Gebärmuttermyome

Myome kommen sehr häufig vor, verursachen in der Regel jedoch keine Beschwerden und müssen daher auch meist nicht behandelt werden. In seltenen Fällen ist jedoch eine Entfernung nötig.

Definition

Myome sind gutartige Muskelknoten, welche in der Gebärmutterwand, und/oder an der Oberfläche nach außen oder in der Gebärmutterhöhle wachsen. Die Größe variiert von wenigen mm bis Kindskopfgröße.

Häufigkeit

Myome sind die häufigsten Geschwulste im Becken von Frauen (20-30% der Frauen über 35 Jahre sind davon betroffen sowie etwa 50% der afroamerikanischen Frauen). Sie werden meistens zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, häufig zufällig, entdeckt.

Historische Hintergründe

Myome wurden schon in der Antike beschrieben, die operative Entfernung (Hysterektomie) der Gebärmutter wird seit dem 19. Jahrhundert durchgeführt.

Ursache

Myome können erblich bedingt sein, die Ursache ist jedoch nicht vollständig geklärt. Das Wachstum der Myome wird durch Östrogene beeinflusst, d.h. sie entstehen im gebärfähigen Alter und schrumpfen nach den Wechseljahren.

Symptome

Die meisten Myome verursachen keine Beschwerden und erfordern keine Behandlung. Je nach Lage dieser Knoten können vielfältige Symptome auftreten:

  • verstärkte, verlängerte und/oder schmerzhafte Regelblutungen
  • Druckgefühl auf die Harnblase mit Beschwerden beim Wasserlassen (verstärkter oder schmerzhafter Harndrang, Inkontinenz)
  • Druckgefühl oder Schmerzen im Becken
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Verstopfung durch Druck auf den Enddarm
  • Kreuzschmerzen, manchmal auch ischiasartige, in die Beine ausstrahlende Schmerzen
  • eventuell Ursache für Sterilität, Fehlgeburt oder Frühgeburt

Diagnose

Die Erstdiagnose erfolgt meistens im Rahmen einer gynäkologischen oder Ultraschalluntersuchung durch den Frauenarzt. Mit der Magnetresonanztomographie können Größe, Anzahl und Lage der Myome am besten beurteilt werden.

Behandlung

Die überwiegende Anzahl an Myomen erfordert keine Behandlung. Bei Beschwerden richtet sich die individuelle Therapie nach dem Alter der Patientin, dem subjektiven Befinden der Frau, und nach Sitz und Größe der Myome. Bei sehr raschem Wachstum der Myome ist eine Abklärung und eventuelle Entfernung notwendig, um eine bösartige Entartung frühzeitig zu erkennen (0,5% der Myome). Es wird zwischen operativen und nicht-operativen Therapien unterschieden. Falls eine Behandlung notwendig erscheint, ist ein ausführliches Aufklärungsgespräch über alle Alternativen mit der Patientin zu führen.

Hormonbehandlung

Die Behandlung der Myome mit verschiedenen Hormonen (Östrogene, Gestagene) ist vor allem bei Blutungsstörungen - nach Ausschluss anderer Erkrankungen - möglich. Kurzfristig können spezielle Hormone (GnRH-Analoga) einen künstlichen Wechsel hervorrrufen, was ein teilweises Schrumpfen der Myome bewirken kann. Aufgrund zahlreicher möglicher Nebenwirkungen sollte diese Therapie nur ausgewählten Patientinnnen angeboten werden.

Myomembolisation

Seit 1995 wird die Katheterembolisation der Gebärmutterarterien als Alternative zur Operation durchgeführt. Bei dieser Therapie wird die Blutzufuhr der Myome unterbunden, welche daraufhin verhungern und schrumpfen. Die Gebärmutter bleibt erhalten und die Beschwerden lassen sich in 80-90% erfolgreich behandeln. Zwischenzeitlich haben zahlreiche Studien bewiesen, dass die Embolisationsbehandlung in den meisten Fällen der Gebärmutterentfernung bezüglich Symptomrückgang und Lebensqualität gleichwertig ist, und wird deshalb von vielen Fachgesellschaften (z.B. USA, Frankreich, Deutschland) empfohlen. Die wesentlichen Vorteile der Embolisation der Gebärmuttergefäße liegen im Erhalt der Gebärmutter, der schonenden Behandlungsform (in lokaler Vereisung ohne Vollnarkose) und der wesentlich rascheren Genesungsphase (meistens wenige Tage).

Myomoperation

Eine chirurgische Behandlung ist zu empfehlen, wenn die Myome sehr groß sind, sehr rasch wachsen, starke Beschwerden verursachen oder die mögliche Ursache für eine Unfruchtbarkeit sind. Grundsätzlich können Operationen wie die Gebärmutterentfernung Körper und Seele der Frau langfristig beeinträchtigen.

