzündung fühlt sich gar nicht gut an und kann den Honeymoon ganz schnell verderben.

Symptome
Sie ist äußerst schmerzhaft, vor allem beim Harnlassen, man verspürt verstärkt Harndrang und ein Brennen. Gelegentlich ist Blut im Harn. Unterleibsschmerzen und Fieber sind ebenfalls möglich.

Ursache
Sie entsteht durch häufigen Geschlechtsverkehr. Dabei kann es passieren, dass die natürlich vorhandenen Bakterien ein leichtes Spiel haben, in die Harnröhre zu gelangen, vor allem durch die stärkere mechanische Beanspruchung und die veränderte Scheidenflora.

Sie kombinieren richtig: Frisch verliebte Frauen und solche, die ihre Partner selten sehen, sind gefährdet, eine solche Blasenentzündung zu entwickeln, denn in dieser Phase ist die sexuelle Anziehung besonders groß.

Harninkontinenz

Harninkontinenz kann den Sex ebenfalls negativ beeinflussen, weil viele Frauen Angst davor haben, während des Geschlechtsverkehrs Harn zu verlieren oder schlecht zu riechen.

Beckenboden

Der Beckenboden spielt eine zentrale Rolle für unser Wohlbefinden, aber auch für unsere Sexualität, Harn- und Stuhlkontinenz. Sowohl eine zu hohe als auch eine zu niedrige Beckenbodenspannung kann Sexualprobleme nach sich ziehen. Die Probleme reichen von schmerzhaftem Geschlechtsverkehr bis hin zu Erregungs- und Orgasmusstörungen und Lustlosigkeit.

Das Gehirn

Je nachdem, welche Gehirnregionen zerstört werden, kann es zu verschiedenen Sexualstörungen mit gesteigertem oder vermindertem sexuellem Begehren kommen. Veränderungen im zwischenmenschlichen Verhalten und in der Kommunikation können sich einstellen, was die Sexualität verhindern kann.

Werden die »Befehlsstellen« der Hormonproduktion (Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse) zerstört, so hat dies einen Einfluss auf die Hormonproduktion und kann neben anderen Symptomen zu Menstruationsstörungen, Abnahme der Vitalität, vermindertem sexuellem Begehren und zu Erregungsstörungen führen.

Beispiele für Erkrankungen, Operationen oder Verletzungen des Gehirns:

  • Schlaganfall
  • Zustand nach Gehirnoperationen
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Morbus Parkinson
  • Multiple Sklerose

Nervenstrukturen

Wenn aufgrund von Erkrankungen, Operationen oder Verletzungen die Verbindung zwischen Genitalien und Gehirn unterbrochen wird, dann kann es, je nachdem, welche Nervenbahnen betroffen sind, zu Erregungs- und Orgasmusstörungen kommen, aber auch zu Lubrikationsstörungen und in der Folge zu schmerzhaftem Geschlechtsverkehr. Als Folge der veränderten Körperempfindungen kann sich auch Lustlosigkeit einstellen.

Beispiele für Erkrankungen, Operationen oder Verletzungen der Nerven:

  • Verletzungen der Nervenfasern des Anspannungs- und Entspannungsnervs bei Operationen im Bauchraum und im kleinen Becken,
  • als Folge von Beckenbrüchen,
  • Verletzungen der Nerven, die die Beckenbodenmuskulatur versorgen,
  • Rückenmarkserkrankungen,
  • Bandscheibenvorfall,
  • Querschnittslähmungen,
  • Multiple Sklerose,
  • Polyneuropathie (Erkrankungen der Nervenfasern, häufig durch Diabetes mellitus
    ausgelöst)

Die Blutgefäße

Intakte Blutgefäße sind von großer Wichtigkeit für unsere Sexualität. In der Vagina und in den Schwellkörpern der Klitoris befinden sich kleinste Blutgefäße. Diese reagieren sehr sensibel auf die Zerstörung ihrer innersten Zellschicht, dem Endothel. Oft melden sie schon einige Jahre vor den großen Blutgefäßen, dass sie nicht mehr in Ordnung sind. Wir brauchen nur auf unsere Körperwahrnehmung zu achten.

Der Mann hat es diesbezüglich leichter, denn wenn seine Schwellkörper-Blutgefäße zerstört werden, ist eine Erektion nicht mehr möglich. Der Grund dafür liegt in der Unfähigkeit des Endothels, Botenstoffe, die die Blutgefäße erweitern, zu bilden. Dadurch können sich die Gefäße nicht mehr mit Blut füllen. Es gab längere Zeit den Slogan »Der Penis, die Antenne des Herzens«. Damit wollte man darauf hinweisen, dass sich die Zerstörung der kleinen Blutgefäße des Penis oft schneller bemerkbar macht als die der größeren des Herzens.

Bei der Frau kommt es zu einer verminderten Durchblutung der Klitorisschwellkörper und der Vagina. Dadurch kann das Lustempfinden gedämpft und die Lubrikation vermindert sein.

Sowohl der Bluthochdruck als auch der zu hohe Cholesterinspiegel und Diabetes sind bekannte negative Faktoren für die Blutgefäße, da sie zu ihrer Zerstörung (Arteriosklerose) und im Extremfall zu ihrer Verschließung (Herzinfarkt) führen. Rauchen verengt die Blutgefäße zusätzlich, wodurch die Gefäßzerstörung beschleunigt wird.

Metabolisches Syndrom

Es gibt eine Erkrankung, die wegen ihrer zerstörerischen Auswirkungen unter anderem auf die genitalen Blutgefäße von allen InternistInnen und HerzspezialistInnen gefürchtet wird: das metabolische Syndrom. Das Wort Syndrom bedeutet, dass sich diese Erkrankung aus mehreren Faktoren zusammensetzt. Wenn drei von diesen Faktoren vorliegen, bestätigt dies die Diagnose des Syndroms.

Auffällige Hinweise darauf sind Übergewicht und erhöhter Bauchumfang (über
80 cm bei Frauen). Je mehr die Körperform der eines Apfels ähnelt, desto mehr hat sich das gefürchtete »Eingeweidefett« oder »viszerale« Fett um die Darmschlingen angelagert. Dieses Bauchfett ist besonders aktiv und führt auf Dauer dazu, dass der Stoffwechsel entgleist. Das kann in der Folge zu erhöhtem Blutdruck und zu erhöhten Cholesterinwerten führen und schließlich dazu, dass der Körper nicht mehr gut auf Insulin anspricht. Mit der Zeit entwickelt sich daraus Diabetes mellitus.

Beispiele für Erkrankungen, Operationen oder Verletzungen der Blutgefäße:

  • Bluthochdruck,
  • Verengung der Herzkranzgefäße,
  • Verschlusskrankheit der Bauchgefäße (aortoiliakale Verschlusskrankheit),
  • Umbauprozesse,
  • Zerstörung und Verschluss der Blutgefäße im Bereich der Becken und Genitalgefäße,
  • Operationen der Bauch-Aorta und der Beckengefäße,
  • Verletzungen der Becken- und Genitalgefäße

Die Muskulatur

Sind die Muskeln durch Verletzungen, Schwächung, Krämpfe oder Umbauprozesse in ihrer natürlichen Bewegungsfähigkeit und Funktion eingeschränkt, können sie indirekt sexuelle Schwierigkeiten erzeugen, weil es den Betroffenen nur mehr schwer möglich ist, Sex in der gewünschten Form auszuleben.

Das Skelett

Frauen, deren Beweglichkeit durch Erkrankungen, Verletzungen oder Abnutzung der Gelenke eingeschränkt ist, klagen häufig über Schmerzen und über veränderte Sexualität. Es gelingt ihnen oft nicht, die passende Stellung zu finden, in der sie sich lange genug schmerzfrei auf eine sexuelle Begegnung einlassen können. Zusätzlich verhindern die Schmerzen ausreichenden Schlaf, haben einen negativen Einfluss auf die emotionale Stabilität und in der Folge auf das Bedürfnis nach Sex.

Schmerzen, gleich welcher Ursache, haben einen starken negativen Einfluss auf die Sexualität. Deswegen ist zunächst eine optimale Schmerztherapie notwendig, um wieder zu einer befriedigenden Sexualität zu finden.

Diabetes mellitus

  • Diabetes ist wegen seiner zerstörerischen Wirkung auf die großen und kleinsten Blutgefäße (Makro- und Mikroangiopathie) gefürchtet. Doch dies ist nur eine der negativen Wirkungen.
  • Denn zugleich werden auch die für die Sexualreaktion wichtigen Nerven (Polyneuropathie) sowie die glatten Muskelzellen der Schwellkörper angegriffen.
  • Fast jede dritte Diabetikerin leidet an einer Depression, die selbst schon zu Lustlosigkeit führen kann.
  • Gleichzeitig führt Diabetes mellitus zu einer höheren Anfälligkeit für genitale Pilzerkrankungen und trockene Schleimhäute, die sich einschränkend auf das Sexualleben auswirken.

Die Datenerhebung der Sexualstörungen bei Frauen mit Diabetes stellt sich nicht ganz so leicht dar, wie es die Wissenschaftler sich wünschen, insbesondere wenn es um sexuelle Erregung geht. Frauen wurden in Untersuchungen gefragt, ob ihre Erregbarkeit durch Diabetes abgenommen habe, und die meisten antworteten mit »Nein«. Bei gleichzeitiger Messung der genitalen Durchblutung ergab sich jedoch, dass die genitale Erregung häufig von der beschriebenen abwich. Für ÄrztInnen zeigt sich hier einmal mehr, wie wichtig es ist, die Frauen immer auch zu fragen, ob sie sich emotional und genital erregt fühlen.

Hormonelle Störungen

Sexualhormone und andere Hormone regeln unsere inneren und äußeren Voraussetzungen, damit wir überhaupt für Sexualität bereit sind, sie genießen und ausleben können. Hormonelle Störungen können sich also negativ auf die Bereitschaft, Empfänglichkeit und sexuelle Zufriedenheit auswirken und dazu beitragen, dass es zu zerstörerischen Umbauprozessen in den Genitalorganen kommt.

Beispiele für Erkrankungen, Operationen oder Verletzungen:

  • Eierstockentfernung,
  • Operationen, Schädigung der »Befehlsstellen« der Hormonproduktion im
    Gehirn,
  • Schildrüsen-Funktionsstörungen,
  • Chronische Lebererkrankungen,
  • Prolaktinome,
  • chronische Niereninsuffizienz,
  • Diabetes mellitus

Krebserkrankungen

Die Diagnose Krebs löst in erster Linie Ängste vor der Zukunft aus, die das Thema Sexualität in den Hintergrund drängen. Operationen können Auswirkungen auf das Körperempfinden, aber auch auf das Körperbild haben. Chemotherapien führen zu Erschöpfung, Gewichtsabnahme, Haarverlust und haben darüber hinaus viele Nebenwirkungen, die sich auf die Stimmung niederschlagen können. Eine eventuelle Antihormontherapie kann zu Wechselbeschwerden führen.

Krebserkrankungen haben einen starken Einfluss auf die Partnerschaft und das Familienleben. Spätestens nach überstandener Krankheit kehrt das Thema Sexualität meistens wieder ins Zusammenleben zurück, und wenn es oft nur deswegen ist, weil Frauen glauben, dass sie ihrem Partner nicht zumuten können, so lange ohne Sex mit ihnen zu leben.

Oft fällt es jedoch nach einer derart einschneidenden Erkrankung schwer, in die Normalität, also auch zum Sex zurückzukehren. Viele Paare schweigen und vermeiden dieses Thema, weil sie einfach keinen Weg mehr zurück finden und auch keinen neuen sehen.

(Mehr dazu lesen Sie bitte im Artikel “Krebs und Sexualität”)

Psychische Erkrankungen

Erkrankungen, die einen starken Einfluss auf das eigene emotionale, aber auch soziale Wohlbefinden haben, wirken sich immer auf die Sexualität aus. Frauen, die etwa unter Depressionen leiden, neigen dazu, sich in sich zurückzuziehen.

Das hat zur Konsequenz, dass es für den Partner sehr schwer ist, einen emotionalen oder sinnlichen Kontakt herzustellen. Diese Erkrankung belastet Partnerschaften sehr. Lustlosigkeit kann auch ein Hinweis auf eine Depression sein.

Jede andere psychische Erkrankung kann ebenfalls die Sexualität beeinflussen, indem sie entweder das Verhalten ändert (starke Sexualisierung oder das Gegenteil) oder die Art des zwischenmenschlichen Umgangs.

Medikamente

Es steht außer Frage, dass Medikamente ein Segen sind, da sie unseren Körper bei der Bewältigung von Krankheiten unterstützen. Medikamente wirken, sonst wären sie nicht zum Verkauf zugelassen. Jedoch schaffen es die meisten Medikamente nicht, exakt an dem Organ oder an der Stelle zu wirken, wo wir es uns wünschen.

Das heißt, sie können mehr oder weniger starke Nebenwirkungen entfalten. Uns interessieren hier die Nebenwirkungen, die sie auf unsere Sexualität haben können.

Ich gehe davon aus, dass kein Mensch Medikamente über einen längeren Zeitraum einnimmt, wenn kein Grund dazu besteht. Gleichzeitig weiß ich, dass keine/r meiner ärztlichen KollegInnen Medikamente ohne triftigen Grund verschreibt. Doch wenn wir bestimmte Medikamente einnehmen, kann es sein, dass diese einen negativen Einfluss auf unsere Sexualität haben. Wir nennen sie deswegen auch »potenziell kontrasexuelle Medikamente«.

Potenziell kontrasexuelle Medikamente

Ein und dasselbe Medikament kann bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken, ebenso kann es bei verschiedenen Frauen sein.

Das werden Sie selber kennen: Während die eine auf ein Medikament schwört, weil es so gut hilft, lehnt eine andere es wegen der schlimmen Nebenwirkungen ab. Meines Erachtens ist es deshalb in jedem Falle wichtiger, dem eigenen Körper zu vertrauen, als sich nach einer Liste der potenziell kontrasexuellen Medikamente zu orientieren.

Sollten Sie Medikamente länger einnehmen müssen und feststellen, dass sich Ihre Sexualfunktion ändert, dann ist es wichtig, sich mit dem behandelnden Arzt/ der behnadlenden Ärztin abzusprechen. Es gibt in den allermeisten Fällen eine Lösung, die gut für die Behandlung der Grunderkrankung ist und sich nicht negativ auf die Sexualität auswirkt.

Wie können Medikamente oder Substanzen die Sexualität beeinflussen?

Medikamente und Substanzen können in verschiedener Weise unsere Sexualität verändern, indem sie

  • im Gehirn in das Gleichgewicht der Botenstoffe und Hormone eingreifen,
  • die normalen Befehle der Genitalnerven verändern,
  • die Durchblutung der Genitalien stören,
  • den Aufbau und die Versorgung der Vagina-Schleimhaut ändern,
  • gegen Östrogene oder Androgene wirken.

Anmerkung
Inwiefern blutdrucksenkende Mittel einen negativen Einfluss auf die genitale Durchblutung bei Frauen haben, lässt sich nicht sagen, da nicht genügend Daten dazu vorliegen. Bei Männern konnte hingegen beobachtet werden, dass auch sehr gute Blutdruckmedikamente die Sexualität stören können, weil sie die Druckverhältnisse in den Blutgefäßen ändern.

Weiterführender Artikel

psycho-sozio-kulturelle Ursachen von Sexualstörungen

Quellenangabe

Dieser Text ist, mit freundlicher Genehmigung des Verlages, dem Buch Weiblich, sinnlich, lustvoll von Dr. Elia Bragagna, 2010 erschienen im Ueberreuter Verlag, entnommen.