Es gibt unterschiedliche Operationsverfahren:

  • Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie)
    Die komplette Entfernung der Gebärmutter sollte nur bei abgeschlossener Familienplanung und bei Fehlen alternativer Therapien (z.B. Embolisation) in Betracht gezogen werden. Die Gebärmutter kann durch die Scheide oder über einen Bauchschnitt entfernt werden. Vorteil dieser großen Operation ist, dass kein Wachstum neuer Myome mehr möglich ist und die myombedingten Beschwerden sicher aufhören. Nachteilig empfinden viele Frauen den Verlust ihrer Weiblichkeit, die Narbenbildung (im Bauch) und die relativ lange Genesungszeit nach der Operation. Spätfolgen der Gebärmutterentfernung sind unter anderem das gehäufte Auftreten einer Harninkontinenz.
  • Operative Ausschälung des Myoms (Myomektomie)
    Bei Frauen im gebärfähigen Alter und nicht abgeschlossener Familienplanung oder bei Frauen, die keine Entfernung der Gebärmutter wünschen, können unter bestimmten Voraussetzungen einzelne Myome entfernt werden.
    Die Ausschälung ist jedoch nur bei wenigen Myomen und günstiger Lage möglich. Die Entfernung erfolgt meistens über eine wenig belastende Bauchspiegelung. Nachteilig ist, dass eventuell erst während der Spiegelung beurteilt werden kann, ob die Myome ausgeschält werden können. Bei ungünstigem Sitz, bei großer Anzahl von Myomen oder auch bei Frauen mit Kinderwunsch wird die Myomentfernung meist über einen Bauchschnitt vorgenommen. Bei dieser Bauchoperation können auch Myome mit ungünstigem Sitz entfernt werden, bei Erhaltung der Gebärmutter. Nachteilig ist - wie bei der Entfernung der Gebärmutter - die größere Belastung, eine längere Genesungszeit und größere Narbenbildung.
    Bei Sitz der Myome in der Gebärmutterhöhle ist eine weniger belastende, operative Entfernung über die Scheide möglich. Die Entfernung der Myome gelingt jedoch nicht immer, auch treten gelegentlich nach der Abtragung starke Blutungen auf.
  • Fokussierter Ultraschall (FUS)
    Die fokussierte Ultraschalltherapie ist ein neues und besonders schonendes Verfahren zur Behandlung symptomatischer Gebärmuttermyomen. Die in einem Magnetresonanztomographen (MRT) durchgeführte Behandlung ermöglicht die gezielte Erhitzung und Echtzeitüberwachung der Temperatur im Myom. Das Gewebe wird dabei mit Hilfe hochintensiver, fokussierter Ultraschallwellen zerstört. Seit 2004 ist diese Methode von der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) für die Behandlung symptomatischer Myome freigegeben, jedoch in Österreich derzeit noch nicht verfügbar. Vorteile sind die schnelle Genesung (Rückkehr der Patientinnen zu ihrem normalen Tagesablauf bereits nach 24 Stunden), schnelle Linderung der Myombeschwerden und nur sehr geringe Nebenwirkungen und Komplikationen.

Methodenvergleich der Myombehandlungen

  • Abwarten
    Behandlungsdauer (Stunden): 0
    Krankenhausaufenthalt (Tage): 0
    Genesungszeit (Tage): 0
    Nebenwirkungen: Weiterwachsen der Myome, Verschlechterung der Symptome
  • Hormontherapie
    Behandlungsdauer (Stunden): 0
    Krankenhausaufenthalt (Tage): 0
    Genesungszeit (Tage): 0
    Nebenwirkungen: Wirkung 6-12 Monate, Klimakterische Symptome
  • MRgFUS
    Behandlungsdauer (Stunden): 3
    Krankenhausaufenthalt (Tage): 0-1
    Genesungszeit (Tage): 1
    Nebenwirkungen: selten Hautverbrennung, Muskelschmerzen
  • UAE
    Behandlungsdauer (Stunden): 0,5-2
    Krankenhausaufenthalt (Tage): 1-3
    Genesungszeit (Tage): 5-7
    Nebenwirkungen: Tage dauernde Schmerzen, Verletzung von Blutgefäßen, Gebärmutterentzündung
  • Myomektomie
    Behandlungsdauer (Stunden): 1-3
    Krankenhausaufenthalt (Tage): 1-4
    Genesungszeit (Tage): 14-42
    Nebenwirkungen: Infektion, Verletzung innerer Organe, möglicher Kaiserschnitt
  • Hysterektomie
    Behandlungsdauer (Stunden): 1,5-3
    Krankenhausaufenthalt (Tage): 3-6
    Genesungszeit (Tage): 28-42
    Nebenwirkungen: Infektion, Blutung, Verletzung von Darm oder Blase, Organverlust, Narben

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Über den Autor

Prim.Univ.-Prof.Dr.Siegfried Thurnher ist Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie (ÖGIR) und Vorstand der Abteilung für Radiologie und Nuklearmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien.